Ketterer Kunst Logo

Detailsuche

Das internationale Auktionshaus für den Kauf und Verkauf von
Theodor Bogler

Biografien
Theodor Bogler

*  1897 Hofgeismar
† 1968 Maria Laach


Theodor Bogler, 1897 geboren, war eine der führenden Kräfte in der Keramik des Bauhauses. 22jährig schrieb er sich, nach Kriegsteilnahme und einem Praktikum in einem Architekturbüro, am Bauhaus in Weimar ein. Da Theodor Bogler gleich dem Großvater Architekt werden wollte, am noch jungen Bauhaus diese Kunst jedoch nicht erlernen konnte, wechselte er an die Technische Hochschule in München. Schon bald entschied Theodor Bogler sich aber zur Rückkehr nach Weimar und, wie es in seiner Autobiographie "Ein Mönch erzählt" heißt, für das "Handwerk in der gewiß urtümlichen Form des Töpfers".
Dieses lernte Theodor Bogler unter Max Krehan und Gerhard Marcks ab 1920 in der Dornburger Werkstätte, wo ihn mit seinem Mitschüler und Schwager Otto Lindig ein wechselseitig anregendes Verhältnis verband. Zu seinen ersten eigenständigen keramischen Werken rechnen drei stilisierte Krippenfiguren; auf das Jahr 1922 geht die gemeinsam mit Marcks gestaltete, aus stereometrischen Körpern zusammengefügte "Doppelkanne" zurück. Das Prinzip der Montage von Einzelformen bestimmte auch in der Folgezeit noch mehrfach das Schaffen Theodor Boglers, dessen Arbeiten oftmals in Hinblick auf die Massenfertigung erdacht waren.
Theodor Bogler hatte sich am Bauhaus rasch einen Namen gemacht und wurde zum Verantwortlichen für die handwerkliche Abteilung der großen Weimarer Ausstellung von 1923 berufen. In diesem Kontext knüpfte Theodor Bogler erste Kontakte zur Steingutfabrik in Velten-Vordamm, mit der er viele Jahre zusammenarbeiten sollte. Seine ersten Entwürfe für die Fabrik, formal reduzierte, funktionale Küchengefäße, regten wenig später die berühmten, doch nie in industrielle Großproduktion gelangten Varianten einer Kombinationsteekanne an. Mit diesem Werk übertrug Theodor Bogler das "Baukastensystem", das Gropius für die Architektur gefordert hatte, auf die Keramik. Auch seine "Mokkamaschinen" zählen zu den bekannten Entwürfen, die zu jener Zeit entstanden.
Interne Unstimmigkeiten bewegten Theodor Bogler, der in der Folge vielfach auf kaufmännischen oder organisatorischen Betätigungsfeldern eingesetzt war, dem Bauhaus Ende 1924 den Rücken zu kehren, um als leitender Formgestalter bei Velten-Vordamm einzutreten. Serienproduktionen, aber auch Einzelstücke wie große Vasen oder Leuchter bestimmten Theodor Boglers Wirken bei der Firma. Seine dortigen Entwürfe kombinieren den Bauhausstil mit Firmentraditionen wie der dekorativen Bemalung, wofür Theodor Bogler eine geometrisch abstrahierte Ornamentik entwickelt hatte.
Auch angeregt von einer Reise nach Italien erweiterte Theodor Bogler seine Arbeit seit 1926 auf Bau- und Gartenkeramik (Reliefs, Großgefäße aus Terracotta u.ä.) und schuf freie Bildnisse und Figuren.
Ein einschneidendes privates Erlebnis war der Suizid von Theodor Boglers Frau im Jahr 1925, der dessen Entscheidung begünstigte, zum Katholizismus überzutreten. Aus den folgenden Jahren und Jahrzehnten sind zahlreiche liturgische Gefäße, kirchliches Gerät und religiöse Skulpturen von Theodor Boglers Hand überliefert. 1927 trat er in die Abtei Maria Laach ein, 1932 folgte die Priesterweihe. Auch im Kloster schuf Theodor Bogler weiterhin keramische Entwürfe, zudem leitete er den Kunstverlag "Ars liturgica" und seit 1948 die klösterlichen Kunstwerkstätten. Die Kollaboration mit Velten-Vordamm blieb bis zum Konkurs der Fabrik im Jahr 1931 bestehen, danach kam es zu einer Zusammenarbeit mit den "HB-Werkstätten" in Marwitz (1934-1938) und der Staatlichen Majolika-Manufaktur in Karlsruhe, die über Jahrzehnte Entwürfe Boglers produzierte. Im Stil blieb Theodor Bogler zwar "Bauhäusler", nahm aber zugleich die gekurvt-bauchige, asymmetrische Formensprache der 1950er Jahre auf.
1968 verstarb Theodor Bogler, der auch ein umfangreiches, doch weitgehend anonym publiziertes Spätwerk hinterlassen hat, in Andernach.

Vgl.: Weber, Klaus: Theodor Bogler; in: Keramik und Bauhaus. Kat. Ausst. Bauhaus-Archiv, Berlin, Gerhard-Marcks-Haus, Bremen und Hetjens-Museum, Düsseldorf, Berlin 1989, S. 59-70.