Auktion: 611 / Day Sale am 05.12.2026 in München → Lot 126000900

126000900
Otto Dix
Pferd am Nachmittag, 1917.
Gouache über Kohle
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000900
Otto Dix
Pferd am Nachmittag, 1917.
Gouache über Kohle
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Otto Dix
1891 - 1969
Pferd am Nachmittag. 1917.
Gouache über Kohle.
Links oben signiert und datiert. Verso wohl von fremder Hand in Bleistift betitelt. Auf bräunlichem Velin. 39,8 x 38,7 cm (15,6 x 15,2 in), blattgroß. [KA].
• Farbintensive, dynamische Landschaftsvision in fragmentierter, kontrastreicher Kaleidoskop-Perspektive.
• In dieser emotional aufgeladenen Komposition verarbeitet Otto Dix das Frontgeschehen im Spannungsfeld von existenzieller Erschütterung und tiefer Sehnsucht.
• Die kristallinen Flächen und der pulsierende Kolorit-Rhythmus spiegeln den inneren Aufruhr des Künstlers unmittelbar wider.
• Entstanden 1917 an der Westfront während seiner Stationierung in Flandern.
• Gouachen aus dieser prägenden Schaffensphase befinden sich heute u. a. im University of Michigan Museum of Art, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sowie der Staatsgalerie Stuttgart.
• Zuletzt wurden Werke des Künstlers im Rahmen der Ausstellung „Otto Dix und die Neue Sachlichkeit“ in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (Museum Gunzenhauser) gezeigt (Februar–Mai 2026).
PROVENIENZ: Privatsammlung Monte Carlo (1991).
Sammlung Dietmar Manke, Schleswig-Holstein (1998 erworben, wohl Galerie Thomas, München, auf der Rahmenrückpappe mit dem Galerieetikett).
LITERATUR: Suse Pfäffle, Otto Dix. Werkverzeichnis der Aquarelle und Gouachen, Stuttgart 1991, WVZ-Nr. G 1917/32 (m. SW-Abb. S. 271).
- -
Leo Spik, Berlin, 554. Auktion, Gemälde des 19.-20. Jahrhunderts, 11.10.1990, Los 62 (m. Abb. Farbtaf. 15).
1891 - 1969
Pferd am Nachmittag. 1917.
Gouache über Kohle.
Links oben signiert und datiert. Verso wohl von fremder Hand in Bleistift betitelt. Auf bräunlichem Velin. 39,8 x 38,7 cm (15,6 x 15,2 in), blattgroß. [KA].
• Farbintensive, dynamische Landschaftsvision in fragmentierter, kontrastreicher Kaleidoskop-Perspektive.
• In dieser emotional aufgeladenen Komposition verarbeitet Otto Dix das Frontgeschehen im Spannungsfeld von existenzieller Erschütterung und tiefer Sehnsucht.
• Die kristallinen Flächen und der pulsierende Kolorit-Rhythmus spiegeln den inneren Aufruhr des Künstlers unmittelbar wider.
• Entstanden 1917 an der Westfront während seiner Stationierung in Flandern.
• Gouachen aus dieser prägenden Schaffensphase befinden sich heute u. a. im University of Michigan Museum of Art, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sowie der Staatsgalerie Stuttgart.
• Zuletzt wurden Werke des Künstlers im Rahmen der Ausstellung „Otto Dix und die Neue Sachlichkeit“ in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (Museum Gunzenhauser) gezeigt (Februar–Mai 2026).
PROVENIENZ: Privatsammlung Monte Carlo (1991).
Sammlung Dietmar Manke, Schleswig-Holstein (1998 erworben, wohl Galerie Thomas, München, auf der Rahmenrückpappe mit dem Galerieetikett).
LITERATUR: Suse Pfäffle, Otto Dix. Werkverzeichnis der Aquarelle und Gouachen, Stuttgart 1991, WVZ-Nr. G 1917/32 (m. SW-Abb. S. 271).
- -
Leo Spik, Berlin, 554. Auktion, Gemälde des 19.-20. Jahrhunderts, 11.10.1990, Los 62 (m. Abb. Farbtaf. 15).
