126001007
Arnaldo Pomodoro
Sfera con perforazione, 1966.
Bronze
Schätzpreis: € 250.000 - 350.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001007
Arnaldo Pomodoro
Sfera con perforazione, 1966.
Bronze
Schätzpreis: € 250.000 - 350.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Arnaldo Pomodoro
1926 - 2025

Sfera con perforazione. 1966.
Bronze.
Auf dem Plexiglassockel mit der Signatur, Datierung, Betitelung und Nummerierung. Eines von zwei Künstlerexemplaren außerhalb der Auflage von zwei. Durchmesser: 57,5 cm (22,6 in). Sockel: 60 x 60 x 5,5 cm (23,6 x 23,6 x 2,1 in).
[AW].

• VERZERRTE PERFEKTION Faszinierende Ambivalenz zwischen Zerstörung und Schöpfung, zwischen Mechanik und Organik.
• WEGWEISEND Frühe Bronze im Œuvre des italienischen Nachkriegsavantgardisten.
• RETROSPEKTIVE Von Mai bis Oktober 2026 findet "Arnaldo Pomodoro. Una vita" in der Gallerie d'Italia in Mailand statt
• MUSEAL Skulpturen dieser Werkreihe befinden sich weltweit im öffentlichen Raum, u. a. im Garten der Peggy Guggenheim Collection in Venedig, auf dem Campus des Trinity College in Dublin sowie vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York.
• ERSTMALIG auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artprice.com)
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Ottomar Lampe, Kiel.

LITERATUR: Flaminio Gualdoni, Arnaldo Pomodoro. Catalogo ragionato della scultura, Bd. I., Mailand 2007, WVZ-Nr. 389.

Arnaldo Pomodoro (1926–2025) gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer der italienischen Nachkriegsmoderne und prägt mit seinem radikalen Formwillen bis heute die abstrakte Plastik des 20. Jahrhunderts. Geboren in einer vom Krieg gezeichneten Welt, beginnt er seine Laufbahn als Bühnenbildner, bevor er sich gemeinsam mit seinem Bruder Giò der Goldschmiedekunst zuwendet. Eine handwerkliche Schule, die sein späteres Schaffen nachhaltig beeinflussen wird. Nach der Übersiedlung nach Mailand 1954 knüpft er Kontakte zu Lucio Fontana und Alberto Giacometti und entwickelt eine einzigartige Synthese aus handwerklicher Präzision sowie avantgardistischem Gestaltungswillen. Seine Skulpturen in Bronze, Eisen oder Gold zeugen von einem tiefen Verständnis für Material und Technik, stets verbunden mit einer fast philosophischen Reflexion über Form und Zerstörung.

Die Begegnung mit Constantin Brancusis makellosen Kugeln im New Yorker Museum of Modern Art 1959 markiert einen Wendepunkt. Während Brancusi die perfekte, geschlossene Form verkörpert, sieht Pomodoro darin eine Herausforderung: "For me, the sphere is a perfect, almost magical form. Then you try to break the surface, go inside and give life to the form." (zit. nach: Sculpture: Dissatisfied Aristotle, Time magazine, 3.12.1965) Ab 1963 widmet er sich zunehmend den sphärischen Formen, doch anders als Brancusi bricht er ihre Oberfläche auf, um das Innere freizulegen. Die Kugel wird zum Symbol für die Spannung zwischen Harmonie und Fragmentierung, zwischen organischer Lebendigkeit und mechanischer Präzision.
Die Skulptur von 1966 zählt zu den frühesten und faszinierendsten Beispielen dieser Werkgruppe. Die hochglanzpolierte Bronzeoberfläche spiegelt die Welt um sich herum, während tiefe Risse und Erosionen den Blick auf ein geheimnisvolles Inneres freigegeben. Es öffnet sich ein Raum aus ineinandergreifenden Facetten, der an Schaltkreise, Maschinenteile oder Zeichen einer verschollenen Schrift erinnert. Zähne scheinen in die Leere zu beißen, das Innere wirkt fast organisch, beinahe lebendig, als dränge es aus seiner Schale hervor. Mit der Spannung zwischen An- und Abwesenheit der Form erforscht Pomodoro deren Wesen und kehrt das Abstrakte buchstäblich von innen nach außen.

"Sfera con perforazione" verkörpert Pomodoros Überzeugung, dass Kunst die Aufgabe hat, die Oberfläche der Dinge zu durchdringen und dem Unsichtbaren Gestalt zu verleihen. Mit ihrer faszinierenden Ambivalenz zwischen Zerstörung und Schöpfung, zwischen Mechanik und Organik steht sie exemplarisch für das gesamte Œuvre des Künstlers und macht seine künstlerische Vision in ihrer ganzen Dichte erfahrbar. [AW]





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