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Josef Hartwig

Biografien
Josef Hartwig

*  1880 München
† 1956 Frankfurt


Josef Hartwig, 1880 in München geboren, zählt als Bildhauer zur Lehrergeneration des Weimarer Bauhauses.
Seine strenge, funktionale Kunstauffassung wurzelt in einer Epoche großer Schmuckfreude: dem Jugendstil. Dreizehnjährig beginnt Josef Hartwig eine Lehre beim Bildhauer Simon Korn. In dessen Atelier, das einen historisierenden, eklektizistischen Stil pflegt, werden auch im Auftrag des Hochbauamtes architektonische Projekte in Gipsmodellen vorbereitet. In diesem Kontext kommt der junge Josef Hartwig in Kontakt mit so berühmten Architekten wie Theodor Fischer.
Ein zweiter bekannter Baumeister soll Josef Hartwig ein frühes und leuchtendes Hauptwerk bescheren: 1897 tritt August Endell mit der Bleistiftzeichnung eines ornamental abstrahierten Drachens, der die berühmte Jugendstilfassade des "Photoateliers Elvira" in München schmücken soll, ins Atelier. Die Aufgabe, diese Idee von einer Skizze auf die Mauer zu übertragen und in ein dreidimensionales Gebilde zu verwandeln, kommt dem erst 17-jährigen Josef Hartwig zu, der im Zuge dieser Arbeiten viele Anregungen von Endell empfängt. Hitler lässt das Meisterwerk zerstören, das heute nur mehr fotografisch überliefert ist.
Von 1904 bis 1906 nimmt Josef Hartwig ein Studium der Bildhauerei an der Münchener Kunstakademie bei Balthasar Schmidt auf, das er sich als Bauplastiker finanziert. In Nebenfächern schult er sich an der Akademie auch in Architektur, Zeichnen und Kunstgeschichte.
Ein tiefer Einschnitt im Leben Josef Hartwigs wird 1906 der Tod seiner Eltern. Es folgen rastlose Jahre in verschiedenen Städten. 1910 lässt sich Josef Hartwig dann in Berlin nieder. Dort soll er, unterbrochen vom ihm verhassten Krieg, elf Jahre lang als Plastiker arbeiten, bis Walter Gropius ihn 1921 als Leiter der Werkstatt für Holz- und Steinbildhauerei ans Weimarer Bauhaus beruft.
In diesem Kontext schafft Josef Hartwig beispielsweise gemeinsam mit Oskar Schlemmer Wandplastiken nach abstrahiert-figurativen Entwürfen des Letzteren. Diese Arbeiten im Treppenaufgang des Werkstattgebäudes werden 1928 von der Weimarer Bauhochschule als "überflüssiges Ornament" entfernt. Zu den bekanntesten Bauhaus-Arbeiten Josef Hartwigs zählt das reduzierte, geometrisch-additiv verstandene "Bauhaus-Schachspiel", das sich heute in so berühmten Sammlungen wie der des Museum of Modern Art in New York befindet.
Ab 1925, also seit dem Umzug des Bauhauses nach Dessau, wirkt Josef Hartwig als Lehrer für Bildhauerei, Geometrie, Perspektive und Schrift an der Kunsthochschule in Frankfurt, der Städelschule. Hartwig arbeitet in diesen und den folgenden Jahren mit bedeutenden Künstlern wie Gerhard Marcks, Georg Kolbe, Toni Stadler und Richard Scheibe zusammen und erschafft daneben zahlreiche selbständige plastische Werke. Zu nennen sind beispielsweise Figuren zu einem Marionettentheater oder eine stimmig abstrahierte Eule aus rotem Veroneser Marmor. Der kraftvollen, kreativen Kunst Josef Hartwigs setzt sein Bauhaus-Kollege Gerhard Marcks ein bronzenes Denkmal, indem er "Hartwigs meißelnde Hand" zum Sujet einer seiner Skulpturen erhebt.
Neben der eigenständigen Plastik beschäftigt sich Josef Hartwig auch mit der Restauration: Ab 1938 bis zum Kriegsende ist er als Restaurator an der Städtischen Galerie in Frankfurt, nach 1945 als Meister in der Restauratorenwerkstatt der Skulpturensammlung im Frankfurter Liebighaus tätig. Josef Hartwig verstirbt 76-jährig im Jahr 1956 in Frankfurt.