126000608
Alexander Calder
Untitled (Standing Mobile), Ca. 1953.
Standing Mobile aus Blech und Metalldraht, farb...
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000608
Alexander Calder
Untitled (Standing Mobile), Ca. 1953.
Standing Mobile aus Blech und Metalldraht, farb...
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Alexander Calder
1898 - 1976

Untitled (Standing Mobile). Ca. 1953.
Standing Mobile aus Blech und Metalldraht, farbig gefasst.
Ca. 15,9 x 26 x 5,1 cm (6,2 x 10,2 x 2 in).
In diesem Jahr ehrte die Fondation Louis Vuitton Alexander Calder mit der Blockbuster-Ausstellung "Calder. Rêver en équilibre" mit nahezu 300 Werken des Künstlers. [CH].

• WEITERENTWICKLUNG Ende der 1930er Jahre entstehen erste "Standing Mobiles", in denen Calder seine filigranen Mobiles auf ruhende, feste Sockel montiert.
• DUALITÄT Sensible Balance und strenge Geometrie, Massivität und filigrane Leichtigkeit, Ruhe und Bewegung.
• Inbegriff von Calders konzentrierter Formensprache und kinetischer Prinzipien.
• PROVENIENZ Seit Entstehung Teil einer bedeutenden deutschen Privatsammlung
• MUSEAL Vergleichbare "Standing Mobiles" sind Teil renommierter musealer Sammlungen, darunter die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, das Museum of Contemporary Art, Chicago, und das Centre Pompidou, Paris.
• GESUCHT Die Werke der 1940er und 1950er Jahre sind Calders gesuchteste Arbeiten auf dem internationalen Auktionsmarkt.
• BIENNALE 1952 vertritt Alexander Calder die Vereinigten Staaten auf der XXVI. Biennale in Venedig und gewinnt den Großen Preis für Bildhauerei
.

Die Arbeit ist im Archiv der Calder Foundation, New York, unter der Nummer "A 31166" registriert.

PROVENIENZ: Sammlung Bruno E. Werner (1896-1964), Washington, D.C./München (wohl in den 1950er Jahren direkt vom Künstler).
Seitdem in Familienbesitz.

"Calder’s work holds a unique place in the history of 20th-century art [...]. His sculptures are abstract – they do not imitate nature, rather they act like nature. They grow, they move, they possess their own rhythm."
Bernard Arnault, Präsident der Fondation Louis Vuitton, in: Ausst.-Kat. Calder. Dreaming in Equilibrium, Fondation Louis Vuitton, Paris 2026, zit. nach: https://www.smithsonianmag.com/smart-news/alexander-calder-thought-it-would-be-fun-to-set-abstract-art-in-motion-his-mesmerizing-mobiles-transformed-the-definition-of-sculpture-180988631/, aufgerufen 26.10.2026.

Von der Figuration zur Abstraktion
In den 1930er Jahren beginnt Alexander Calder, seine Skulpturen und Objekte in Bewegung zu versetzen. Mit seinem über mehrere Jahrzehnte entstandenen facettenreichen Œuvre und seiner originellen, absolut wegweisenden Entwicklung des sog. Mobiles gilt der Künstler heute als "Erfinder beweglicher Formen" in der Kunst und als "Meister der Poesie des Unerwarteten" (Monopol Magazin, 16.4.2026).
Zwischen 1926 und 1933 lebt und arbeitet Calder in Paris, er ist Mitglied von "Abstraction-Création", der wichtigsten französischen Künstlergruppe dieser Jahre, und steht in engem Austausch mit der damaligen Pariser Avantgarde, darunter Jean Arp, Marcel Duchamp, Fernand Léger und Joan Miró. Als absoluten Schlüsselmoment beschreibt Calder seinen Besuch im Atelier des niederländischen Konstruktivisten Piet Mondrian. "Dieser eine Besuch versetzte mir einen Schock, der die Dinge ins Rollen brachte." (Calder, zit. nach: Ausst.-Kat. Alexander Calder – Avantgarde in Bewegung, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 2013/14, S. 90) Das mit Mondrians abstrakten Arbeiten gefüllte Atelier hinterlässt in Calder den Eindruck von sich im Raum bewegenden geometrischen Körpern und entzündet die Idee von räumlicher Abstraktion. Er beendet daraufhin die Weiterentwicklung seiner figurativen Draht-Skulpturen, an denen er bis zu diesem Zeitpunkt gearbeitet hatte, wendet sich stattdessen der Abstraktion zu und beginnt, ungegenständliche, kinetische, zum Teil stehende, aber auch hängende Skulpturen aus Draht und Blech zu kreieren, die er zum Teil mit kleinen Motoren in Bewegung versetzt. Marcel Duchamp betitelt sie damals bereits als "Mobiles".

