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André Breton

Biografien
André Breton



Ohne den Schriftsteller und Theoretiker André Breton ist eine der wichtigsten künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts nicht vorstellbar. Als Vordenker, Führungspersönlichkeit und Dichter des Surrealismus hat der streitbare André Breton Geschichte geschrieben.

André Breton, 1896 in Tinchebray / Orne als Sohn eines bescheidenen Geschäftsmannes geboren, hatten schon in seiner Ausbildung die Untiefen der menschlichen Psyche fasziniert: Er studierte in Paris Medizin und war besonders von der Psychiatrie und nicht zuletzt von Sigmund Freuds Psychoanalyse beeindruckt; Freud besuchte er 1921 sogar in Wien. Schon zwei Jahre zuvor, 1919, hatte André Breton, der zunächst dem Dadaismus nahe stand, gemeinsam mit zwei Freunden die Zeitschrift "Littérature" begründet, in der er erstmals einen seiner Texte als "surrealistisch" klassifizierte.
Mehr und mehr wurde der Surrealismus unter André Bretons Fittichen zu einer geschlossenen Schule, die 1924 mit seinem programmatischen "Manifeste du Surréalisme" einen ersten Höhepunkt fand und deren Organ die Zeitschrift "La Révolution surréaliste" wurde. Zu Beginn war der sogenannte Breton-Surrealismus - allein dieser Terminus bezeugt die herausragende Stellung von André Breton innerhalb der Bewegung - keineswegs ein Stil der Kunst, sondern eine geistige Grundhaltung: Der "psychische Automatismus" forderte die Grenzaufhebung zwischen Traum und Wirklichkeit und die Wirksamkeit des Unbewussten ein; André Bretons zweites Manifest des Surrealismus ergänzte eine Hinwendung zu Rätselhaftem und Okkultem. Um 1928 forcierte André Breton, im Automatismus nun die Gefahr eines Ästhetizismus erkennend, eine Wende zum Veristischen Surrealismus und dem Stilprinzip der "Kombinatorik".

Seit den ausgehenden 1920er Jahren geriet der Surrealismus aufgrund seiner zunehmenden Politisierung und der Dominanz von André Breton immer wieder in schwere Krisen, die tiefe Brüche zur Folge hatten. André Breton aber blieb das unverrückbare Zentrum der Bewegung. Nach dem Zweiten Weltkrieg betätigte er sich, nachdem er 1940 in die USA emigriert war, dort gemeinsam mit Marcel Duchamp und Max Ernst die Zeitschrift "VVV" gegründet hatte und nach Kriegsende nach Paris zurückkehren konnte, mit der Wiedererstarkung des Surrealismus: Die Pariser Schauen von 1947 und 1959/1960 ("E.R.O.S.") sowie die Ausstellung "L'écart absolu" ("Die absolute Abweichung", 1965) sind Zeugnisse von André Bretons fruchtbarem Nachkriegssurrealismus. Zudem engagierte sich André Breton gemeinsam mit Jean Dubuffet und Michel Tapié für die "Art Brut" und war einer der Gründungsväter der "Compagnie de l'Art Brut". 1966 verstarb André Breton in Paris.

André Bretons Oeuvre umfasst zahlreiche richtungsweisende theoretische und künstlerische Schriften. Aus seiner Feder flossen bereits die bedeutendsten dadaistischen Texte und wenig später surrealistische Ideen in visionärer Versprosa, Traumdeutungen, Analysen von Geisteskrankheiten und Seelenzuständen, Gedichte und Essays. Der 1928 veröffentlichte experimentelle Roman "Nadja" über ein weibliches Medium wurde sein größter Erfolg und gilt heute als Meisterwerk des Surrealismus. Originalausgaben von André Bretons Werken sowie originale Zeitschriftennummern sind heute weltweit bedeutende und gesuchte Sammlerstücke.