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Natalia Sergeevna Goncharova



1881 Laditschino bei Tula
1962 Paris

Natalia Sergeevna Goncharova nimmt 1898 ein Studium der Bildhauerei an der Moskauer Akademie auf. Zwei Jahre später lernt sie dort Michael Larionov kennen, mit dessen Werk ihr weiteres Schaffen untrennbar verbunden ist und auf dessen Anregung hin, sie sich der Malerei zuwendet. Unabhängig von ihrem Lebensgefährten und doch in Arbeitsgemeinschaft mit diesem entwickelt sich Goncharova zu einer der wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Zunächst von Impressionismus und Pointillismus beeinflusst, ist ihr anfänglicher Stil vor allem von russischer Volkskunst und Ikonenmalerei geprägt. Wohl in Anlehnung an Gauguins Kunst sucht Goncharova in ihren Bildern nach einer neuen Einfachheit, die zum sogenannten russischen "Neo-Primitivismus" führt. Gemeinsam mit ihren Brüdern, mit Larionov und Malewitsch wird Natalia Goncharova zu einer entschiedenen Verfechterin dieser Erneuerungsbewegung der russischen Kultur. Mit ihrer Teilnahme an der von Sergei Diaghilev organisierten Ausstellung russischer Kunst im Pariser Herbstsalon von 1906 werden Elemente des französischen Fauvismus bestimmend. Von 1907 bis 1913 beteiligt sich Goncharova an fast allen Ausstellungen der russischen Avantgarde, die unter den Namen "Das Goldene Vlies", "Karo-Bube" und "Der Eselschwanz" als Künstlergruppen auftreten. Zudem beschäftigt sie sich in diesen Jahren mit den aktuellen Kunstströmungen, u.a. mit dem analytischen Kubismus, dem Futurismus und untersützt Larionovs Rayonismus, mit dem sie gemeinsam 1913 das "Rayonistische und Futuristische Manifest" publiziert. Das in Öl gemalte "Porträt Larionovs" von 1914 markiert diese neue Phase von Goncharovas künstlerischem Schaffen und stellt einen Höhepunkt der im gleichen Jahr veranstalteten Schau dar. In der Übernahme kubistischer Stilelemente entwickelt das russische Künstlerpaar hier eine neue Strömung abstrakter Kunst, die die Wirklichkeit in ein dynamisches Gerüst von farbigen Kraftlinien umsetzt. Gleichzeitig beginnt sie für Diaghilevs "Ballets Russes" zu arbeiten und ist nach ihrer Übersiedlung nach Paris im Jahr 1917 vorwiegend als Bühnenmalerin tätig. Zu ihren bekanntesten Arbeiten auf diesem Gebiet gehören die Bühnenbilder zu Rimsky-Korsakovs Oper "Der goldene Hahn" in Paris (1914) und Strawinskys Ballett "Feuervogel" in London (1955). Nach einer Phase, in der das umfangreiche Werk von Natalia Goncharova weitgehend in Vergessenheit gerät, wird sie auf einer großen Retrospektive 1956 in Paris wiederentdeckt. Seitdem ist diese wichtige Hauptvertreterin der russischen Avantgarde vor allem in zahlreichen Gruppenausstellungen zu den innovativen Leistungen der russischen Moderne zu sehen.

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