Während seiner vierjährigen Militärzeit, zunächst als Reservist und später als Feldartillerist an der West- und Ostfront, schafft Otto Dix mit geradezu obsessiver Intensität eine Vielzahl von Zeichnungen und Gouachen auf Papier, vor allem, um die ihn täglich umgebenden Schrecken festzuhalten und zu verarbeiten. Suse Pfäffle bemerkt hierzu treffend: "[…] die zahlreichen Gouachen, die während des Krieges entstanden, waren sein ihn seelisch befreiendes Ventil." (zit. nach: Suse Pfäffle, Otto Dix. Werkverzeichnis der Aquarelle und Gouachen, Stuttgart 1991, S. 12). Bereits zu Beginn seines Fronteinsatzes verdüstert sich seine Bildwelt zusehends. Sie zeigt schonungslose, intime Einblicke in die Schützengräben, in denen er kämpft, sowie in lichterloh brennende Dörfer. Wie auch in der vorliegenden Arbeit wendet sich Dix jedoch ebenso der Landschaft zu, die ihn und seine Kameraden auf ihrem Vormarsch durch Frankreich und Flandern umgibt. Dieser Weg wird nur durch einen kurzen Einsatz an der Ostfront Ende 1917 unterbrochen.
Die vorliegende Komposition entsteht höchstwahrscheinlich in Gent, unweit des belgischen Seebads Knokke, wo Dix Ende August 1917 fünf Tage lang im Umgang mit schweren Maschinengewehren zur Luftabwehr ausgebildet wird. Gekonnt transformiert Dix hier die hügelige Landschaft in ein komplexes Gefüge aus Spitzen und Tälern, das unverkennbar an das System jener Schützengräben erinnert, in denen er die vorangegangenen drei Jahre verbracht hat. Die existenzielle Gewalt, die Dix während dieser Zeit hautnah erlebt, spiegelt sich eindringlich in seiner von scharfen, diagonal verschränkten Linien und expressiver Wucht geprägten Formensprache wider.
In markantem Gegensatz zu dieser düsteren Realität wählt der Künstler jedoch ein leuchtendes, prismatisches Kolorit für die Küstenansicht, das die Schwere des Sujets auf den ersten Blick beinahe vergessen lässt. Das Terrain zerklüftet und staffelt sich in einer dicht verwobenen Komposition, zusammengehalten von einer strahlenden Palette aus kräftigen Gelb-, Weiß-, Rosa-, Grün- und Blautönen. Bei aller illusionistischen Heiterkeit, die von der Farbigkeit ausgeht, scheint eine latente Bedrohung überall zu lauern. Im Hintergrund umspülen dramatisch aufgewühlte Wogen ein einsames Schiff, das den tosenden Wassermassen unheilvoll ausgeliefert zu sein scheint. Auch die Topografie selbst, dominiert von den markanten Pferden im Vordergrund, modelliert Dix nach Art wogender, ungestümer Brecher. Auf dieses stilistische Motiv greift Dix ein Jahr später in weiteren Gouachen wie "Granattrichter mit Toten" (Pfäffle G 1918/2) und "Schützengraben" (Pfäffle G 1918/5) erneut zurück.
In dieser ungemein fruchtbaren Schaffensphase bannt Dix das Kriegstrauma mit unmittelbarer, unerbittlicher Eindringlichkeit. Über das gesamte Terrain verstreut scheinen menschliche Gestalten an den Hängen zu liegen und mit der Landschaft zu verschmelzen. Sind es gefallene Soldaten? Männer, die vor dem feindlichen Beschuss Schutz suchen? Oder rasten sie lediglich, bevor der Marsch weitergeht? Am linken Bildrand sitzt eine einzelne Gestalt auf dem Höhenzug und blickt sehnsuchtsvoll zum Horizont, dem Aufbruch entgegen, ähnlich dem Schiff in der Ferne. Hierin scheint der eigentliche Fluchtpunkt des Werkes zu liegen: im weiten Weg in die Freiheit und letztlich zum Frieden. [KA]
Die vorliegende Komposition entsteht höchstwahrscheinlich in Gent, unweit des belgischen Seebads Knokke, wo Dix Ende August 1917 fünf Tage lang im Umgang mit schweren Maschinengewehren zur Luftabwehr ausgebildet wird. Gekonnt transformiert Dix hier die hügelige Landschaft in ein komplexes Gefüge aus Spitzen und Tälern, das unverkennbar an das System jener Schützengräben erinnert, in denen er die vorangegangenen drei Jahre verbracht hat. Die existenzielle Gewalt, die Dix während dieser Zeit hautnah erlebt, spiegelt sich eindringlich in seiner von scharfen, diagonal verschränkten Linien und expressiver Wucht geprägten Formensprache wider.
