abbildung folgt


126000866
Emil Nolde
Wajangfigur und Blumen, 1928.
Öl auf Holz
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000866
Emil Nolde
Wajangfigur und Blumen, 1928.
Öl auf Holz
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Emil Nolde
1867 - 1956

Wajangfigur und Blumen. 1928.
Öl auf Holz.
Links unten signiert. Verso erneut signiert und betitelt. 73,5 x 88,5 cm (28,9 x 34,8 in). [AW].

• PERSÖNLICH Die indonesische Wayang-Figur ist Teil von Emil Noldes privater Sammlung in Seebüll.
• LEIDENSCHAFT Das strahlende Stillleben verbindet Noldes Passion für ursprüngliche Artefakte mit seiner Liebe zu Blumen.
• QUALITÄT Bereits kurz nach Entstehung in der Galerie Ferdinand Möller in Berlin gezeigt.
• MUSEAL Diese Arbeit befindet sich von 2014 bis 2026 als Dauerleihgabe im Brücke-Museum in Berlin.
• FAMILIENBESITZ Bis heute in Besitz von Jolanthe Nolde, der Witwe des Künstlers, und nun erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten
.

Die Arbeit ist in der Handliste des Künstlers unter "1928 Wajanfigur und Blumen" verzeichnet.

PROVENIENZ: Atelier des Künstlers.
Sammlung Jolanthe Nolde, Heidelberg (1956 durch Erbschaft vom Vorgenannten).
Seither in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Galerie Ferdinand Möller, Berlin, Feb. 1930, Kat.-Nr. 10.
Deutsche Kunstausstellung, Glaspalast, München, 30.5.-Anfang Okt. 1930, Kat.-Nr. 1735.
Emil Nolde Gedächtnisausstellung, Kunsthalle zu Kiel, 9.12.1956-13.1.1957, Kat.-Nr. 27 (m. Abb.).
Emil Nolde. Gemälde, Aquarelle, Graphik. Eine Privat-Sammlung, Kunstverein Heidelberg, 31.5.-31.7.1958, Kat.-Nr. 10 (m. Abb.).
Emil Nolde. Gemälde aus dem Besitz von Frau Jolanthe Nolde, Kurpfälzisches Museum, Heidelberg, 1969-1974, S. 30 (m. Abb.).
Emil Nolde. Figuren in Bildern, BAT-Haus, Hamburg, 13.1.-22.2.1970, Kat.-Nr. 30 (m. Farbabb.).
Emil Nolde. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik, Kunsthalle Köln, 10.2.-20.4.1973, Kat.-Nr. 94 (m. Abb.).
Masken und Figuren, Kunsthalle Bielefeld, 7.1.-14.2.1971, Kat.-Nr. 22 (m. Abb.).
Brücke-Museum Berlin (Dauerleihgabe 2014-2026).
Whose Expression? Die Künstler der Brücke im kolonialen Kontext, Brücke-Museum Berlin, 18.12.2021-20.3.2022.

LITERATUR: Martin Urban, Emil Nolde. Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. II (1915-1951), München 1990, WVZ-Nr. 1062 (m. SW-Abb. S. 367).
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Briefe von Emil Nolde an Rudolf Probst, 2.10.1931 und 30.9.1936 (Kopien im Archiv der Nolde Stiftung, Seebüll).
Ernst Gosebruch an Carl Hagemann, 17.10.1936, in: Hans Delfs, Mario Andreas von Lüttichau u. Roland Scotti, Kirchner, Schmidt-Rottluff, Nolde, Nay. Briefe an den Sammler und Mäzen Carl Hagemann 1906-1940, Ostfildern 2004, Brief 756.

"Ich malte besonders gern die Stilleben nach den Figuren und Masken meiner geliebten kleinen Sammlung, sie gruppierend und ordnend, oft mit einigen Blumen dabei, in freier künstlerischer Art."

Emil Nolde, zit. nach: Emil Nolde, Mein Garten voller Blumen, 2010, S. 113.

Der Topos des Stilllebens
Emil Noldes Stillleben zeichnen sich durch geheimnisvolle, in sich ruhende und zugleich ausdrucksstarke Arrangements aus, in denen er unterschiedliche Gegenstände zu einem harmonischen Gesamtgefüge vereint. Mit geschärftem Blick und einer feinfühligen bildnerischen Vorgehensweise greift er einzelne Elemente seines Alltags auf und setzt sie in prägnanten Ausschnitten malerisch in Szene. Dabei wählt er Objekte aus, die er in immer wieder neuen Konstellationen zusammenführt und auf diese Weise in eine veränderte künstlerische Komposition stellt.
Im Zusammenhang mit seinen Besuchen im Völkerkundemuseum, die um 1909 einsetzen, und insbesondere seiner Reise in die Südsee beginnt Nolde, eine eigene Sammlung von Gegenständen für seine Stillleben anzulegen. Dieser Fundus erweitert nicht nur die Vielfalt seiner Bildwelten, sondern verweist zugleich auf eine persönliche Beziehung des Künstlers zu den ausgewählten Objekten. Er betrachtet sie im Kontext des Menschenbildes, hebt ihre individuellen Eigenschaften hervor und begegnet ihnen mit einer gleichwertigen Aufmerksamkeit. So wird auch das Interesse des Betrachters an ihrer Herkunft geweckt. Zugleich eröffnen die Darstellungen Einblicke in ihre kulturellen Bedeutungen und Funktionen, die Nolde in farbintensiven und lebendigen Kompositionen vermittelt.

