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Auguste Herbin

Herbin

1882 Quiévy
1960 Paris

Auguste Herbin kommt am 29. April 1882 als Sohn einer Handwerkerfamilie in einem kleinen Dorf an der belgischen Grenze zur Welt. Entsprechend ist auch die Malerei des Nordfranzosen rationaler Prägung von betont handwerklicher Qualität. Bevor Herbin sich in Paris niederlässt, wo er sich zunächst den Impressionisten, dann den Fauves anschließt, besucht er ab 1900 die École des Beaux Arts in Lille. Als Ateliernachbar von Braque und Picasso setzt er sich auch mit dem Kubismus auseinander, so dass ab 1913 erste kubistisch inspirierte Bilder entstehen. Dies führt zu einer ungegenständlichen, geometrischen Phase ab etwa 1917, die sich zunehmend - mit Ausnahme einer Unterbrechung im Jahr 1922, als der Maler kurzzeitig wieder zur gegenständlichen Darstellungsweise zurückkehrt - in Richtung Konstruktivismus entwickelt. 1929 wird Auguste Herbin Mitbegründer des "Salon des Surindépendants", zwei Jahre später ruft er, u.a. zusammen mit Vantongerloo, mit dem er bis 1937 den Almanach der Gruppe herausgibt, die Künstler-Vereinigung "Abstraction-Création" ins Leben. Nach dem Krieg ist der Herbin Mitbegründer und Vizepräsident, ab 1955 schließlich Präsident des "Salon des Réalités Nouvelles". Die Beschäftigung mit dem italienischen Trecento führt Herbin ab 1938 zu einer konkreten Malerei mit strengem Flächenprinzip und einfachen geometrischen Formen. Als Fundament des Bildaufbaus entwickelt er 1946 das "alphabet plastique", ein Kompositionssystem, das auf der Struktur der Buchstaben beruht. Dies, sowie seine Farbtheorien, die er zum Teil von Goethes Farbenlehre ableitet, legt er in seiner Schrift "L'art non-figuratif non-objectif" 1949 dar. Eine halbseitige Körperlähmung bewirkt, dass Herbin ab 1953 lernen muss, mit der linken Hand zu malen. Die für Herbins Malerei charakteristische architektonische Gesinnung und seine koloristischen Qualitäten eröffnen bereits seinem Vorkriegswerk eine breite Anerkennung auf internationaler Ebene, die auch nach dem Krieg ihre Fortsetzung findet. So sind Auguste Herbins Arbeiten zwischen 1955 und 1972 auf der documenta I, II und V zu sehen. 1979 ist er auf einer großen Ausstellung im Guggenheim Museum, New York vertreten und 1987 in Düsseldorf in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bei der Ausstellung "Positionen unabhängiger Kunst in Europa um 1937". Auguste Herbin stirbt am 31. Januar 1960 in Paris. Ein Bild bleibt durch sein plötzliches Ableben unvollendet - es heißt "Fin".

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