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Marcel Breuer

Biografien
Marcel Breuer

*  1902 Pècs/Ungarn
† 1981 New York


Marcel Breuer, am 22. Mai 1902 im ungarischen Pécs geboren, gilt als Erfinder des Stahlrohrmöbels und rechnet auch als Architekt zu den Größen des 20. Jahrhunderts. Seine Entwicklung ist untrennbar mit dem Bauhaus verbunden: Nach einem stipendiengeförderten Studium an der Wiener Akademie, das Marcel Breuer bald aufgegeben hatte, und wenigen Wochen als Mitarbeiter eines Wiener Architekturbüros führte ihn sein Weg 1920 an die noch junge Lehranstalt in Weimar. Während seiner Ausbildung in der dortigen Tischlerei entstanden 1921 der thronartig-repräsentative "Afrikanische" oder "Romantische Stuhl" und 1922 der an Gerrit Rietveld orientierte "Holzlattenstuhl". Auch für das "Haus am Horn", die Musteranlage zur Bauhaus-Ausstellung von 1923, entwarf Marcel Breuer einige Möbel, darunter sein Gesellenstück. Zugleich entstanden erste architektonische Entwürfe, wenngleich Marcel Breuer in diesem Fach nie eine Ausbildung erhalten hatte.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris avancierte Marcel Breuer 23jährig zum "Jungmeister" am Bauhaus, dessen Möbelwerkstätte er - nun in Dessau - leitete. Noch im selben Jahr, 1925, entwickelte Marcel Breuer mit dem wegweisenden und zeitlosen Sessel "B3" den ersten Stahlrohrstuhl, der heute (nach der Betitelung in der Neuproduktion der 1960er Jahre) als "Wassily"-Stuhl bekannt ist. Der neue Möbelwerkstoff sollte in den darauffolgenden Jahren einen Siegeszug antreten: Zahlreiche Entwürfe Marcel Breuers gingen ab 1927 bei seiner selbst gegründeten Firma "Standard-Möbel" in Berlin (die eigenmächtige Firmengründung sorgte am Bauhaus für die sogenannte "Breuer-Krise") und etwas später bei Thonet in Produktion. Schon bald war das Stahlrohrmöbel regelrecht zu einem Symbol des "Neuen Wohnens" geworden.
Im April 1928 verließ Marcel Breuer das Bauhaus, um einer alten Leidenschaft zu folgen, und gründete in Berlin ein Architekturbüro. Aber während er im Möbeldesign und in der Innenarchitektur sehr produktiv blieb, schafften es seine architektonischen Projekte nicht über das Reißbrett hinaus. Erst 1932 konnte Marcel Breuer mit dem Wiesbadener "Haus Harnischmacher" konkret tätig werden; zwei Jahre darauf stellte er in Zusammenarbeit mit Alfred und Emil Roth beim Bau der Zürcher Doldertal-Häuser in Stahlskelett-Bauweise sein Können unter Beweis.
Zwischenzeitlich war die nationalsozialistische Diktatur über Deutschland hereingebrochen. 1933/34 hielt sich Marcel Breuer, der als ungarischer Jude besonders bedroht war, vorrangig in Budapest und der Schweiz auf, bis er 1935 nach London emigrierte. Sein dort eröffnetes Architekturbüro realisierte etwa den "Gane-Pavillon" in Bristol (1936), der erstmals einen für Marcel Breuers spätere Projekte charakteristisch gewordenen Stilgriff aufweist: die Kombination traditioneller Materialien wie Holz und Naturstein mit modernen Werkstoffen.
Ein Jahr später folgte Marcel Breuer einem Ruf an die Harvard University, wo er mit Gropius zusammenarbeitete. Die beiden, die sich bereits vom Bauhaus kannten, gründeten gemeinsam ein Architekturbüro in Cambridge/Mass., nach dessen Auflösung Marcel Breuer 1941 wieder selbständig arbeitete. Der Zweite Weltkrieg vereitelte jedoch größere Aufträge. Erst nach dem Krieg - das Büro nun in New York, die Lehre aufgegeben - besserte sich die Auftragssituation, und Marcel Breuer verwirklichte insbesondere in Neuengland mehrere Privathäuser. Zu weltweiter Anerkennung als Architekt gelangte Marcel Breuer aber erst mit der Mitarbeit am Pariser UNESCO-Gebäude (1953). Im selben Jahr begannen die Arbeiten am Kaufhaus "De Bijenkorf" in Rotterdam, das Marcel Breuer gemeinsam mit Abraham Elzas umsetzte; weitere Großprojekte in den 1950er und 1960er Jahren folgten.
Am ersten Juli 1981 verstarb Marcel Breuer in New York.

Vgl.: Droste, Magdalena und Ludewig, Manfred: Marcel Breuer. Design, hrsg. vom Bauhaus-Archiv Berlin, Köln 1992.