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Hans Gugelot

Biografien
Hans Gugelot

*  1920 Massakar/Indonesien
† 1965 Ulm


Hans Gugelot, der als ein Gründungsvater des Systemdesigns berühmt geworden ist, wurde 1920 in Indonesien als Sohn eines holländischen Arztes geboren. Ein Studium der Architektur in Lausanne und Zürich beendete er 1946, und schon zwei Jahre darauf wurde er Mitarbeiter von Max Bill. Von diesem wurde Hans Gugelot 1954 zum Innenausbau der Hochschule für Gestaltung (HfG) nach Ulm berufen, an der er schließlich als Lehrer und Leiter der "Entwicklungsgruppe II" eine künstlerische Heimat finden sollte.
Die bahnbrechenden Ulmer Ideen hat Hans Gugelot als erster gezielt im industriellen Produktdesign umgesetzt und so in eine breite Öffentlichkeit getragen: Gemeinsam mit Otl Aicher fungierte Hans Gugelot als Berater für die Produktgestaltung der Firma Braun und stand dort dem gefeierten Dieter Rams zur Seite. Gemeinsam zeichnete das Dreigestirn Rams - Gugelot - Aicher für das wegweisende, funktionale und reduziert-ästhetische Designkonzept des Konzerns verantwortlich. Die Überwindung der überbordenden Formensprache der Nachkriegs-Ära zugunsten einer zeitlosen, zurückhaltenden Gestaltgebung sollte Weltruhm erlangen und setzte mit dem sogenannten "Schneewittchensarg", der von Dieter Rams und Hans Gugelot entwickelten Phono-Radio-Kombination "Braun SK 4", einen wahren Meilenstein.
Hans Gugelot wirkte auch für andere Firmen im Produktdesign, etwa für Agfa-Gevaert, BASF/BMW, Krupp, Pfaff oder Telefunken. Sein berühmtestes Werk entwickelte er 1963 gemeinsam mit Reinhold Häcker für Kodak: den Diaprojektor "Carousel S", der im New Yorker "Museum of Modern Art" zu besichtigen ist. Auch die Wägen der Hamburger U-Bahn zählen zu den zeitlosen Arbeiten Hans Gugelots.
Hans Gugelots Stil zeigt Einflüsse von Max Bill und spiegelt zudem seine Bewunderung für den Landsmann Gerrit Rietveld wider, den er in seinen frühen Arbeiten mit dem Einsatz einer de Stijl-Farbigkeit zitiert. Auch seine Mitarbeit in der Zürcher Firma "Wohnbedarf" prägte schon in jungen Jahren Hans Gugelots Schaffen. Sein Designkonzept stellt gemäß der Devise "form follows function" den Funktionalismus an die erste Stelle: Produktgestaltung war für Hans Gugelot niemals Selbstzweck, er betrachtete die Gegenstände seiner Arbeit stets nach ihrem dienenden Charakter. Dabei forderte Hans Gugelot, das Design so weit als möglich von der manches Mal hemmenden und Kompromisse fordernden Konstruktion unabhängig werden zu lassen und empfahl jedem jungen Designer, zusätzlich ein Ingenieursstudium zu absolvieren. Als Berater beim Aufbau des Design-Instituts im indischen Ahmedabad versuchte er, diesen Aspekt von Anfang an in die Ausbildung angehender Gestalter zu integrieren.
Zukunftsweisend ist Hans Gugelot besonders als "Vater des Systemdesigns": Das Baukastensystem - heute selbstverständlich, in den 1950er Jahren noch revolutionär - führte er, freilich nicht gänzlich vorbildlos, zu radikaler Reduktion. Er konstruierte die Module unter gleichzeitiger Berücksichtigung vielfältiger Benutzungsoptionen, Transport- und Lagerungsfragen und der zeitgemäßen "Plattenbauweise". Durch gezieltes Vermessen zahlreicher Alltagsgegenstände entwickelte er zudem ein funktionales Maßsystem.
Hans Gugelot starb bereits 1965 im Alter von nur 45 Jahren an einem Herzinfarkt, sein Werk jedoch prägte die gesamte zweite Jahrhunderthälfte.

Vgl.: System-Design Bahnbrecher. Hans Gugelot, 1920-1965. Kat. Ausst. Neue Sammlung, Staatl. Museum für angewandte Kunst, München, München 1984.