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Christian Dell

Biografien
Christian Dell

*  1893 Hanau
† 1974 Wiesbaden


Christian Dell, Metallkünstler und Industriedesigner, zählt trotz eines wegweisenden Oeuvres zu den weniger bekannten Namen des Bauhauses. Der 1893 als Sohn eines Schlossermeisters in Offenbach Geborene konturierte von 1922 bis 1925 als Lehrer die Weimarer Metallwerkstätte. Zuvor hatte Christian Dell in Hanau eine Ausbildung zum Silberschmied absolviert und die Zeichnungsakademie besucht, darauf folgte ein Aufenthalt an der Weimarer Kunstgewerbeschule. Henry van de Velde, der Leiter dieser Institution, prägte mit seiner organisch-fließenden Formensprache das Frühwerk Christian Dells, und auch in späteren Arbeiten spiegelt sich dessen Einfluss wider.
1921 reichte Christian Dell seine Bewerbung beim Bauhaus ein, wo er ab dem 1. April 1922 als Werkmeister tätig wurde; als Formmeister stand ihm nach Klee und Schlemmer ab 1923 László Moholy-Nagy zur Seite. Die Lehrtätigkeit ließ Christian Dell kaum Zeit für die Ausführung eigener Entwürfe. Bekannt sind ein üppiges, nur wenig "bauhäuslerisch" wirkendes Bowlengefäß und eine strenge, geometrisch zusammengefügte Weinkanne in Silber. Ein ovales Tee-Ei sowie der silberne Meisterring für Max Krehan (1924) sind als weitere Arbeiten dieser Zeit anzuführen.
Als das Bauhaus mitsamt der Metallwerkstatt 1925 nach Dessau umzog, entschied sich Christian Dell, in Weimar zu verbleiben, um dort an der Nachfolgeinstitution zu arbeiten. Schon 1926 verschlug es ihn jedoch nach Frankfurt, wo Christian Dell an der Kunstschule die Metallwerkstatt leitete, nun nicht nur die Aufgaben eines Werk-, sondern zugleich eines Formmeisters übernehmend. In Frankfurt entstanden vermehrt eigene Arbeiten, hauptsächlich in Silber ausgeführt wie im Falle des eleganten, auf den sanft fließenden Konturen einer gedrückten Kugel basierenden Samowars (1928). Der organisch-weiche Stil Christian Dells, der in deutlich wahrnehmbarem Kontrast zu den zeitgleich am Dessauer Bauhaus geschaffenen Arbeiten steht, erscheint traditionell und zugleich avantgardistisch, indem er bereits auf die Formensprache der 1950er Jahre vorausweist.
In Frankfurt beschäftigte sich Christian Dell zunehmend mit dem Design von Leuchten, das zu einem roten Faden seines Werkes werden sollte. Seine erfolgreichen Lampenentwürfe wurden regelmäßig in der Zeitschrift "Das Neue Frankfurt" und den Musterblättern des "Frankfurter Registers" präsentiert, was ihre Verbreitung begünstigte. Die Leuchtenserie "Rondella" (1927/28) oder die "Dell-Lampe Type K" (1929) zählen zu den bekanntesten Arbeiten des Designer, dessen Name stets in die Betitelung seiner Entwürfe einfloss. Charakteristisch wurde für Christian Dells Lampen der typisierte Reflektor in paraboloider Form mit zylindrischer Verblendung der Fassung, der - im Unterschied zu den wenig zuvor am Bauhaus Dessau entwickelten Reflektoren - unten schräg beschnitten ist.
Die erfolgreichsten Lampenmodelle Christian Dells entstammen der "idell"-Serie, die er nach seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten (1933) entworfen hatte und die bei der Firma Gebr. Kaiser & Co. in Produktion ging. Bis heute werden die zeitlosen "idell"-Leuchten hergestellt - die Bürolampe aus dieser Serie wurde über die Jahrzehnte sogar zum Inbegriff der Arbeitsleuchte schlechthin.
Christian Dell, dem häufig ein eher traditionsverhafteter Stil attestiert wird, zeigte sich dessen ungeachtet in vielen Bereichen überaus modern und experimentell: Bereits in den Jahren um 1930 versuchte er sich an gepressten Services aus Kunststoffen, lange bevor Wilhelm Wagenfeld oder Wolfgang Tümpel sich des neuen Materials annehmen sollten.
1974 verstarb Christian Dell, der nach Kriegsende nicht mehr in selbem Maße in Erscheinung getreten ist, in Wiesbaden.

Vgl.: Weber, Klaus: "Sachliche Bauart. Höchste Qualitätsarbeit". Christian Dell als Silberschmied, Lehrer und Gestalter; in: Die Metallwerkstatt am Bauhaus. Kat. Ausst. Bauhaus-Archiv Berlin, Berlin 1992, S. 56-65.