In markantem Gegensatz zu dieser düsteren Realität wählt der Künstler jedoch ein leuchtendes, prismatisches Kolorit für die Küstenansicht, das die Schwere des Sujets auf den ersten Blick beinahe vergessen lässt. Das Terrain zerklüftet und staffelt sich in einer dicht verwobenen Komposition, zusammengehalten von einer strahlenden Palette aus kräftigen Gelb-, Weiß-, Rosa-, Grün- und Blautönen. Bei aller illusionistischen Heiterkeit, die von der Farbigkeit ausgeht, scheint eine latente Bedrohung überall zu lauern. Im Hintergrund umspülen dramatisch aufgewühlte Wogen ein einsames Schiff, das den tosenden Wassermassen unheilvoll ausgeliefert zu sein scheint. Auch die Topografie selbst, dominiert von den markanten Pferden im Vordergrund, modelliert Dix nach Art wogender, ungestümer Brecher. Auf dieses stilistische Motiv greift Dix ein Jahr später in weiteren Gouachen wie "Granattrichter mit Toten" (Pfäffle G 1918/2) und "Schützengraben" (Pfäffle G 1918/5) erneut zurück.
In dieser ungemein fruchtbaren Schaffensphase bannt Dix das Kriegstrauma mit unmittelbarer, unerbittlicher Eindringlichkeit. Über das gesamte Terrain verstreut scheinen menschliche Gestalten an den Hängen zu liegen und mit der Landschaft zu verschmelzen. Sind es gefallene Soldaten? Männer, die vor dem feindlichen Beschuss Schutz suchen? Oder rasten sie lediglich, bevor der Marsch weitergeht? Am linken Bildrand sitzt eine einzelne Gestalt auf dem Höhenzug und blickt sehnsuchtsvoll zum Horizont, dem Aufbruch entgegen, ähnlich dem Schiff in der Ferne. Hierin scheint der eigentliche Fluchtpunkt des Werkes zu liegen: im weiten Weg in die Freiheit und letztlich zum Frieden. [KA]
Hauptsitz
Joseph-Wild-Str. 18
81829 München
Tel.: +49 (0)89 55 244-0
Fax: +49 (0)89 55 244-177
info@kettererkunst.de
Louisa von Saucken / Undine Schleifer
Holstenwall 5
20355 Hamburg
Tel.: +49 (0)40 37 49 61-0
Fax: +49 (0)40 37 49 61-66
infohamburg@kettererkunst.de
Dr. Simone Wiechers
Fasanenstr. 70
10719 Berlin
Tel.: +49 (0)30 88 67 53-63
Fax: +49 (0)30 88 67 56-43
infoberlin@kettererkunst.de
Cordula Lichtenberg
Gertrudenstraße 24-28
50667 Köln
Tel.: +49 (0)221 510 908-15
infokoeln@kettererkunst.de
Hessen
Rheinland-Pfalz
Miriam Heß
Tel.: +49 (0)62 21 58 80-038
Fax: +49 (0)62 21 58 80-595
infoheidelberg@kettererkunst.de
Nico Kassel, M.A.
Tel.: +49 (0)89 55244-164
Mobil: +49 (0)171 8618661
n.kassel@kettererkunst.de
Wir informieren Sie rechtzeitig.



