Ferdinand Kramer
1898 Frankfurt am Main
1985 Frankfurt am Main
Nach dem Diplom (1922) konnte Ferdinand Kramer zunächst, abgesehen von einem Wohnhaus für den Baron von Waldhausen am Starnberger See, kaum als Architekt arbeiten, zumal die wirtschaftliche Situation nur wenige Bauinvestitionen zuließ. Ferdinand Kramer, seit 1920 auch Mitglied im Deutschen Werkbund, beschäftigte sich stattdessen mit der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen und entwarf einen effektiven Dauerbrandofen, der 1925 in Produktion ging und als der "Kramer-Ofen" bekannt wurde. Im selben Jahr kam er am Frankfurter Hochbauamt in Anstellung, wo er enger Mitarbeiter von Ernst May wurde. Ferdinand Kramer entwarf funktional-reduzierte Möbel, so etwa für die Weißenhofsiedlung in Stuttgart und für die Firma Thonet, deren Massenfertigungsmethoden ihn faszinierten. Auch Ferdinand Kramers Wohnungseinrichtungen erlangten bald, nicht zuletzt durch die Werkbund-Ausstellung "Die Wohnung" von 1927, einige Berühmtheit. Oft handelte es sich dabei um kombinierbare Einrichtungssysteme, günstige Kastenmöbel aus Sperrholz, die im direkten Vergleich mit den zeitgleichen, exklusiveren Bauhaus-Unikaten den besonderen Stellenwert verdeutlichen, den der soziale Aspekt im Schaffen Ferdinand Kramers einnahm.
Diesen konnte er auch bei der Mitarbeit an den wegweisenden Siedlungskonzepten in Frankfurt - dem "Neuen Frankfurt" - unter Beweis stellen. Ferdinand Kramer entwarf mit Eugen Blank die Ganghäuser die Siedlung Westhausen, weiterhin wirkte er etwa am jüdischen Altersheim der Stiftung Henry und Emma Budge mit.
1930 beendete Ferdinand Kramer seine Tätigkeit am Hochbauamt, um als selbständiger Architekt zu arbeiten. Schon bald spürte er allerdings die Auswirkungen der Hitlerdiktatur und wurde als "Entarteter" mit Berufsverbot belegt. Im März 1938 entschloss sich Ferdinand Kramer zur Emigration in die USA, wo er in New York City in verschiedenen Baubüros arbeitete, bis er 1940 seine US-Lizenz als Architekt erhielt. Es entstanden auch weiterhin Möbelentwürfe, die häufig als zerlegbare "Mehrzweckobjekte" erdacht waren und stets den neuesten Stand bezüglich Material und Fertigung wiedergeben.
Seine wichtigste Aufgabe der Nachkriegszeit sollte Ferdinand Kramer wieder in seiner Geburtsstadt heimisch werden lassen: 1952 trat er das Amt des Baudirektors der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität an, das er bis 1964 innehatte. Eine Berufung zum Direktor der Hochschule für bildende Künste in Hamburg lehnte er ab, um diese Tätigkeit bis zu seiner Pensionierung und noch darüber hinaus fortzuführen. In seinem neuen Amt schuf Ferdinand Kramer zahlreiche gebrauchsorientierte Bauten und verlieh dem Frankfurter Universitätsviertel seine Konturen.
In seinem architektonischen und gestalterischen Gesamtwerk zeigt sich Ferdinand Kramer als ein nüchterner, sozial denkender Künstler, der den Funktionalismus an die erste Stelle setzt und dabei zu einer treffenden, reduzierten Ästhetik gelangt. Zwei Ehrendoktorate und diverse Ausstellungen zählen zu den vielen Ehrungen Ferdinand Kramers, der 1985 nach schwerer Krankheit in Frankfurt verstarb.
Vgl.: Ferdinand Kramer. Der Charme des Systematischen, Kat. Ausst. Museum für Gestaltung Zürich, Gießen 1991.
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