Franz Pocci
Franz Graf von Pocci kam 1807 am Münchner Promenadeplatz als Sohn eines italienischen Offiziers im bayerischen Hofdienst und einer Baronin aus Dresden zur Welt. Obwohl musisch veranlagt, absolvierte Franz Graf von Pocci ein Studium der Rechtswissenschaften. Danach trat er in den Hofdienst ein und erlebte unter den Königen Ludwig I., Maximilian II. und Ludwig II. unmittelbar die großen Umwälzungen der Zeit. 1830 fungierte Franz Graf von Pocci dabei als Zeremonienmeister, ab 1847 als Hofmusikintendant und 1864, nun schon unter dem bayerischen "Märchenkönig", wurde er Oberkämmerer. Den Münchner Künstlerkreisen war Franz Graf von Pocci neben seiner Hofkarriere stets engstens verbunden.
Das Werk, das Franz Graf von Pocci hinterlassen hat, ist so vielfältig wie reizvoll, denn er war Dichter, Komponist und - nicht zuletzt - ein begnadeter Zeichner.
Dem seit 1858 bestehenden Münchner Marionettentheater lieferte Franz Graf von Pocci nicht weniger als 42 Komödien mit dem im süddeutschen Raum sprichwörtlich gewordenen Kasperl Larifari als Hauptfigur; er publizierte Gedichte, Dramen, Kinderbücher und Artikel. Als Musiker schuf Franz Graf von Pocci über 600 Kompositionen wie die von Felix Mendelssohn Bartholdy gelobten "Blumenlieder" oder das Singspiel "Alchimist". Auch der Zeichner Franz Graf von Pocci hat ein umfangreiches, aus der Fülle einer überreichen Phantasie schöpfendes Werkkonvolut hinterlassen: Bekannt sind die Burgansichten im spätromantischen Stil, seine Gelegenheitszeichnungen und vor allem die Karikaturen und Bildsatiren, die er für Publikationsorgane wie die "Fliegenden Blätter" schuf. Auch auf sich selbst richtete Franz Graf von Pocci immer wieder einen ironischen Blick, wenn er sich als dürren, hoch aufgeschossenen "Monsieur le Maigre" karikierte oder seine nicht immer einfache Position bei Hofe humorvoll aufarbeitete. Ein weiteres Beispiel für den Witz und Einfallsreichtum des Zeichners Franz Graf von Pocci können auch seine "Stiefmütterchen-Figuren" geben - an die Stelle von Gesichtern setzte Franz Graf von Pocci dabei Blütenköpfe, gleich getrockneten und gepressten Stiefmütterchen. In seinem Kinderbuch "Viola Tricolor" zeigte Franz Graf von Pocci selbst Don Quijote und Sancho Panza mit dem Stiefmütterchengesicht.
Angesichts seines so humorvollen zeichnerischen Werkes ist es schwer zu glauben, doch war Franz Graf von Pocci ein melancholischer, zudem von Migräne geplagter Mann. Oft verließ er die Hektik der Stadt und suchte Ruhe in Schloss Ammerland am Starnberger See. In seinen letzten Lebensjahren zog sich Franz Graf von Pocci mehr und mehr in sich selbst zurück, bis er 1876 im Alter von 69 Jahren in München verstarb. Seinen Nachruhm befördert heute unter anderem die Franz Graf von Pocci Gesellschaft.
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