126000376
Morris Louis
Dalet Chet, 1958.
Acryl (Magna) auf Leinwand
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000376
Morris Louis
Dalet Chet, 1958.
Acryl (Magna) auf Leinwand
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Morris Louis
1912 - 1962

Dalet Chet. 1958.
Acryl (Magna) auf Leinwand.
Verso signiert und mit der Werknummer "288" bezeichnet. 232 x 341 cm (91,3 x 134,2 in). [JS].

Morris Louis' "Veil Paintings": monumentale Ikonen des amerikanischen Color Field Painting.
• Auf dem Höhepunkt: 1958 entstehen die reifen, hoch perfektioniert auf die Leinwand gegossenen "Veil Paintings".
• Gemälde dieser Werkgruppe befinden sich heute in den wichtigsten Sammlungen weltweit, u. a. im Museum of Modern Art und im Whitney Museum of American Art, New York, im Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Dänemark.
• Herausragende Provenienz: aus der für das Color Field Painting legendären André Emmerich Gallery, New York, und anschließend Teil wichtiger internationaler Privatsammlungen.
• Zuletzt seit über 20 Jahren Teil einer Berliner Privatsammlung mit zentralen Positionen der amerikanischen Nachkriegskunst
.

PROVENIENZ: André Emmerich Gallery, New York.
Waddington Galleries, London.
Alistair McAlpine, London.
Milton Schneider, New York.
William Pall Gallery, New York.
Jeffrey Horvitz Ltd., Los Angeles.
Phoebe Gibson, Palo Alto, California (bis 1979, Sotheby Parke Bernet).
Leo S. Guthman, Chicago (wohl vom Vorgenannten erworben, bis 2006, Sotheby's).
Privatsammlung Berlin (seit 2006, vom Vorgenannten erworben).

LITERATUR: D. Upright, Morris Louis. The Complete Paintings, New York 1985, S. 146, WVZ-Nr. 146 (m. Farbabb.).
Online-Werkverzeichnis: www.morrislouis.org/paintings/veil-paintings2/du83, WVZ-Nr. ML 288.
Sotheby Parke Bernet, New York, 8.11.1979, Los 866 A.
Sotheby's, New York, Auktion 8202, 11.5.2006, Los 250.

Morris Louis und Helen Frankenthaler – Vom Suchenden zum Protagonisten des amerikanischen Color Field Painting
1959, ein Jahr nach Entstehung von "Dalet Chet", wird Morris Louis, dessen grandios auf die Leinwand gegossenen "Veil Paintings" heute als Ikonen des amerikanischen Color Field Painting gelten, geradezu schlagartig berühmt. Es ist einer der wichtigsten Momente seiner Karriere, als der für die Verbreitung und Würdigung der abstrakten Nachkriegskunst bedeutende amerikanische Kunstkritiker Clement Greenberg in einer Ausstellung bei French & Company in New York von dieser großformatigen und hinsichtlich Komposition und Farbauftrag vollkommen neuartigen Malerei zutiefst begeistert ist und fortan zu Louis' wichtigstem Förderer wird. Morris Louis ist damals 46 Jahre alt und hat tragischerweise nur noch drei Jahre zu leben. Der in Baltimore geborene Künstler gehört bereits 1932 zu den Absolventen des Maryland Institute of Fine and Applied Arts, allerdings bleibt sein Stil bis 1953 disparat und greift gleichzeitig zu figürlichen Tendenzen in diesen Jahren unter anderem auch das Action Painting Jackson Pollocks auf. Noch bis 1953 aber bleibt Louis ein künstlerisch Suchender, der zu seiner fortan charakteristischen Ausdrucksweise erst durch eine Art Schlüsselerlebnis findet: Dies ist der Besuch im New Yorker Atelier von Helen Frankenthaler, den Louis 1953 im Zuge eines gemeinsamen New-York-Aufenthaltes mit seinem Freund und Künstlerkollegen Kenneth Noland unternimmt.
In Frankenthalers New Yorker Studio treffen sie nicht nur auf die gestische Malerei des abstrakten Expressionismus, sondern auch auf die innovative Soak-Stain-Technik der Künstlerin. Greenberg regt den in seinen Augen vielversprechenden künstlerischen Austausch von Morris Louis und dessen Freund Kenneth Noland mit Helen Frankenthaler, der wichtigen Vertreterin des abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei, an. Greenberg sollte einmal mehr Recht behalten, denn dieser Austausch und der Anblick von Frankenthalers berühmter, auf unbehandelter Leinwand ausgeführter Komposition "Mountains and Sea" (1952, National Gallery of Art, Washington, D.C.), eines der ersten Gemälde in ihrer berühmten Soak-Stain-Technik, sollte fortan nicht nur für Kenneth Noland, sondern auch für Morris Louis in entscheidender Weise prägend werden. Die fast 2,20 x 3 Meter große, ungrundierte Leinwandfläche hatte die Künstlerin lediglich partiell mit stark verdünnter Ölfarbe durchtränkt und die Farbe auf diese Weise nicht auf die Leinwand gesetzt, sondern vielmehr die gut sichtbare Gewebestruktur mit der lasierend aufgebrachten Farbe verbunden. Diese technische Errungenschaft Frankenthalers sollte zum künstlerischen Schlüsselerlebnis für Morris Louis werden, der unmittelbar danach mit seiner berühmten, die stark verdünnte Acrylfarbe in sanften Farbschleiern auf der Leinwand ausbreitenden Werkreihe der "Veil Paintings" beginnt. "Dalet Chet" ist eines dieser herausragenden Beispiele, vor denen der Betrachter in die von Louis auf der riesigen, ungrundierten Leinwand sanft dahingegossenen Farbschleier eintaucht, die sich in mehreren Schichten zu einem fein nuancierten Ganzen überlagern. Nichts weist in "Dalet Chet" mehr auf die enorme Kraftanstrengung seiner Entstehung hin, bis auf den in der Horizontalen sanft durch die Darstellung verlaufenden Streifen. Ein letzter Hinweis auf den einzigartigen Entstehungsprozess in Louis' Atelier, denn Louis nutzte große, selbst gebaute Holzgestelle, auf die er die Leinwandfläche aufspannte, um sie dann schräg gestellt mit großen Mengen verdünnter Farbe zu begießen.

