124000496
Georg Kolbe
Japanerin (Kauernde Japanerin), 1911.
mit brauner Patina
Schätzpreis: € 35.000 - 45.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
124000496
Georg Kolbe
Japanerin (Kauernde Japanerin), 1911.
mit brauner Patina
Schätzpreis: € 35.000 - 45.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Georg Kolbe
1877 - 1947

Japanerin (Kauernde Japanerin). 1911.
mit brauner Patina.
Auf der Plinthe mit dem Monogramm und rückseitig mit dem Gießerstempel "H. NOACK FRIEDENAU BERLIN". 46 cm (18,1 in). [EH].
"Die 'Japanerin' [wohl anderes Exemplar] wurde erstmals 1911 in der Herbstausstellung der Berliner Secession ausgestellt und zählt zu einer der ersten Skulpturen Kolbes, die bei Publikum und Presse großen Zuspruch fanden" (Katharina Perlongo, in: Julia Wallner, Georg Kolbe, Köln 2017, S. 28)
Weitere Skulpturen dieser süddeutschen Privatsammlung kommen vom 15. Januar bis 15. Februar 2027 in unserem Online Sale zum Aufruf.

• "Japanerin" begründet die Hinwendung zur beseelten, anmutig bewegten Aktdarstellung bei Georg Kolbe.
• Der Zusatz "Friedenau" auf dem Gießerstempel verweist auf ein früheres Datum des Gusses.
• Tadelloser Guss mit leicht belebter Patinierung.
• Weitere Exemplare befinden sich in der Sammlung des Georg Kolbe Museums, Berlin, des Albertinums in Dresden und des Kröller-Müller Museums, Otterloo
.

PROVENIENZ: Galerie Valentien, Stuttgart.
Privatsammlung Süddeutschland (1963 vom Vorgenannten erworben).
Seitdem in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: (in Auswahl)
Dreiundzwanzigste Ausstellung der Berliner Secession. Zeichnende Künste, Berlin 1911, S. 84, Kat.-Nr. 1069 (wohl anderes Exemplar).
Große Kunstausstellung, Dresden 1912, Kat. S. 27, Los 110 (wohl anderes Exemplar).
Galerie Paul Cassirer, Berlin, VI. Ausstellung, XIV. Jahrgang, Winter 1911/12, Feb./März 1912, Kat.-Nr. 60 (wohl anderes Exemplar).
Georg Kolbe. Plastiken aus den Jahren 1908 bis 1925, Zeichnungen, Drucke, Galerie Ernst Arnold, Dresden 1925, S. 13, Kat.-Nr. 3 (wohl anderes Exemplar).
Georg Kolbe 1877-1947. Sculpture from the collection of B. Gerald Cantor, Drawings from the Georg Kolbe Museum, Berlin, Georgia Museum of Art, University of Georgia, Athens / Andrew Dickson White Museum of Art, Cornell University / Busch-Reisinger Museum of Art, Harvard University, Cambridge, MA / Indianapolis Museum of Art / Municipal Art Gallery, Los Angeles / Santa Barbara Museum of Art / Washington University, St. Louis, MO, 1972/73, Kat.-Nr. 2 (wohl anderes Exemplar).
Abbilder - Leitbilder. Berliner Skulpturen von Schadow bis heute. Neuer Berliner Kunstverein, Berlin 1978, Kat.-Nr. 83 (wohl anderes Exemplar).
Hommage à Lehmbruck. Lehmbruck in seiner Zeit, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg, 25.10.1981-3.1.1982, Kat.-Nr. 169 (wohl anderes Exemplar).
Von Begas bis Barlach. Bildhauerei im wilhelminischen Berlin, Georg Kolbe Museum, Berlin, 12.9.-11.11.1984, Kat.-Nr. 54 (wohl anderes Exemplar).
Georg Kolbe. Plastiken und Zeichnungen, Paul-Dierkes-Stiftung, Cloppenburg, 1984, Kat. S. 16, 28, 35 (wohl anderes Exemplar).
Der Akt um 1900. Körper, Landschaft, Erotik. Kabinettausstellung der Skulpturensammlung Dresden - Albertinum, 30.5.-10.11.2013, o. Kat.-Nr. (wohl anders Exemplar).

