Matthew Barney
1967 San Francisco
- lebt und arbeitet in New York
Der 1967 in San Francisco geborene Matthew Barney, der an der Yale University / New Haven studiert hatte, hat mit seiner Kunst seit den späten 1980er Jahren große Erfolge erzielt. Schon im Frühwerk verschmolzen Skulptureninstallationen, Performances und Videos zu eigenwilliger, verstörender Kunst, die nicht selten Körperlichkeit und Sexualität thematisiert. Selbst einst aktiver Athlet, war Sport hierbei ein Leitmotiv für Matthew Barney. Seine frühesten, noch in Yale entstandenen Arbeiten wurden sogar im Sportraum der Universität zur Aufführung gebracht.
1994 begann Matthew Barney die Arbeiten an seinem bisherigen Hauptwerk, dem "Cremaster Zyklus" (benannt nach dem Hodenheber-Muskel), der a-chronologisch fünf abendfüllende Filme umfasst: Auf "Cremaster 4" von 1994 folgte "Cremaster 1" (1995), schließlich "Cremaster 5" und "Cremaster 2" (1997 beziehungsweise 1999), den Abschluss bildete im Jahr 2002 "Cremaster 3". Das komplexe, rätselhafte Filmkunstwerk, aufwändig mit special effects und Kostümen verwirklicht, hat im Bereich der Videokunst auf spektakuläre Weise neue Maßstäbe gesetzt. Ohne lineare Handlungsstruktur erzeugen die Filme eine selbstreferentielle, befremdliche Parallelwelt, in der Mythologie, Sexualität, Sport und Oper eine Rolle spielen und in der neben dem Künstler selbst auch zeitgenössische und historische Prominente sowie allerlei groteske Gestalten auftreten. Das verstandesmäßige Erfassen dieser individuellen Symbolwelten scheint weder möglich noch intendiert - es sei schließlich auch ein Genuss, eine fremdsprachige Oper zu besuchen, wird Matthew Barney diesbezüglich oft zitiert. Die dem Projekt zugrunde liegende Idee, die Entwicklung des Fötus von geschlechtlicher Indifferenz zur genitalen Fixierung, muss der Rezipient nicht kennen, um die opulenten, irritierenden Bilder zu goutieren.
Mit Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien und Videostills übertrug Matthew Barney "Cremaster" auch in andere künstlerische Medien.
Die surreal-befremdlichen, horrorfilmartigen Welten von Matthew Barney, die sich auch in seinen anderen Projekten tief ins Gedächtnis eingraben, bauen auf den künstlerischen Neuerungen der 1970er und 1980er Jahre auf und sind in gewisser Weise den "Individuellen Mythologien" eines Joseph Beuys wesensverwandt.
Für Matthew Barney wurde bereits 1991, erst 24jährig, eine Einzelausstellung im San Francisco Museum of Modern Art ausgerichtet; 1995 / 1996 folgte eine vom Museum Boymans-van Beuningen in Rotterdam organisierte Wanderausstellung. Die große Wanderschau "Matthew Barney: The Cremaster Cycle" plante 2002 / 2003 das Solomon R. Guggenheim Museum in New York. Zahllose Ehrungen und viele weitere internationale Einzelausstellungen, zuletzt "Drawing Restraint" in der Kunsthalle Wien (2008), bezeugen den außergewöhnlichen Rang von Matthew Barney in der Kunst der Gegenwart.
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