"Veil Paintings" – Louis' ikonische Inszenierungen einer spirituellen Entgrenzung von Farbe
Louis' vorrangig 1958/59 geschaffene "Veil Paintings" gelten heute als der entscheidende Wendepunkt und Höhepunkt in seiner künstlerischen Karriere und leiten sein lediglich acht Jahre andauerndes, reifes malerisches Schaffen ein, das durch seinen frühen Tod 1962 mit erst 49 Jahren ein plötzliches Ende findet. In dieser komprimierten Phase aber hat Louis mit seinen wandfüllenden, sanft dahingegossenen Farberlebnissen auf ungrundierter Leinwand etwas Gewaltiges geschaffen: Er hat die Farbe und damit die abstrakte Malerei von der Kontur befreit und die stark verdünnt auf die Leinwand gegossene Acrylfarbe auf unnachahmlich sanfte und konturlose Weise Schicht für Schicht mit der Leinwand verschmolzen. Louis hat mit diesen ikonischen Schöpfungen eine vollkommen neuartige malerische Ästhetik geschaffen, in der die Farbe rein, körperlos und auratisch in den Raum ausgreift. Vor diesen wandfüllend dahingewehten und geheimnisvoll entrückten Farbwelten ist ein echtes und intensives Eintauchen in die Farbe und ihre unendlichen Nuancen, Schattierungen und Überlagerungen möglich.

Die vorliegende, monumentale Arbeit "Dalet Chet" fasziniert darüber hinaus durch ihre fein nuancierten, natürlichen Farben zwischen Grün, Ocker und warmen, erdigen Rottönen. Sie werden durch hell stehengelassene Leinwandpartien zusätzlich akzentuiert und rhythmisiert. Louis stammt aus einer russisch-jüdischen Einwandererfamilie und der hebräische Titel "Dalet Chet" verweist auf eine Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Spirituellen, dem Physischen und dem Metaphysischen. Damit ist "Dalet Chet" geradezu als eine Art Sinnbild zu lesen für die uns aufgrund ihrer fesselnden Aura in eine ungegenständliche, geistig entrückte Welt transportierenden "Veil Paintings".
Louis hat mit seinen ikonischen "Veil Paintings", dieser sinnlich-spirituellen und durch ihre monumentalen Dimensionen überwältigenden Malerei, einen wichtigen Beitrag zur amerikanischen Nachkriegskunst geleistet. Das große öffentliche Interesse an Louis' mutiger und faszinierend neuartiger Malerei sowie deren internationale Würdigung setzt aber erst nach seinem frühen Tod in den 1960er Jahren ein und wird auch in den Folgejahren maßgeblich von Clement Greenberg geprägt. Greenberg ist es auch, der im Dezember 1986 einen Vortrag über Louis' Schaffen anlässlich der großen Morris-Louis-Ausstellung im Museum of Modern Art, New York, hält. Im Ausstellungskatalog des MoMA ist damals Folgendes zu lesen: "Morris Louis schuf eine einzigartige Spätform des Abstrakten Expressionismus, die er dann in einer Weise radikal umgestaltete, die die reduzierte Kunst der 1960er Jahre vorbereitete. Die strahlend schönen Gemälde seiner Reifezeit sind in ihrer Abstraktion so überzeugend und radikal wie kein anderes Werk der amerikanischen Kunst. 'Auf dem Höhepunkt seiner Kräfte', schreibt John Elderfield, erreichte Louis' Kunst ein Gefühl der 'Befreiung durch die Sinne ... den Zustand, nach dem das Beste der modernen Malerei strebt.'" (zit. nach: Ausst.-Kat. Morris Louis, The Museum of Modern Art, New York 1986, Klappentext). Es überrascht also nicht, dass sich Morris Louis' herausragende Schöpfungen heute von Amerika bis Japan in bedeutenden Museums- und Privatsammlungen befinden und auf dem europäischen Auktionsmarkt als absolute Seltenheit gelten. [JS]





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