abbildung folgt


126001097
Konrad Lueg
Frau, 1965.
Kasein auf Leinwand
Schätzpreis: € 140.000 - 180.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001097
Konrad Lueg
Frau, 1965.
Kasein auf Leinwand
Schätzpreis: € 140.000 - 180.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Konrad Lueg
1939 - 1996

Frau. 1965.
Kasein auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. Verso signiert, datiert und betitelt. Auf dem Keilrahmen mit den Adressangaben des Künstlers bezeichnet. 195,5 x 144,5 cm (76,9 x 56,8 in). In Original-Künstlerleiste. [JS].

• GERMAN POP Zusammen mit Gerhard Richter und Sigmar Polke Protagonist der neuen Gegenständlichkeit der 1960er Jahre.
• SEHR SELTEN Bisher insgesamt erst 14 Gemälde des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten.
• PATTERN PAINTING Aus der legendären kleinen Werkgruppe, ein ironischer Kommentar zur deutschen Spießigkeit.
• MUSEAL Luegs Gemälde sind großteils in Museen, u. a. Kunstpalast Düsseldorf, Städel Museum, Frankfurt a. Main, und Dallas Museum of Art.
• BESTE PROVENIENZ Direkt vom Künstler in die Sammlung des Berliner Galeristen René Block, legendärer Förderer der deutschen Nachkriegs-Avantgarde
.

PROVENIENZ: Atelier des Künstlers.
Sammlung Block, Berlin (direkt vom Vorgenannten, bis nach 2000).
Privatsammlung Berlin (direkt vom Vorgenannten).

AUSSTELLUNG: Nieuwe Figuratie, Gemeentelijke Van Reekum Galerij, Apeldoorn, 1965.
Junge Generation. Maler und Bildhauer in Deutschland, Akademie der Künste, Berlin, 1966.
Figurationen, Kunstverein Stuttgart, 1967, Kat.-Nr. 105 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Ich nenne mich als Maler Konrad Lueg, PS1 Contemporary Art Center, New York, 12.9.-31.10.1999; Kunsthalle Bielefeld, 14.11.1999-16.1.2000; Stedelijk Museum voor Actuelle Kunst, Gent, 13.1.-2.4.2000, Kat.-Nr. 54 (m. Abb.).

LITERATUR: Thomas Kellein, Daniel Marzona, Ich nenne mich als Maler Konrad Lueg, Bielefeld 1999, S. 91, WVZ-Nr. 54 (m. Abb.).

Klein und ausgesprochen progressiv ist das malerische Werk, das der Düsseldorfer Konrad Lueg in den wenigen Jahren als Künstler geschaffen hat. Eigentlich heißt er mit Geburtsnamen Konrad Fischer, als Künstler nennt er sich aber nach dem Geburtsnamen seiner Mutter "Lueg". Er studiert ab 1958 an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Karl Otto Götz, dem Protagonisten des deutschen Informel. Neben Karl Otto Götz zählen in Deutschland auch Fritz Winter und Emil Schumacher sowie in Europa Jean Fautrier, Emilio Vedova und Pierre Soulages zu dessen führenden Vertretern. Zugleich sind es auch die frühen Jahre von "ZERO" und der niederländischen Gruppe "Nul", deren Werke sich nicht nur der gegenständlichen Darstellung, sondern darüber hinaus jedem sichtbaren malerischen Duktus verweigern. In Amerika befinden sich der Abstrakte Expressionismus und das Colour-Field-Painting auf dem Höhepunkt. Dies ist der Moment, in dem die jungen Düsseldorfer Kunststudenten Konrad Lueg, Gerhard Richter und Sigmar Polke den mutigen und radikalen Schritt hin zu einer neuen Figuration wagen. Ihre meist auf Fotos aus Werbung und Printmedien basierende Malerei macht bald schon unter den Namen "Neuer Realismus", "Kapitalistischer Realismus" oder "German Pop" Furore. Legendär und in besonderer Weise initiierend für diese neue Malerei war die sogenannte "Vorgartenausstellung" im Februar 1964. Konrad Lueg, Gerhard Richter, Sigmar Polke und Manfred Kuttner fuhren mit einer Auswahl ihrer Werke zur renommierten Galerie Parnass in Wuppertal. Dort im Vorgarten richteten sie spontan eine Präsentation für den Galeristen Rolf Jährling ein, stellten ihre Bilder in den Schnee und lehnten sie an den Zaun oder gegen Bäume. Aber zumindest für drei von ihnen sollte sich diese Aktion lohnen, denn Lueg, Polke und Richter werden von Jährling noch im selben Jahr zur heute legendären Ausstellung "Neue Realisten" (1964/65) eingeladen, ebenfalls 1964 bietet der Düsseldorfer Galerist Alfred Schmela Konrad Lueg eine Einzelausstellung an, und auch die Münchner Galerie Heiner Friedrich und die Berliner Galerie René Block zeigen erste Einzelausstellungen des Künstlers.
Lueg ist erst fünfundzwanzig und wie seine jungen, unangepassten Künstlerkollegen kurz zuvor über Zeitschriften erstmals in Kontakt mit den Werken der frühen amerikanischen Pop-Art gekommen. Andy Warhol hatte 1962 mit seinem ersten seriellen Gemälde und seiner ersten "Marilyn" in New York Aufsehen erregt und Roy Lichtenstein erste Sprechblasenbilder im Comic-Stil geschaffen. Provokant, plakativ und mutig kehrt auch in Deutschland die Figuration in die zeitgenössische Malerei zurück und Konrad Lueg malt selbstbewusst und im großen Format sein Gemälde "Frau" (1965). Anders als Lichtenstein und Warhol feiert Luegs Malerei jedoch keine Comic-Helden oder Celebreties, sondern stellt uns die knallig bunte Silhouette einer namenlosen und nahezu gesichtslosen Frau mit Handtasche gegenüber, ein ironisch-humorvoller Kommentar zur deutschen Spießigkeit der Wirtschaftswunderzeit. "Frau" ist zudem ein qualitativ herausragendes Beispiel für Luegs berühmte "pattern-paintings", die – teils mit handelsüblichen Musterwalzen aus dem Malerbedarf ausgeführt – ähnlich wie Polkes zeitgleich entstehende Rasterbilder fortan zu seinem künstlerischen Markenzeichen werden. Bereits 1967 wechselt Konrad Lueg jedoch die Seiten und wird von einem der progressivsten deutschen Künstler unter seinem Geburtsnamen "Konrad Fischer" fortan zum erfolgreichen Galeristen. [JS]





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