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Heinrich d.J. Füßli

Biografien
Heinrich d.J. Füßli

*  1741 Zürich
† 1825 Putney Hill/ London


Als Hauptvertreter eines "Sturm und Drang" in der Bildkunst ist Johann Heinrich Füssli eine der bedeutendsten und eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten der Epoche "um 1800".
Johann Heinrich Füssli (Füßli), zur Welt gekommen im Jahr 1741 in Zürich, blieb als Künstler ein Selbstgelehrter, denn sein Vater - die Mutter hatte der junge Heinrich allzu früh verloren - hatte ihn zum Theologen bestimmt. Bereits neben dem Religionsstudium entstand das zeichnerische Frühwerk, das sich am Schweizer Manierismus und Barock orientierte. Unter Einfluss der Philologen Johann Jacob Bodmer und Johann Jacob Breitinger fand der vielfältig gelehrte Johann Heinrich Füssli von hier aus autodidaktisch seinen Weg zu einer Kunstform, die fantastische Erfindungskraft, Genie und die Verschwisterung von Malerei und Literatur feiert. Das Nibelungenlied beeinflusste Johann Heinrich Füssli und seine Stoffe dabei ebenso sehr wie die Werke von Homer, Shakespeare, Dante, Milton und anderen.
Als der ungestüme und freiheitsliebende Johann Heinrich Füßli, der nach seiner Ordination kein Pfarrer wurde, gemeinsam mit seinen Freunden Johann Caspar Lavater und Felix Hess die korrupten Machenschaften eines Landvogtes enttarnte, musste er aufgrund seines eigenmächtigen Handelns sein Heimatland 1763 vorsorglich verlassen. 1764 landete der junge Johann Heinrich Füssli so in London, wo sein Vorname zu "John Henri" beziehungsweise "John Henry" verwandelt wurde; seit einer Italienreise 1770 nahm Johann Heinrich Füßli zudem eine italianisierte Variante seines Nachnamens an und zeichnete mit Fuseli oder Fuzeli. In London bereitete John Henry Fuzeli unter anderem mit einer 1765 veröffentlichten Übersetzung der "Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst" aus der Feder Johann Joachim Winckelmanns dem Klassizismus den Boden.
Entscheidend auf seine künstlerische Entwicklung wirkte John Henry Fuselis Aufenthalt in Italien (1770-1778). Über mehrere Wochen soll Henri Fuseli Michelangelos kraftvolle Fresken in der Sixtinischen Kapelle studiert haben, nicht zuletzt der Manierismus und die antike Kunst faszinierten ihn sehr. Auch Gleichgesinnte traf Henry Fuseli hier: In Rom scharten sich Künstler wie John Brown, Johan Tobias Sergel, Alexander Runciman, James Northcote und Nicolai Abraham Abildgaard um Henri Fuseli, um gemeinsam dem blutleeren Klassizismus eine expressive neue Kunst entgegenzusetzen.
1779, nach einem kurzen Aufenthalt in Zürich, war Henri Fuseli zurück in London, wo wenig später "The Nightmare" (1781) entstand, eines seiner berühmtesten Gemälde. 1788 ehelichte Henri Fuseli Sophia Rawlins, die für viele Gemälde sein Modell war - dessen ungeachtet griff John Henry Fuseli nur selten auf Naturstudien zurück, sondern schöpfte vielmehr, einer Tendenz der Zeit gemäß, ganz aus Genie und Fantasie. Die so entstehenden Gemälde und Grafiken vereinen die klaren Kompositionsstrukturen des Klassizismus mit einer theatralischen Dramatik in Figur und Lichtregie, die ihn zum Wegbereiter der Romantik erhebt.
John Henry Fuzeli, der 1790 Mitglied der Royal Academy wurde, wirkte ab 1799 ebenda als Professor für Malerei und prägte Schüler wie Benjamin Robert Haydon, William Mulready, William Etty, Charles Robert Leslie und Theodor Matthias von Holst. 1825 verstarb John Henry Fuseli, der schon seit einem Nervenzusammenbruch 1772 schlohweißes Haar und eine zitternde Hand hatte, in Putney Hill / London.
Werke von John Henri Fuseli, dessen große visionäre Kraft erst im Zuge des Surrealismus voll erkannt wurde, sind in bedeutenden Museen wie dem Kunsthaus Zürich, dem Pariser Louvre und der National Gallery in Washington zu bewundern.