126000876
Alexej von Jawlensky
Prerow (Darß) Pommern, 1911.
Öl auf Leinwand original auf Malpappe kaschiert
Schätzpreis: € 100.000 - 150.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000876
Alexej von Jawlensky
Prerow (Darß) Pommern, 1911.
Öl auf Leinwand original auf Malpappe kaschiert
Schätzpreis: € 100.000 - 150.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Alexej von Jawlensky
1864 - 1941

Prerow (Darß) Pommern. 1911.
Öl auf Leinwand original auf Malpappe kaschiert.
Rechts unten signiert. Verso betitelt sowie schwer leserlich bezeichnet "Fluss + Brücke". 32,4 x 40,8 cm (12,7 x 16 in). [AW].

• Seltene frühe expressionistische Landschaft aus der Zeit des "Blauen Reiter".
• Jawlensky selbst bezeichnet die 1911 in Prerow entstandenen Landschaften als seine besten.
• Auf dem Höhepunkt seines Schaffens: Von der Natur maximal losgelöste Malerei in freier Farbe und Form.
• Während dieses Ostseeaufenthaltes entstandene Arbeiten befinden sich in renommierten Museummssammlungen, darunter das National Museum Cardiff, das Museum Wiesbaden und das Kunstmuseum Basel
.

Mit einer schriftlichen Bestätigung von Angelica Jawlensky Bianconi, Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Muralto, vom 3. September 2018. Die Arbeit ist in das Werkverzeichnis Alexej von Jawlenskys aufgenommen.

PROVENIENZ: Galerie Beyeler, Basel.
Privatsammlung USA (1957 vom Vorgenannten erworben).
Sammlung Dietmar Manke, Schleswig/Holstein (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Alexej von Jawlensky 1864-1941, Galerie Beyeler, Basel, Januar bis Februar 1957, Kat.-Nr. 21 ("Prerow (Fluß mit weißer Brücke)"; verso mit zweifachem Galerieetikett, fälschlich mit der Kat.-Nr. 20 bezeichnet).

Im Sommer 1911 reisen Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin nach Prerow auf dem Darß. Nach den gemeinsamen Aufenthalten mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau sucht Jawlensky nun an der Ostsee neue Impulse. In seinen Lebenserinnerungen beschreibt er diese Zeit als entscheidend für seine künstlerische Entwicklung:

"Der Sommer bedeutete für mich eine große Entwicklung in meiner Kunst. Ich malte dort meine besten Landschaften und große figurale Arbeiten in sehr starken, glühenden Farben, absolut nicht naturalistisch und stofflich. Ich habe sehr viel Rot genommen, Blau, Orange, Kadmiumgelb, Chromoxydgrün. Die Formen waren sehr stark konturiert mit Preußischblau und gewaltig aus einer inneren Ekstase heraus. […] Dies war eine Wendung in meiner Kunst. Und bis 1914, gerade vor dem Krieg, habe ich in diesen Jahren meine stärksten Arbeiten […] gemalt." (Alexej von Jawlensky, Lebenserinnerungen, zit. nach: Clemens Weiler, Jawlensky. Köpfe – Gesichte – Meditationen, Hanau 1970, S. 112.)

Unsere Arbeit führt diese Hinwendung zu einer autonomen, ausdrucksstarken Farbigkeit vor Augen. Dargestellt ist das Hinterland des Küstenortes mit dem Prerowstrom, der einst Ostsee und Bodden verbindet. Jawlensky gibt die Landschaft nicht als genaue topografische Ansicht wieder: Sandstrände, schmale Wege und mögliche Fischerkaten bleiben nur vage erkennbar. Entscheidend ist, wie Farbe und Kontur das Motiv ordnen und zugleich in Bewegung versetzen. Die Farbpalette intensiviert sich in kontrastreichen Tönen: Ocker und gebrannte Siena begegnen Lachsrosa und tiefem Blau. So entsteht eine Landschaft, die weniger einen bestimmten Ort beschreibt, als dessen sinnliche und emotionale Präsenz vermittelt. Der Himmel und der Vordergrund scheinen in einem dynamischen Wechselspiel aufeinander zu antworten. Menschen sind nicht dargestellt, doch der Pinselduktus verleiht der Szenerie eine spürbare Lebendigkeit.

Vereinfachte Formen und eine vom Gegenständlichen gelöste Farbwirkung weisen in Richtung Abstraktion. Zugleich klingt Jawlenskys Auseinandersetzung mit Vincent van Gogh nach. Die klare, auf die Wirkung der Fläche ausgerichtete Komposition zeigt jedoch, wie eigenständig er seine Bildsprache weiterentwickelt. Während das Porträt in seinem Schaffen dieser Zeit zunehmend an Bedeutung gewinnt, erweist sich die Landschaft von 1911 als wesentliches Feld dieser Erneuerung. In dieser Arbeit verdichten sich die Eindrücke des Ostseeaufenthalts zu einer vielschichtigen Untersuchung von Farbe, Form und Empfindung – zu einer seiner "besten Landschaften", wie Jawlensky selbst schreibt. [AW]





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