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Lyonel Feininger
Sammlung von 65 Briefen an Alois Schardt sowie 46 Briefen mit Familienkorrespondenz, 1920-1961.
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
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Lyonel Feininger
Sammlung von 65 Briefen an Alois Schardt sowie 46 Briefen mit Familienkorrespondenz, 1920-1961.
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
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Museales Zeugnis der Moderne

Lyonel Feininger
Maler und Graphiker, 1871-1956. Sammlung von 65 Briefen an Alois J. Schardt sowie 46 Briefen mit Korrespondenz beider Familien. Verschiedene Orte (Weimar, Deep/Pommern, Dessau, Berlin, New York, Falls Village, Plymouth u. a.), 20. Februar 1920 bis 30. Dezember 1955.

• Einzigartiges kunsthistorisches Archiv von Weltrang: Die Korrespondenz von Lyonel Feininger an den befreundeten Kunsthistoriker Alois J. Schardt sowie zwischen beiden Familien
• Unpublizierte, über 35 Jahre hinweg geschlossene Brieffolge
• Außergewöhnliche zeitliche Spanne: Von den Weimarer Aufbruchsjahren über das Exil bis ins New Yorker Spätwerk
• Künstlerisch veredelt mit 61 eingedruckten Original-Holzschnitten Feiningers sowie 3 lavierten Federzeichnungen


"Die Form ist auf’s Knappste bemessen - und der ganz Apparat der Farbe und der Malweise auf das Einfachste reduziert - wie Ballast der abgeworfen wurde, und nunmehr frei fliegen zu können"
(Falls Village, 24. Juli 1944)

Bedeutende, vollständige und bislang unveröffentlichte Brieffolge Feiningers an den Kunsthistoriker und Museumsdirektor Alois J. Schardt. Erhalten aus einem über 35 Jahre geführten Briefverkehr zwischen Lyonel Feininger und Alois Schardt sowie auch ihren Frauen Julia Feininger und Mary Schardt, gehören sie zu den eindringlichsten Selbstzeugnissen zur Kunst der Moderne. In den Briefen verbinden sich werktheoretische Grundsatzfragen mit der existenziellen Erschütterung einer Epoche, in der die Errungenschaften der Avantgarde jäh zerschlagen wurden. So spiegelt die Korrespondenz nicht allein eine persönliche Freundschaft wider, sondern bildet das Protokoll eines kontinuierlichen künstlerischen Austauschs auf hohem intellektuellen Niveau.
Der Kunsthistoriker Alois J. Schardt (1889-1955), der 1917 bei Heinrich Bulle in Würzburg promovierte und 1920 Assistent von Ludwig Justi an der Berliner Nationalgalerie wurde, begeisterte sich früh für den Expressionismus und die Avantgarde. Als er 1926 die Leitung des Städtischen Museums Moritzburg in Halle übernahm, gehörte er zu den dynamischen und unbeugsamen Museumsdirektoren der Zwischenkriegszeit. Vermittelt durch Schardt erhielt Feininger 1929 vom Stadtmagistrat den Auftrag, eine respräsentative Stadtansicht zu malen. Daraus folgten längere Aufenthalte Feiningers in Halle und bis 1931 entstand dabei der elf Gemälde umfassende Halle-Zyklus, der schließelich durch die Stadt für die Sammlung der Moritzburg erworben wurde - dieser Zyklus stellt ein Schlüsselwerk in Feiningers Schaffen dar, für dessen formale und farbliche Genese die Briefe an Schardt wertvolle Einblicke liefern.
Die dramatischen politischen Umbrüche des Jahres 1933 trafen beide mit voller Wucht: Schardt wurde im Juli 1933 als Nachfolger des von den Nationalsozialisten verdrängten Ludwig Justi an die Berliner Nationalgalerie berufen. In der Überzeugung, den Expressionismus als genuine, nordisch-deutsche Kunstform behaupten zu können, richtete er im Kronprinzenpalais eine vieldiskutierte Schausammlung ein. Doch der Versuch des Brückenschlags scheiterte: Nach der Vorbesichtigung durch den Kultusminister Bernhard Rust wurde die Ausstellung geschlossen und Schardt im November 1933 fristlos entlassen. Es folgten Redeverbote, die Schließung einer von ihm kuratierten Franz-Marc-Gedächtnisausstellung durch die Gestapo 1936 und eine zunehmende Isolierung. 1939 gelang Schardt die Emigration in die USA. - Feininger, dessen Kunst ab 1933 aus deutschen Museen verbannt und 1937 in der Feme-Schau "Entartete Kunst" verhöhnt wurde, kehrte bereits zwei Jahre früher als Schardt in die USA, seinem Geburtsland, zurück, das er 1887 als Jugendlicher verlassen hatte. Die Briefe aus dieser Zeit spiegeln das Trauma dieser Entwurzelung und die Schwierigkeiten des Neuanfangs wider. Feininger lehrte am Mills College in Oakland, fing allmählich wieder an zu malen und konnte als freier Maler in New York arbeiten. In seinen Bildern setzte er sich mit den neuen monumentalen Stadtbildern Amerikas auseinander, die sich auch in einer Serie von Manhatten-Bildern widerspiegeln, die die imposanten Wolkenkratzer und Straßenschluchten zeigen. Aber auch die Motive aus seiner ehemaligen Heimat sollten für ihn ein wichtiges Bildthema bleiben. - Ein halbes Leben lang begleiteten sie sich Nah und Fern, am 13.1.1956 starb Feininger - nur drei Wochen nach Schardt.
Feiningers Ehefrau Julia (auch Julie) Feininger (1880-1970), die selbst Schülerin am Bauhaus war, erweist sich in den Briefen als enge Vertraute und Stütze in seiner Arbeit, und hatte einen bedeutenden Anteil daran, dass der Kontakt zu Alois und Mary Schardt aufrechterhalten wurde.
Über die historische Bedeutung hinaus besticht das Archiv durch seine materielle und ästhetische Kostbarkeit: Viele der Schreiben Feiningers sind mit originalen Holzschnitten und typographischen Finessen versehen, drei werden durch aquarellierte Federzeichungen verziert. Die Briefe bilden in ihrer Umfänglichkeit ein rares persönliches Zeugnis eines Suchenden, für den die Korrespondenz mit Schardt ein Resonanzraum für Zweifel, ästhetische Experimente und späte Befreiung war.

