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Ludwig Mies van der Rohe

Biografien
Ludwig Mies van der Rohe

*  1886 Aachen
† 1969 Chicago


Ludwig Mies van der Rohe, 1886 in Aachen geboren, rechnet in Design und Architektur zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach einer Ausbildung in der Steinmetzwerkstatt seines Vaters lernte van der Rohe, der mit "Mies" dessen Namen dem seinen hinzugefügt hatte, bei Bruno Paul und schließlich 1908-1911 bei Peter Behrens, in dessen Büro er unter anderem auf Gropius traf. Noch vor dem Krieg konnte Ludwig Mies van der Rohe als Bauleiter bei der von Behrens entworfenen deutschen Botschaft in St. Petersburg sein Können beweisen, schon bald darauf machte er sich selbständig.
Nach dem Krieg konnte Ludwig Mies van der Rohe, nun Mitglied der Novembergruppe, an Begonnenes anknüpfen: Zwischen 1919 und 1923 entstanden wegweisende Entwürfe, so für ein Bürogebäude aus Eisenbeton, zwei Landhäuser und insbesondere für zwei Hochhäuser mit Glas-Stahl-Fassaden. Letztere, als Skelettbauten mit Vorhangfassaden erdacht, welche die Spiegelung der Glasfront ins ästhetische Konzept integrieren, wirkten weg- und zukunftsweisend. Die Modernität dieser Entwürfe, die den von Behrens vermittelten Klassizismus des Jugendwerks endgültig überwindet, wird von der Tatsache bezeugt, dass die erst 1949-51 in Chicago entstandenen Apartmenthäuser am Lake Shore Drive die frühen Ideen von Ludwig Mies van der Rohe nahezu unverändert umsetzen.
Ludwig Mies van der Rohes Mitgliedschaft im Deutschen Werkbund, dessen Vizepräsident er von 1926 bis 1932 war, begünstigte seine Stellung als Hauptverantwortlicher beim Bau der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (1927), einem der wichtigsten Wohnungsbauprojekte der Zwischenkriegszeit. Nur wenig später entstand ein mittlerweile rekonstruiertes, eigentlich aber nur für eine Saison erschaffenes Hauptwerk Ludwig Mies van der Rohes: Der deutsche Pavillon für die Weltausstellung in Barcelona (1928/29). Hier schuf er herausragende Architektur von elegant-fließender Leichtigkeit, die Wände von den Zwängen der Statik ganz befreit. Auch auf dem Feld des Möbeldesigns erdachte Ludwig Mies van der Rohe aus diesem Anlass ein exemplarisches Werk, den als Raumskulptur erfassten "Barcelona-Sessel".
1930, im selben Jahr, in dem er die Leitung des Bauhauses Dessau übernahm, entstand mit der Villa Tugendhat in Brno (Brünn) eines der berühmtesten Werke Mies van der Rohes. Der auf offenem Grundriss errichtete Hangbau verteilt die ineinanderfließenden Zimmer auf zwei Geschosse; die Wände des Wohn- und Essbereiches sind vollständig verglast und verbinden Innen- und Außenraum.
Die NS-Diktatur zwang Ludwig Mies van der Rohe 1937 ins Exil. In Chicago fungierte er als Leiter der Technischen Hochschule (Illinois Institute of Technology), daneben wirkte er weiterhin als Architekt. Es entstanden nun auch viele Hochhausprojekte, neben den bereits genannten etwa die Promontory Apartements oder das Toronto Dominion Centre. Höhepunkt dieser Werkgruppe ist das 1958 vollendete Seagram Building in New York.
Kritik erntete Ludwig Mies van der Rohe für den 1962 begonnenen Bau der Neuen Nationalgalerie in Berlin, zumal er hierfür auf bereits bestehende Entwürfe für ein Verwaltungsgebäude zurückgegriffen hatte. Den Vorwurf, er habe die Funktion eines Museums dadurch nicht ausreichend beachtet, konterte Ludwig Mies van der Rohe mit der geradezu sprichwörtlich gewordenen Bemerkung, man könne "nicht jeden Montagmorgen eine neue Architektur erfinden".
1969, ein Jahr nach der Fertigstellung der Neuen Nationalgalerie, verstarb Ludwig Mies van der Rohe in Chicago.

Vgl.: Schulze, Franz: Mies van der Rohe. A critical biography, Chicago 1985.