"His mesmerizing Mobiles transformed the definition of sculpture."
Ellen Wexler, 28.4.2026, zit. nach: https://www.smithsonianmag.com/smart-news/alexander-calder-thought-it-would-be-fun-to-set-abstract-art-in-motion-his-mesmerizing-mobiles-transformed-the-definition-of-sculpture-180988631/

Skulpturen in Bewegung
In den darauffolgenden Jahrzehnten entwickelt Calder ausgeklügelte Gleichgewichts- und Verbindungslösungen, um verschiedene, meist geometrische Elemente, aber auch Spiralen und biomorphe Formen aus Blech zu einer reizvollen Komposition zu verbinden. "About my method of work: first it’s the state of mind. Elation. I only feel elation if I’ve got ahold of something good. I used to begin with fairly complete drawings, but now I start by cutting out a lot of shapes. Next, I file them and smooth them off. Some I keep because they’re pleasing or dynamic. Some are bits I just happen to find. Then I arrange them, like papier collé, on a table, and ‘paint’ them—that is, arrange them, with wires between the pieces if it’s to be a mobile, for the overall pattern. Finally I cut some more on them with my shears, calculating for balance this time." (Alexander Calder im Gespräch mit Selden Rodman, in: Conversations with Artist, New York 1957, zit. nach: https://calder.org/bibliography/selden-rodman-alexander-calder/; aufgerufen 26.10.2026)
Neben einer Vielzahl anderer Skulpturen entstehen in erster Linie die "Standing Mobiles" mit festen Standfüßen und die "Hanging Mobiles", die an einem Fixpunkt an der Decke angebracht werden. Sorgfältig wird das Gewicht der jeweiligen Einzelteile aufeinander abgestimmt und eine Balance hergestellt, die das Objekt schließlich frei im Raum schweben lässt. Es entsteht ein faszinierendes Spiel zwischen Ruhe und Bewegung: Aufgrund der Leichtigkeit der Materialitäten und der sorgsam gewählten Verbindungspunkte beginnt sich das Gebilde schon durch leichte Luftströmungen ganz von selbst leicht tänzelnd zu bewegen, fast scheinen die Mobiles ein eigenes Dasein zu führen. "[…] Tageszeit, Sonne, Wärme und Wind bestimmen dann, in welcher Weise sie sich jeweils bewegen; so bleibt das Gebilde immer halbwegs zwischen der Gebundenheit einer Statue und der Unabhängigkeit eines Naturereignisses." (Jean Paul-Sartre, Les Mobiles des Calder, in: Ausst.-Kat. Calder, Galerie Louis Carré, Paris 1946, o. S., zit. nach: Nina Schallenberg, Die Mobiles für sich im Raum, in: Alexander Calder, Minimal / Maximal, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, 2021, S. 110)
Farblich ist dabei eine große Verbundenheit zu Mondrian und den frühen Konstruktivisten zu erkennen; die Farben der einzelnen Elemente beschränkt Calder hauptsächlich auf die Farben Rot, Blau, Gelb, Schwarz und Weiß.

Standing Mobiles: Minimalismus und Verspieltheit, Stabilität und Dynamik
Wie auch das hier angebotene Werk von 1953, vereinen die "Standing Mobiles" Minimalismus und Verspieltheit, Farbigkeit und reizvolle Formengebilde, Ruhe und Dynamik. In ihrer eleganten Bewegung reflektieren sie die Energien des Raumes, Wärme, Wind und Erschütterung. Es entstehen unterschiedliche Rhythmen, Bewegungsrichtungen und Radien sowie eine von den sanften, langsam kreisenden oder auf- und abschwingenden Bewegungen ausgehende, deutlich spürbare Poesie. Es kommt zu einem Ineinanderwirken von skulpturaler Form und der sie umgebenden Atmosphäre: Die Mobiles stehen nicht nur für sich, sie treten mit dem Raum in Kontakt.