- ILLUSTRATION: Mit 61 Orig.-Holzschnitten (davon 5 koloriert, 22 wdh.) und 3 Federzeichnungen mit aquarellfarbenen Lavierungen von Lyonel Feininger, unmittelbar als Briefköpfe auf die Briefbogen gedruckt (1 montiert). - ZUSTAND: Die Bll. überwiegend gelocht, tlw. mit meist nur minimalen Buchstabenverlust. Vereinzelt mit minimalen Falzeinrissen oder kl. Randläsuren. Insgesamt in bemerkenswert guter Erhaltung. - PROVENIENZ: Aus der Familie Alois J. Schardt (1889-1955), Los Angeles. - Sammlung Achim Moeller, New York (1984 aus dem Nachlass erworben).

Beiliegend 2 handschriftliche Briefe des Malers Hans Jürgen Kallmann (1908-1991) an Mary Schardt (Berlin, 19.03.1936) und Alois Schardt (Tarrenz, 8. Mai 1946) sowie 22 S. mit Exzerpten einiger Feininger-Briefe.

A unique, world-class art-historical archive: The correspondence between Lyonel Feininger and his friend, the art historian Alois J. Schardt (1889-1955), as well as their families. Previously unpublished correspondence spanning a period of over 35 years. An extraordinary period: from the pioneering years in Weimar through exile to his late work in New York. Artistically enriched by over 50 orig. woodcuts by Feininger, printed on many of the letters, as well as a number of pen-and-ink drawings.(R)

Zusammensetzung und Kollation
Die Korrespondenz umfasst insgesamt 111 Briefe u. Karten auf 214 Seiten in verschiedenen Formaten (überwiegend Quart) und auf verschiedenem, tlw. hauchdünnem sowie vereinzelt farbigem Papier, bis 1940 in deutscher Sprache, dann bilingual wechselnd oder ganz in Englisch:
I. 65 Briefe von L. Feininger an A. J. Schardt, davon 3 unvollst., sonst eigenh. signiert, darunter 41 eigenh. Briefe, 20 maschinengeschr. Briefe und 2 Postkarten
II. 34 Briefe von Julia Feininger an Alois und Mary Schardt, tlw. auch im Namen von L. Feininger, darunter 5 mit dessen eigenh. Zusätzen und Grüßen
III. 2 Briefe an Schardts Sohn, Alois W. Schardt, u. a. das letztdatierte Schreiben mit Kondolenz für seinen am 24.12.1955 verstorbenen Vater
IV. 1 handschriftl. Brief von T. Lux Feininger an Alois J. Schardt, darüber hinaus 9 maschinengeschr. Briefe (ohne Unterschrift) von Alois J. Schardt an Feininger (3) und Julia Feininger (5) sowie von Mary Schardt an Julia Feininger (1)




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