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126000038
Emilio Vedova
Tensione, N 4 V, 1959.
Tempera und Sand auf Leinwand
Schätzpreis: € 700.000 - 900.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000038
Emilio Vedova
Tensione, N 4 V, 1959.
Tempera und Sand auf Leinwand
Schätzpreis: € 700.000 - 900.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Emilio Vedova
1919 - 2006

Tensione, N 4 V. 1959.
Tempera und Sand auf Leinwand.
Verso signiert, datiert und betitelt. 146 x 196 cm (57,4 x 77,1 in), in Original-Künstlerleiste. [JS].

• Monumentales Schlüsselwerk aus der internationalen Hochphase der gestischen Malerei.
• Im Folgejahr erhält Vedova den Großen Preis für Malerei der 30. Biennale in Venedig.
• Teilnahme an der documenta I (1955). II (1959) und III (1964).
• Riesiges Energiefeld: Transformation der rebellischen Malerei Tintorettos in ein hochdynamisches Action Painting.
• Galleria Blu: Aus der legendären Mailänder Avantgarde Galerie, die bereits Ende der 1950er Jahre Fontana, Burri und Vedova zeigt.
• Museale Qualität: Gemälde dieser Schaffenszeit befinden sich u.a. im Museum of Modern Art, New York, und der Guggenheim Collection, New York/Venedig
.

Das Gemälde befindet sich akuell im Registrierungsprozess bei der Fondazione Emilio e Annabianca Vedova in Venedig.

PROVENIENZ: Galleria Blu, Mailand (1960, auf dem Keilrahmen mit dem Stempel).
Privatsammlung Europa (bis 2017, Dorotheum).
Privatsammlung Norddeutschland (seit 2017, vom Vorgenannten).

AUSSTELLUNG: Emilio Vedova, Galleria Blu, Mailand, ab 29.2.1960, Kat.-Nr. 9 (m. Abb., Immagine del tempo 1959, n.5, V).
Premio Marzotto 1960, Mostra di pittura contemporanea della comunità Europea, Palazzo delle Permanente, Mailand 22.10.-20.1.1960, S. 117, Kat.-Nr. 261 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Prix Marzotto, Société auxiliaire des Expositions du Palais des Beaux-Arts, Brüssel, Januar 1961, Kat.-Nr. 261 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).

LITERATUR: Carlo L. Ragghianti, Critica d`arte, Jg. VI, n. 33, Florenz 1959 (m. Abb. auf der Titelseite)
Dorotheum, Contemporary Art, Part I, 31.5.2017, Palais Dorotheum, Wien, Kat.-Nr. 201 (m. Abb.).
"I must always get to the painting directly, maybe by jumping or sometimes with the help of a small stool [..] when I work, I move, I get physical, I jump and attack the canvas and the surrounding space."
Emilio Vedova, zit. nach: Gallerie Thaddeus Ropac (https://ropac.net/de/artists/84-emilio-vedova-foundation/).
"On the other side of the Atlantic, these tendencies were grouped under the umbrella of American Abstract Expressionism, and in Japan under that of the Gutai group, While in Europe the definition European Informalism, or Art Informel, entered common parlance."
Roberto Pasini, The Informal. United States, Europ, Italy, Bologa 1995, S. 11.
"I would have identified my Matrix in tintoretto precisely because of that sense of upheavel and "metaphysical" dialogue consisting of leaps and liberations."
Emilio Vedova, handschriftlicher Notizbucheintrag, s.d. / Archivio Fondazione Emilio e Annabianca Vedova, Venezia, PeS0059

