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Anton Lorenz

Biografien
Anton Lorenz

*  1891
† 1964 Greenwich


Der Ungar Anton Lorenz wird nicht nur als begabter Designer von zeitlosen Stahlrohrmöbeln, sondern auch als findiger Geschäftsmann und Protagonist im Streit um Urheberschaft und Copyright des Freischwingers bekannt.
Im Jahr 1891 in Budapest geboren, ist Anton Lorenz bis 1919 in seiner Geburtsstadt als Lehrer für Geschichte und Geografie tätig. Danach kommt er mit seiner Frau, einer Opernsängerin, die in Leipzig ein Engagement bekommen hat, nach Deutschland. Anton Lorenz ist in Leipzig im Schließanlagengeschäft tätig, bis er 1927 nach Berlin übersiedelt und dort auf Kalman Lengyel trifft. Dieser sucht im Auftrag der gemeinsam mit Marcel Breuer gegründeten Firma "Standard Möbel" nach Produktionsmöglichkeiten. Die beiden Geschäfts- und Landsmänner werden sich rasch einig, und Anton Lorenz produziert ab dem Beginn des Jahres 1928 Breuers Entwürfe in seiner eigenen Metallwerkstatt und fungiert zugleich als Geschäftsführer von "Standard Möbel".
Lorenz, offenbar ein guter Ökonom, sucht in der Folgezeit nach neuen Einnahmequellen. Sein Interesse gilt dem Stahlrohr-Freischwinger in der von Ludwig Mies van der Rohe geschaffenen Form. Nachdem Mies van der Rohe Anton Lorenz' Angebot einer Geschäftspartnerschaft jedoch ablehnt, wendet sich der Ungar 1929 an Mart Stam, den Erfinder des ersten hinterbeinlosen Kragstuhls. Er kauft die Rechte an Stams Freischwinger und gründet seine eigene Firma "DESTA" (Deutsche Stahlmöbel). "Standard Möbel" wird im selben Jahr von der Firma "Thonet" übernommen. Nach zahllosen von Anton Lorenz initiierten und erfolgreich geführten Gerichtsverhandlungen um das Copyright des Freischwingers überträgt dieser 1932 alle Rechte am Sortiment von "DESTA" an "Thonet", wo er zeitgleich zum Leiter der Abteilung für gewerblichen Rechtsschutz bestellt wird.
Anton Lorenz ist jedoch nicht nur Geschäftsmann: In den 1930er Jahren betätigt er sich auch selbst als Designer von Stahlrohr-Möbeln. Der berühmteste Entwurf wird die um 1931 erdachte Stahlrohrliege "LS 22" mit Eisengarnbespannung. Zunächst wird das elegant-minimalistische Möbel von "DESTA", bald darauf von "Thonet" produziert. Dort wird der "moderne Klassiker" seit 2006 wieder hergestellt.
Nach den erfolgreich gefochtenen Kämpfen um den Freischwinger versucht Anton Lorenz, sich weitere Patente und Vermarktungsrechte an zukunftsweisenden Designs zu sichern. So erwirbt er etwa vor 1935 Lizenzen für stapelbare Stühle nach Entwürfen von Mart Stam, Alvar Aalto und Bruno Pollak.
1939 führt eine Geschäftsreise Anton Lorenz nach Amerika, zeitgleich bricht der Zweite Weltkrieg aus. Lorenz kehrt nicht zurück. Er bleibt im Möbel- und Patentgeschäft tätig und stirbt 1964 in Greenwich/Connecticut.