LITERATUR: Ursel Berger, Georg Kolbe. Leben und Werk, mit dem Katalog der Kolbe-Plastiken im Georg-Kolbe-Museum, Berlin 1990, Kat.-Nr. 13, WVZ-Nr. W 11.025 (anderes Exemplar).
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Auswahl:
Wilhelm Reinhold Valentiner, Georg Kolbe. Plastik und Zeichnung, München 1922, S. 44.
Werner Schmalenbach (Vorw.), Lexikon der modernen Plastik, München/Zürich 1961, S. 159.
Franz Josef Neckenig, Der Bildhauer Georg Kolbe (1877-1947). Das künstlerische Werk, Stilphasen und ihre Voraussetzungen, Berlin 1972 / Tübingen/Berlin 2011, S. 36, 61, 89.
Werner Stockfisch, Ordnung gegen Chaos. Zum Menschenbild Georg Kolbes, Berlin 1984, S. 81, 85, 189, 231f., 268.
Gisela Klinkhardt, Die Plastik in der Werkbundausstellung Köln 1914, Heidelberg 1996, S. 46.
Bernhard Echte, Walter Feilchenfeldt (Hrsg.), "Verheißung und Erfüllung zugleich". Kunstsalon Paul Cassirer. Die Ausstellungen 1910-1912 (Quellenstudien zur Kunst, Bd. 9), Wädenswil 2016, S. 527, 604, 526, Abb. 60 (wohl anderes Exemplar).
Katherina Perlongo, "..innig in den leisen Bewegungen", in: J. Wallner, Georg Kolbe, Köln 2017, S. 33, Abb. S. 32 (anderes Exemplar).

"Für Kolbe beginnt mit dieser Figur ein neues, wichtiges Kapitel: die Herausbildung eines neuen Stils, der die Darstellung von harmonisch bewegten, belebten und beseelten Frauengestalten ins Zentrum seines Schaffens setzt."
Katherina Perlongo, in: J. Wallner, Georg Kolbe, Köln 2017, S. 33.

Mit der Japanerin gestaltet Georg Kolbe 1911 eine seiner frühen, besonders erfolgreich aufgenommenen Plastiken. Das Modell ist die Tochter einer Berlinerin und eines Japaners, die als Tänzerin unter dem Namen „Taka-Taka“ bekannt ist. Georg Kolbe überführt ihre Erscheinung in eine kompakte, kauernde Haltung: Der Körper ist in sich gesammelt, zugleich aber von einer leisen, geschmeidigen Bewegung durchzogen. Die verschränkte, in sich leicht gedrehte Haltung verleiht der Figur Geschlossenheit, ohne sie statisch wirken zu lassen.

Die erste Ausstellungs-Präsentation der "Japanerin" erfolgt 1911 in der Herbstausstellung der Berliner Secession. Die Galerie Paul Cassirer verlegt die Bronze in einer Auflage von 10 Exemplaren. Ein im Kolbe Museum befindlicher Brief des Künstlers belegt, dass die Güsse bis 1917 verkauft waren. Vier Zeichnungen nach dem Modell, heute im Georg-Kolbe-Museum, ergänzen den plastischen Entwurf und belegen Kolbes intensive Auseinandersetzung mit der Figur der "Japanerin".

Die Japanerin markiert einen wichtigen Schritt in Kolbes Entwicklung zu jener Bildsprache, für die sein Œuvre steht: der Darstellung bewegter, beseelter Frauengestalten. Zugleich ist die Figur ein prägnantes Zeugnis des kosmopolitischen Berliner Kulturlebens vor dem Ersten Weltkrieg, in dem Tanz, bildende Kunst und neue Bühnenformen aufeinandertrafen und sich gegenseitig befruchteten. [EH]





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