426000527
Lyonel Feininger
Eigenhändiger Brief mit 4 Holzschnitten, 1921.
Schätzpreis: € 12.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
426000527
Lyonel Feininger
Eigenhändiger Brief mit 4 Holzschnitten, 1921.
Schätzpreis: € 12.000
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Bauhaus-Dokument von kunsthistorischem Rang

Lyonel Feininger
Maler, 1871-1956. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift und 4 Orig.-Holzschnitten. "Staatliches Bauhaus Weimar", 16. Februar 1921.

• Bedeutendes Zeitdokument aus den Gründungsjahren des Bauhauses
• Vier expressive Holzschnitte Feiningers als integrierter Kopfschmuck auf allen vier Briefseiten
• Kulturpolitische Streitschrift an den thüringischen Bildungsminister Arnold Paulssen
• Feiningers leidenschaftliche Verteidigung des "Bauhaus-Gedankens" und der handwerklichen Erziehung gegen die reaktionäre Neugründung der akademischen Kunsthochschule


Ein kultur- und kunsthistorisches Autograph von allerhöchstem Seltenheitswert. Lyonel Feininger - der 1919 von Walter Gropius als einer der ersten Meister an das neugegründete Staatliche Bauhaus in Weimar berufen wurde und als Formmeister der Druckerei wirkte – wendet sich hier in einer existenziellen Krise direkt an die oberste thüringische Regierungsspitze: den leitenden Staatsminister Dr. Arnold Paulssen (1864-1942).
Hintergrund dieses Schreibens ist der erbitterte Konflikt des Jahres 1921 um das Weimarer Schulgebäude und die Ressourcen: Konservative Kräfte und Teile der ehemaligen Kunstakademie betrieben damals die Wiederbegründung einer traditionellen Maler- und Bildhauer-Akademie ("Staatliche Hochschule für bildende Kunst" unter Emil Högg), welche in denselben Räumen wie das progressive Bauhaus untergebracht werden sollte.
Feininger analysiert diese verhängnisvolle Doppelgleisigkeit mit bestechender Klarheit und Schärfe: Er verteidigt die handwerkliche, prätentionslose Grundlehre des Bauhauses zur "Menschenerziehung" und warnt vor der staatlichen Lähmung durch Teilung der ohnehin knappen Mittel.
"Gestatten Ew. Excellenz, daß ich Ihnen einige Gedanken äußere, die sich mir in der letzten Zeit aufdrängten?
Ein Staat wie Sachsen-Weimar gründet ein Institut, das "Bauhaus", auf das nicht nur ganz Deutschland, sondern auch bereits das Ausland mit dem grössten Interesse schauen und dessen Weiter-Entwicklung überall mit Spannung verfolgt wird.
Davon, dass hier anerkannte künstlerische Kräfte am gemeinsamen Werke beteiligt sind, will ich nicht sprechen; das ist anderswo auch der Fall; aber, ich möchte betonen, wie sehr der "Bauhaus-Gedanke" der Menschenerziehung dient, die Deutschlands Jugend jetzt mehr als je not tut.
Handwerkliche Arbeit wird am "Bauhaus" verlangt; ernste, prätensionslose Arbeit; Arbeit, die zur Menschwerdung jedes Einzelnen dienen soll; Disciplin und Selbstzucht im Handwerklichen, eine feste Grundlage, auf der sich Künstlertum entfalten kann, wenn die Veranlagung des Einzelnen dazu ausreicht; in jedem Fall aber, sollten tüchtige Arbeiter herangebildet werden, die ihren Weg in diesen verarmten Zeiten finden, und durch ihr produktives Schaffen der Allgemeinheit dienen sollen. Das ist ein wahrhaft zeitgemässes, eines jeden Deutschen würdiges, Ziel.
Dieser selber Staat, nun, der diese Gründung in grosszügigster Weise fördert und unterstützt, willigt gleichzeitig in die Neubelebung des als unfruchtbar längst erkannten akademischen Gedankens, durch Wiedergründung einer Maler- und Bildhauer-Akademie alten Stils! (..) Ich gestatte mir, an Ew. Excellenz die Frage zu richten: ob (..) sich nicht als notwendige Folge dieser widersinnigen Zusammenpferchung zweier Gegensätzlichkeiten ein Konflikt ohne Ende ergeben muss? (..)"

Daß ein hochpolitisches, offizielles Minister-Schreiben derart aufwendig mit vier druckgraphischen Meisterwerken Feiningers geschmückt wurde, verleiht diesem Dokument Ausnahmecharakter. Alle vier Holzschnitte zeigen Feiningers unverwechselbare, prismatisch-kristalline Bildsprache und vereinen seine zentralen Bildthemen: Technikmoderne (Eisenbahn), Sakralarchitektur (Kirche/Turm) und maritime Motive (Segelschiffe).

- KOLLATION: 4 Seiten auf grünlichem Schreibpapier. Blattmaße 28 : 21 cm. Oben links auf jeder Seite jeweils ein Original-Holzschnitt von Lyonel Feininger, umgeben vom eigenhändigen Brieftext in schwarzer Tinte. - ZUSTAND: Oberer und seitlicher Rand schwach gebräunt, wenige kl. papierbedingte Randeinrisse, horizontale und vertikale originale Faltspuren, der linke Rand auf einer Breite von 1 cm sauber umgefaltet (Holzschnitte und Text nicht betroffen), in der rechten oberen Ecke jeweils die zeitgenössische Registraturnumerierung des Ministeriums in Bleistift bzw. Blaustift. Insgesamt bemerkenswert gut erhalten, die Tinte tiefschwarz und unverblaßt, die Holzschnitt in kräftigen und kontrastreichen Abdrucken. - PROVENIENZ: Privatsammlung Berlin.

LITERATUR: Prasse W 81 (Zug auf der Brücke ), W 156 II (Schiffe mit Spiegelung ), W 221 (Kirche mit hohem Turm ) und W 234 (Schiffe und Neumond ).

Bauhaus document from historical significance: autograph letter signed by Lyonel Feininger with 4 orig. woodcuts in the letter heads. From the founding years of the famous arts and crafts school. A critical pamphlet on cultural policy, addressed to the thuringian minister for education of the time. A passionate defense by Feininger of the main "Bauhaus idea" and of the ideal of education focussed on manual work and craftsmanship, as opposed to a re-establishment of an art school with a more theoretical and academic approach. - Margins at head and side slightly browned, few small marginal tears due to paper, vertical and horizontal folding, left margin is neatly folded (1 cm, woodcuts and text not affected), in upper right corner ministry's file numbering. Altogether well preserved letter with strong impressions of the woodcuts. Private collection, Berlin.






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