"To most people who look at a mobile, it’s no more than a series of flat objects that move. To a few, though, it may be poetry."
Alexander Calder in einem Gespräch mit Selden Rodman, in: Conversations with Artist, New York 1957, zit. nach: https://calder.org/bibliography/selden-rodman-alexander-calder/; aufgerufen 26.10.2026.

Die faszinierenden abstrakt-geometrischen, auf den Prinzipien der Kinetik basierenden Arbeiten sichern Calder über viele Jahrzehnte hinweg einen festen Platz im Zentrum der europäischen und amerikanischen Avantgarde.
In den 1950er Jahren überführt er die Mobiles schließlich auch in monumentale Dimensionen, die heute weltweit an öffentlichen Plätzen zu finden sind, u. a. vor dem Hauptquartier der UNESCO in Paris. 1952 vertritt Calder die Vereinigten Staaten auf der Biennale von Venedig, wo ihm zudem der Große Preis für Bildhauerei verliehen wird. Seither befinden sich seine Werke weltweit in den bedeutendsten Museen und privaten Sammlungen und werden zudem in einer Vielzahl umfassender Einzelausstellungen gezeigt. In diesem Jahr ehrte die Fondation Louis Vuitton Alexander Calder mit der Blockbuster-Ausstellung "Calder. Rêver en équilibre" mit nahezu 300 Werken des Künstlers.

Künstler und Kritiker: Zur Provenienz
Noch bevor sich Alexander Calder seinen heute so berühmten abstrakten Werken zuwendet, zeigt die Galerie Neumann-Nierendorf in Berlin 1929 eine viel beachtete Einzelausstellung seines figurativen Frühwerks. 48 Arbeiten werden der Öffentlichkeit präsentiert und in zahlreichen Zeitungen besprochen. Auch der Journalist, Kunstkritiker und Publizist Bruno E. Werner schreibt in der Deutschen Allgemeinen Zeitung begeistert: "Seine Werke lassen sich nicht beschreiben – man muss sie sehen.” (Bruno E. Werner, Portraits, Sculpture, Wire Forms, Nierendorf Galerie, Deutsche Allgemeine Zeitung, April 1929 (übersetzt nach: Tate Gallery London, https://www.tate.org.uk/art/artists/alexander-calder-848/who-is-alexander-calder; aufgerufen 20.10.2026)

Erst zwei Jahrzehnte später kehrt Calder nach Deutschland zurück. Auf Einladung des Auswärtigen Amtes bereist der Künstler im September und Oktober 1952 schließlich vier Wochen lang die Bundesrepublik Deutschland. Eine groß angelegte Wanderausstellung seiner Werke reist mit ihm durch 13 deutsche Städte und präsentiert seine Werke einer breiten Öffentlichkeit, darunter in Bonn, Mannheim, Darmstadt und München, wo er Bruno E. Werner trifft – den Journalisten und Kritiker, der 1929 Calders erste Einzelausstellung in Deutschland so positiv und wohlwollend kommentiert hatte. In seiner Biografie erzählt Calder später: "In September 1952, I was invited by the German State Department to tour West Germany. [...] I was sent off to Munich almost immediately. For two days, I met various people, among them Bruno Werner, a journalist who had happened to write up my 1929 show in Berlin. Curt Valentin had given me a list of all his friends and Werner was one of them. When I finally got to Berlin and saw the Gedächtniskirche, I happened to write Bruno Werner that day, explaining that I thought the Germans should keep it in its present state. It was ugly, but the bombing had made it beautiful. Werner published my letter in a German paper." (Alexander Calder, Calder. An Autobiography with Pictures, New York 1966, S. 211)
Zwischen 1952 und 1961 ist Bruno Werner als Botschaftsrat und Kulturattaché in Washington, D.C. tätig. Aus diesen Jahren sind einige Briefe des Künstlers an den deutschen Journalisten erhalten, die u. a. ein Treffen bei Alexander Calder in Connecticut erwähnen. Damals könnte der Künstler Bruno Werner die hier angebotene Arbeit geschenkt oder verkauft haben, die in den darauffolgenden nahezu sieben Jahrzehnten im Besitz der Familie verbleibt und erst jetzt der Öffentlichkeit und auch der Calder Foundation präsentiert wird. [CH]





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