Zwei Leidenschaften vereint
Das in der langen Tradition der Stilllebenmalerei zugrunde liegende Prinzip der Vergänglichkeit spielt hier bei Nolde eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch lassen sich die knallgelben Schnittblumen aus Emil Noldes eigenem Garten in Seebüll aufgrund ihrer zeitlich begrenzten Haltbarkeit im Sinne der Vanitas-Symbolik lesen. Das Gemälde "Wajanfigur und Blumen" malt Emil Nolde 1928. Vorher und nachher konzipiert er weitere Stillleben mit Blumen und Artefakten aus seiner Sammlung. Man könnte von einer Reihe sprechen, in der sich Nolde mit dem Zusammenspiel der Dinge auseinandersetzt. Er inszeniert hier eine javanische Schattenspielpuppe neben einem gelbblütigen und prachtvollen Blumenstrauß. Es könnte sich um Sonnenblumen handeln, jedoch könnten auch gelbe Sonnenbraut oder Sonnenhut dargestellt sein. Einzelne Blumenköpfe suchen den Kontakt zu der Puppe in der linken Bildhälfte, die selbst wiederum einen davon zu berühren scheint. Die Puppe ist ein ziemlich getreues Abbild einer der Figuren aus Noldes Sammlung. "Wayang" bedeutet so viel wie "göttlicher Schattengeist". In der indonesischen Kultur werden diese Puppen als Bindeglied mit dem Jenseits verstanden und in rituellen Puppenspielen verwendet, um die Geister der Ahnenwelt anzurufen. Im vorliegenden Stillleben belebt Nolde dieses Schattenwesen, schlägt eine Brücke zu der Vergänglichkeit der Blumen und lässt es auf rätselhafte Weise mit den irdischen Erzeugnissen aus seinem Garten interagieren.

Nolde und das Exotische
Emil Nolde unternimmt gemeinsam mit seiner Frau Ada 1913/14 eine Reise in die damals deutsche Kolonie Neuguinea. Die vom Deutschen Kolonialamt organisierte Reise führt sie über Sibirien, Japan und China in die Südsee. Die Rückreise verläuft über Ceylon, Burma und Indonesien, dem Ursprungsland der Wayang-Figur, die Nolde für unsere Arbeit als Modell diente und die er höchstwahrscheinlich dort erworben hat. Diese Expedition sollte Nolde nachhaltig prägen und einen großen Einfluss auf sein weiteres künstlerisches Schaffen haben. Er entdeckt Artefakte und integriert sie in seine bereits bestehende Sammlung von ausgefallenen Figuren, Masken und dergleichen. Sein Interesse für das Außergewöhnliche, für Gegensätze, für das Ursprüngliche und das "Primitive" bereichert gemeinsam mit den garteneigenen Blumen seine Stilllebenmalerei. "Die Sammlung enthält die gegensätzlichsten Dinge: […] Die großen bemalten Uli's aus Neuguinea, Bronzen und Porzellan-Figuren aus China, Korea und Java, Masken, Afrikanisches, Ägyptisches, Indisches, Präkolumbianisches, Mittelalterliches [...]. Sie standen und hingen im Haus Seebüll und in der Berliner Wohnung neben seinen Bildern und zwischen den von ihm selbst gefertigten Figuren. Sie lebten mit, waren Teil seiner Welt und gehörten zur Erfahrung des Malers" (Martin Urban, langjähriger Leiter der Ada und Emil Nolde Stiftung, zit. nach: Ausst.-Kat. Emil Nolde, Masken und Figuren, Bielefeld 1971, o. S.). So wird Noldes Sammlung zum Werkzeug und integralen Teil seiner Malpraxis.

Der Blick ins Private
"Wajanfigur und Blumen" von 1928 ist ein besonders schönes Beispiel für die Verbindung von Emil Noldes Leidenschaften. Blumen aus seinem geliebten Garten in Seebüll, möglicherweise in der grünen Vase auf einem violetten Tischtuch noch von Ada arrangiert, treffen auf die Wayang-Figur aus seiner Sammlung mit Artefakten aus aller Welt. So gibt uns dieses Stillleben einen Einblick in Noldes Alltag im Atelier. In diesem Stillleben verbindet er das Besondere mit dem Persönlichen und verwandelt es so zu einem farbenprächtigen und geheimnisvollen Ausdruck seines außerordentlichen künstlerischen Könnens. [AW]





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