Informel/Abstrakter Expressionismus/Gutai: Emilio Vedova und die radikale Emanzipation der malerischen Geste
Das künstlerische Bestreben nach der radikalen Emanzipation der aktionsgeladenen malerischen Geste befindet sich in den späten 1950er Jahre nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika und Japan auf dem absoluten Höhepunkt. In Europa formiert sich vor allem in Frankreich und Italien eine künstlerische Avantgarde, welche die künstlerische Geste zum alleinigen Protagonisten ihrer epochalen Schöpfungen erklärt. Neben dem Venezianer Emilio Vedova, gilt etwa auch Pierre Soulage als einer der wichtigen Vertreter des Informel. Auch Lucio Fontanas berühmte Leinwandschnitte, seine „Concetti spaziali“ bzw. „Tagli“, die seit Ende der 1950er Jahre in Mailand entstehen und heute meist der europäischen „ZERO“-Bewegung zugerechnet werden, sind, wenn auch nicht mit dem Pinsel ausgeführt, doch auch im Kontext dieser weltweiten Radikalisierung und Konzentration auf die künstlerischen Geste zu sehen. Das avantgardistische Bestreben dieser Jahre war ein kunsthistorisch bedeutender Schritt, der auf radikale Weise nicht nur die lange Tradition der gegenständlichen Malerei, sondern durch das Arbeiten im großen Format und die aktionsgeladene, impulsive Form des Farbauftrages auch die abstrakte Malerei der ersten Jahrhunderthälfte schlagartig überwindet. In New York etwa ist das amerikanische Action Painting auf seinem Hochpunkt, Künstler wie Cy Twombly und Robert Motherwell huldigen der von allen Fesseln befreiten künsterlischen Geste und in Tokio peitscht der Japaner Kazuo Shiraga von der Decke hängend unter Einsatz seines ganzen Körpers Farbe auf große Leinwandflächen, während zeitgleich in Venedig Emilio Vedova inspiriert von den großen Meistern der venezianischen Malerei zu seiner radikalisierten, hochdynamischen und körperbasierten Form des Farbauftrages findet. Geradezu rauschhaft und besessen hat sich Vedova in den 1950er Jahren mit der Malerei des venezianischen Manieristen und künsterlischen Rebellen Jacopo Tintoretto (1518/19-1594) auseinander gesetzt. Tintorettos Kompositionen waren aufgrund ihrer hochdynamischen Raumauffassung und dramatischen Lichtführung für den jungen Venezianer Vedova Faszinosum und Vorbild zugleich. Vedova war gefesselt von der wirbelnden, fast chaotischen Energie der Körper und Massen in Raum sowie von der Aufhebung jeder Form von statischer Perspektive, stilistische Charakteristika, die fortan für seine radikalisierte, gestisch-impulsive All-Over-Malerei im großen Format in entscheidender Weise prägend sein sollten. Vedova ist Ende Dreißig und auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft als er in den späten 1950er Jahre die zentralen Prinzipien aus dem Werk Jacopo Tintorettos, des großen Meisters des 16. Jahrhunderts, extrahiert und künstlerisch transfomiert, um sie von nun an als zentrale Kompositionsprinzipien für seine in entscheidender Weise radikalisierte gestisch-abstrakte Malerei zu nutzen. „Just after the mid-point of the 1950s, Vedova had exhausted his forays into geometry, and turned his hand instead to an extraordinary recovery of the action painting […].“ (Carlo Bertelli, Emilio Vedova, Mailand 2006, S.?).
Die vorliegende, großformatige Komposition „Tensione N 4 V“ aus dem Jahr 1959 ist ein besonders frühes und eindringliches Zeugnis dieser gewaltigen Malerei, die nicht nur eine zentrale Position in Vedovas eigenem Schaffen, sondern darüber hinaus auch innerhalb der Abstrakten Malerei der zweiten Jahrhunderthäfte einnimmt. Aufgrund ihrer herausragenden, geradezu rauschhaften Dynamik trägt „Tensione N 4 V“ die ganze Wucht ihres aktionsgeladenen Schaffensprozesses in sich, und wirkt darüber hinaus wie ein optisches Konservat dieser aufgrund ihrer enormen avantgardistischen Radikalität weltweit kunsthistorisch so bedeutenden Phase.

