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Franz Ehrlich

Biografien
Franz Ehrlich

*  1907 Leipzig
† 1984 Bernburg/Saale


Der in jüngerer Zeit zunehmend gewürdigte, vielseitige Bauhauskünstler Franz Ehrlich kommt im Jahr 1907 in Leipzig zur Welt.
Nach einer Lehre zum Maschinenbauschlosser wählt Ehrlich einen unsicheren, aber von seiner Leidenschaft geleiteten Weg: Er wird im Jahr 1927 Student am Bauhaus in Dessau. Josef Albers und László Moholy-Nagy unterrichten ihn im Vorkurs, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer zählen zu seinen weiteren Lehrern. Franz Ehrlich legt im Jahr 1930 das Bauhaus-Diplom ab.
Franz Ehrlich ist in seiner Ausbildung und seiner späteren Karriere stets darauf bedacht, ein "Universalkünstler" zu werden, der sich in allen Gattungen ausdrücken kann. Im Sinne eines großen, sozialpolitischen und kulturellen "Gesamtkunstwerks" will er die Gesellschaft neu gestalten. Stilistisch stehen seine frühen Werke Naum Gabo und El Lissitzky, aber auch Wassily Kandinsky und Joost Schmidt nahe. Ehrlich bevorzugt eine abstrahierte, konstruktivistisch angeregte oder auch organisch anmutende Bildsprache, die er in Grafik, Skulptur und Malerei gleichermaßen zur Anwendung bringt. Besonders das Verhältnis der Farb- und Formwerte steht dabei im Interessenszentrum des Künstlers.
Die politische Entwicklung hemmt seine weitere Entfaltung. Franz Ehrlich ist ein politisch Denkender und Handelnder, tritt 1930 der KPD bei, geht 1933 in den Widerstand und wird zum Mitherausgeber der verbotenen Zeitschrift "Junge Garde". Doch schon 1934 wird Ehrlich von der Gestapo verhaftet. Das Urteil: "Vorbereitung zum Hochverrat" und drei Jahre Zuchthaus. Seiner Freundin gelingt es, Papier und Malmittel in die Haft zu schmuggeln. Hier schafft Franz Ehrlich seine eindrucksvollen "Blätter aus der Haft", mit denen er einen figurativen, an den Magischen Realismus ebenso wie an Oskar Schlemmer erinnernden Stil ausbildet.
1937 wird Ehrlich in das Konzentrationslager Buchenwald verlegt. Der dortige SS-Bauleiter wählt ihn aus, um den zynischen Spruch "Jedem das Seine" zu gestalten, der sich vom Lagertor aus an die Häftlinge richtet. Ehrlich erfüllt den Auftrag - jedoch in Geist und Stil des Bauhauses. Auf subtile Weise leistet er auch damit Widerstand.
Franz Ehrlich wird 1939 entlassen und zum Arbeitsdienst verpflichtet. Die letzten beiden Kriegsjahre verbringt er, für "wehrunwürdig" erklärt, in einem Wehrmacht-Strafbataillon und in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft.
Nach Kriegsende verantwortet Franz Ehrlich den Wiederaufbau von Dresden und macht sich bald als freier Architekt einen Namen. Ab 1957 entwirft er auch Möbel, die im VEB Deutsche Werkstätten Hellerau in Serie gehen. In seinen Nachkriegsarbeiten kann Franz Ehrlich überzeugend an seine Bauhauszeit anknüpfen, ohne dabei jemals wiederholend zu wirken.
Seine erste Einzelausstellung mit dem Titel "Franz Ehrlich - die frühen Jahre" bespielt er 1980 in Leipzig. 2009 ehrt eine Sonderausstellung im Neuen Museum in Weimar den Künstler und Widerständler Franz Ehrlich.
Franz Ehrlich verstirbt im Jahr 1984 in Bernburg/Saale.