abbildung folgt


126000309
Erich Heckel
Schiffe im Kanal, 1912.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 120.000 - 180.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000309
Erich Heckel
Schiffe im Kanal, 1912.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 120.000 - 180.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Erich Heckel
1883 - 1970

Schiffe im Kanal. 1912.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert und datiert. 39,5 x 60 cm (15,5 x 23,6 in).
Es handelt sich um die 1. Fassung dieses Motivs. [MH].

• Malerischer und perspektivisch reizvoller Blick über den Semlower Kanal in Stralsund.
• Entstanden im Sommer 1912, als Heckel mit Siddi nach Hiddensee reist, um dort Kirchner zu treffen und die Hafenstadt Stralsund zu besuchen.
• Aus der besten "Brücke"-Zeit und der Hochphase des deutschen Expressionismus.
• Wiederentdeckung: seit über 30 Jahren erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artprice.com)
.

PROVENIENZ: Sammlung Josef Priem, Brügge.
Privatsammlung Belgien (durch Erbschaft vom Vorgenannten).
Privatsammlung Belgien (vom Vorgenannten erworben).

LITERATUR: Andreas Hüneke, Erich Heckel. Werkverzeichnis der Gemälde, Wandbilder und Skulpturen, Bd. I (1904-1918), München 2017, WVZ-Nr. 1912-24 (m. Farbabb. S. 177).

Erich Heckels "Schiffe im Kanal (1. Fassung)" fängt eine nächtliche Hafenszene in einer Weise ein, die unmittelbar die Stimmung des Augenblicks spürbar macht. Das Gemälde zeigt zwei vertäute Schiffe, deren Masten sich dunkel, fast schwarz, gegen den tiefblauen Abendhimmel abheben, während das Wasser in kräftigen, fast vibrierenden Blau- und Grautönen schimmert. Die grünlich-gelbe Kaimauer zieht den Blick in die Tiefe des Bildes und teilt es zugleich in die warmen Töne der Häuser und die kalte Tonalität des Himmels und des Wassers. Heckels Pinselduktus ist hier besonders auffällig: Die Farben sind nicht glatt aufgetragen, sondern in kurzen, expressiven Strichen gesetzt, die dem Bild eine lebendige Textur verleihen. Das Wasser wirkt durch wellenartige Pinselstriche bewegt, während die Gebäude und die Schiffe in klaren, wenn auch groben Konturen gehalten sind. Diese malerische Freiheit verrät den Einfluss der "Brücke"-Jahre, in denen Heckel gemeinsam mit Ernst Ludwig Kirchner und anderen Künstlerkollegen nach einer neuen, emotional aufgeladenen Bildsprache sucht.
Im Sommer 1912 reist Heckel mit seiner Frau Siddi nach Hiddensee, wo sie auf Kirchner treffen. Diese Reise ist prägend für seine künstlerische Entwicklung. Die Begegnung mit der norddeutschen Landschaft und den historischen Hafenstädten wie Stralsund hinterlassen tiefe Eindrücke, die sich in Werken wie diesem widerspiegeln. Heckel zeigt hier nicht einfach eine nächtliche Szene, sondern übersetzt die Stimmung des Augenblicks in eine fast traumhafte Komposition.
Die Farbpalette des Gemäldes erinnert an Heckels frühe expressionistische Phase, doch die Ausführung wirkt reifer und kontrollierter. Die intensiven Blau-, Orange- und Gelbtöne sind nicht mehr so grell wie in seinen früheren Werken, sondern in einer harmonischen Balance gesetzt.
Heckels "Schiffe im Kanal (1. Fassung)" ist damit mehr als nur eine maritime Szene, es ist ein Stimmungsbild, das die Essenz des Expressionismus in sich trägt. Die expressive Pinselführung, die leuchtenden Farben und die fast poetische Atmosphäre machen das Werk zu einem eindrucksvollen Zeugnis seiner künstlerischen Entwicklung. Es zeigt, wie Heckel die Eindrücke seiner Reise mit Siddi und Kirchner ganz persönlich verarbeitet und in eine Bildsprache übersetzt, die zwischen Dynamik und Kontemplation oszilliert. [MH]





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