Vedovas „Tensione N 4 V“ (1959) und Tintorettos „ Il Paradiso“ (1588/94): Eine radikale malerische Transformation
1919 in der Lagunenstadt Venedig geboren war Vedova fasziniert von der Malerei des berühmten venezianischen Manieristen Jacoppo Tintoretto und allem voran von dessen Monumentalgemälde „Il Paradiso“ in der Sala del Maggior Consiglio des Dogenpalastes. Mit der enormen Höhe von 9 und einer Breite von mehr als 22 Metern gilt Tintorettos „Il Paradiso“ noch heute als eines der größten Leinwandgemälde der Welt und war für viele Maler späterer Generationen aufgrund seiner komplexen, wandfüllenden Komposition, ein fesselndes künstlerisches Faszinosum. Fast 500 Figuren hat Tintoretto breits Ende des 16. Jahrhunderts in einer bis dato vollkommen neuartigen, wirbelnden Dynamik auf der Leinwand ausgebreitet und mit dieser sogartig von einem zentralen göttlichen Licht beherrschetn Komposition alle Regeln der klassischen Perspektive überwunden. Vedova war fasziniert von „Il Paradiso“ als einen hochdynamischen „Ort des Geschehens“ (sede di accadimenti), von jenen wirbelnd den Bildraum ausfüllenden Energien und Massen und der von dieser gewaltigen Leinwand ausgehenden metaphysischen Energie. Tintoretto war für Vedova ein Seelenverwandter, sein schneller dynamischer Pinselstrich und seine körperbasierte Arbeitsweise eine wichtige Inspiration und „Il Paradiso“ damit letztlich eine Art malerische Vorform all jener künstlerischen Prinzipien die auch für die zeitgenössischen avantgardistischen Abstraktion der 1950er Jahre von elementarer Bedeutung sein sollten: „Tintoretto war meine Identifikation. Dieser Raum ist eben ein Ort des Geschehens. Diese Regie mit ihren synkopischen und blutigen Rhythmen, magmatisch mit Energien aus dem inneren Fundus der Leidenschaften…“ (Emilio Vedova)
Auch Vedovas Malerei zeichnet sich in entscheidender Weise durch Schnelligkeit, Impulsivität, Dramatik und vollen Körpereinsatz aus. In „Tensione N 4 V“ aber hat der Künstler nicht etwa allein jene enorme physische Wucht der Entstehung auf die Leinwand gebannt, sondern auch die Rhythmik der Komposition und die barocke Licht-Schatten-Dramatik von Tintorettos monumentaler Auferstehungsszenerie des „Il Paradiso“ in die radikal emanzipierte Gestik des Informell übertragen. Vedova hat Tintorettos „Il Paradiso“ vorrangig als ein hochdynamisches Kraftfeld verstanden, weshalb in seinen Tagebucheinträgen in diesem Zusammenhang auch immer wieder Begriffe wie „Scontro“ (Zusammenstoß) und „Tensione“ (Spannung) fallen, um die speziellen Dynamiken in Tintorettos Komposition zu beschreiben. Beide Begriffe greift Vedova wie in der vorliegenden, frühen Leinwand „Tensione N 4 V“ später als Titel für seine eigenen Werke auf. Seine abstrakte Formensprache dynamisiert sich seit den späten 1950er Jahren aufgrund dieses Transformationsprozesses und dem körperbezogenen, aktionsgelandenen Malakt, bei dem Vedova springt und die Leinwand regelrecht mit der Farbe attackiert, in entscheidender Weise. Ausgesprochen spontan und dynamisch ist der Charakter der großformatigen Komposition „Tensione N 4 V“, welche - wenn auch maximal abstrahiert – noch immer die zentralen Form-, Bewegungs-, Lichtzentren von Tintorettos „Il Paradiso“ in sich trägt.

„Tensione N 4 V“: Von der legendären Galleria Blu in eine wichtige norddeutsche Privatsammlung
Bereits 1960 in der ersten Vedova-Ausstellung der legendären Mailänder Galleria Blu präsentiert, zählt „Tensione N 4 V“ heute zu den stärksten und qualitativ herausragenden Schöpfungen des unangepassten venezianischen Rebellen, der in den 1950er Jahren von Jacopo Tintoretto inspiriert begonnen hatte mit dem Einsatz seines ganzen Körpers zu malen. Die 1957 von Peppino Palazzoli gegründete Avantgardegalerie stellt neben Emilio Vedova bereits seit Ende der 1950er Jahre Werke von Lucio Fontana und Alberto Burri aus und trägt damit maßgeblich zu der von nun an einsetzenden internationalen Etablierung der italienischen Avantgarde bei. Bereits 1960 wird Vedovas progressiv gestisches Schaffen, das in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre auch auf der documenta I und II zu sehen war, auf der 30. Biennale von Venedig mit dem Großen Preis für Malerei ausgezeichnet. Vedovas ausgesprochen seltene, großformatige Leinwände dieser bedeutenden frühen Schaffensphase sind aufgrund ihrer Unmittelbarkeit fesselnde Zeugnisse dieses avantgardistischen, hoch impulsiven Malaktes, die auf geradezu verstörende Weise bis heute die radikale Kraft und Dynamik ihres einzigartigen Entstehungsprozesses in sich tragen. Dass sich qualitativ vergleichbare Gemälde heute zum Großteil in wichtigen internationalen Sammlungen wie u.a. dem Museum of Modern Art, New York, und der Guggenheim Collection, New York/Venedig, befinden, vermag unter diesen Umständen nicht zu überraschen. [JS]





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