abbildung folgt


126001192
Lovis Corinth
Feldblumenstrauß in Tirol, 1913.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001192
Lovis Corinth
Feldblumenstrauß in Tirol, 1913.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Lovis Corinth
1858 - 1925

Feldblumenstrauß in Tirol. 1913.
Öl auf Leinwand.
Links oben signiert und datiert. 63,5 x 86,2 cm (25 x 33,9 in).
In St. Ulrich, Grödner Tal, gemalt.

• FARBENPRACHT Corinth feiert die ungebändigte Vitalität der Alpenflora in einem expressiven Kolorit von sinnlicher Strahlkraft.
• DUKTUS Kühne, rasche Pinselstriche lösen starre Konturen auf und verdichten die Ölfarbe zu einem pulsierenden Gefüge.
• SCHLÜSSELORT Entstanden während des richtungsweisenden Sommeraufenthalts 1913 in Südtirol zur gleichen Zeit wie das ikonische "Selbstbildnis mit Strohhut" (Von der Heydt-Museum, Wuppertal).
• RARITÄT Seit über 70 Jahren in Schweizer Familienbesitz und nun zum allerersten Mal auf dem internationalen Auktionsmarkt (Quelle: artprice.com).
• WELTRANG Corinths Blumenstillleben befinden sich in führenden internationalen Sammlungen, wie dem Belvedere in Wien, der Alten Nationalgalerie, Berlin, der Neuen Pinakothek, München, und dem Detroit Institute of Arts.
• IM FOKUS Corinths bedeutendes Œuvre wird derzeit in der Ausstellung "Lovis Corinth. Dann kam Berlin!" in der Berlinischen Galerie umfassend gewürdigt (Oktober 2026–Januar 2027)
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PROVENIENZ: Sammlung Otto Herrmann Claass (1849–1934), Königsberg (wohl direkt vom Künstler, bis mindestens 1925).
Gemälde-Galerie Carl Nicolai, Berlin/Bad Kohlgrub (spätestens 1929, bis mindestens 1939; um 1930 wohl in Kommission bei Fritz Gurlitt, Berlin).
Sammlung Gita Jäggli-Corti und Hans Jakob Jäggli-Corti, Winterthur/Schweiz (spätestens 1949).
Sammlung Eva Mollet-Jäggli, Bottmingen/Schweiz (durch Erbschaft von den Vorgenannten).
Privatsammlung Schweiz (von der Vorgenannten durch Erbschaft).

AUSSTELLUNG: Kunstsammlung Stadt Königsberg, 1924.
Kunsthütte Chemnitz, 1926.
Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden zu seinem Gedächtnis, Kunstverein Kassel in den Räumen des Kunstvereins und in der Staatlichen Gemälde-Galerie, 12.9.-15.10.1926.
Vom Abbild zum Sinnbild. Ausstellung von Meisterwerken moderner Malerei, Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt a. Main, 3.6.-3.7.1931, Kat.-Nr. 34.
Winterthurer Privatbesitz II. Werke des 20. Jahrhunderts, Kunstmuseum Winterthur, 28.8.-20.11.1949, Kat.-Nr. 83 (als Leihgabe, verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Lovis Corinth. Gedächtnisausstellung zur 25. Wiederkehr seines Todestages, Landesmuseum Hannover, 16.7.-3.9.1950, Kat.-Nr. 67.
Park und Garten in der Malerei, vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Ausstellung anlässlich der Bundesgartenschau Köln 1957 am Messeturm, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, 1957, Kat.-Nr. 66.

LITERATUR: Charlotte Berend-Corinth, Lovis Corinth. Die Gemälde. Werkverzeichnis, München 1992, WVZ-Nr. 591 (m. SW-Abb. S. 638).
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Angebot der Gemälde-Galerie Carl Nicolai, Berlin 20.06.1929, Stadtarchiv Düsseldorf, Verzeichnungseinheit 0-1-4 / Stadtverwaltung Düsseldorf von 1933-2000 (alt: Bestand IV), Nr. 0-1-4-3764.0000, S. 725-729.
Paula Steiner (Hrsg.), Lovis Corinth, dem Ostpreußen, Königsberg 1925, Nr. 5., S. 66 (m. ganzs. Farbabb. S. 25).

"Die Blumen, das Geschaffenste für Stillleben, sind delikat und subtil in den Formen ihrer Blüten und Blätter."
Lovis Corinth, Das Erlernen der Malerei. Ein Handbuch, Berlin 1920, S. 86.

Im Sommer 1913 reist Lovis Corinth mit seiner Familie nach St. Ulrich im Grödner Tal, um Erholung und neue Schaffenskraft zu finden. Der schwere Schlaganfall von Ende 1911 bildet eine entscheidende Zäsur im Schaffen des Künstlers. Die veränderten physischen Voraussetzungen begreift er nicht als Einschränkung, sondern wandelt sie produktiv in eine gesteigerte malerische Freiheit um. An die Stelle detaillierter Akribie tritt eine unmittelbare, hochexpressive Naturauffassung, die seinen späten Stil prägen wird. Zu dieser Zeit entstehen in Tirol fünf eindrucksvolle Blumenstillleben. Am 27. Juni 1913 kündigt er das Vorhaben in einem Brief an Gertrud Mainzer an: "Vielen Dank für Ihre Karte. Ich möchte also das Blumenstillleben malen […]. Hier ist es sehr schön, aber etwas kalt, das wird wohl auch besser werden im Juli." (Lovis Corinth, 1913, zit. nach: Thomas Corinth, Lovis Corinth. Eine Dokumentation, Tübingen 1979, S. 175). Das Werk "Feldblumenstrauß in Tirol" zeigt Corinth auf der Höhe dieser befreienden Phase. Eine bauchige Vase mit einem herrlich locker und scheinbar zufällig arrangierten Strauß einheimischer Wiesenblumen dominiert die Leinwand. Aufgestellt auf einer weißen, mit rot abgesetzten Zierstichen gesäumten Tischdecke, breitet sich das üppige Bouquet bis an die Ränder des Bildraums aus. Margeriten, Glockenblumen und weitere alpine Gewächse leuchten in vibrierenden Nuancen von Gelb, Rosa, sattem Rot und Violett. Durch Corinths hochdynamischen, pastosen Farbauftrag lösen sich feste Konturen im dichten Geflecht der Stängel und Blütenblätter auf; die sichtbare Gegenständlichkeit weicht einem pulsierenden Gefüge aus reinem Kolorit und expressiver Geste. Statt sich in verwirrender Detailfülle zu verlieren, bannt der ostpreußische Meister gleichsam die Urform und pure Substanz der floralen Pracht auf das Tuch. Mit denkbar sparsamen Mitteln erzielt er dabei eine monumentale Wirkung. Wie selten zuvor wird hier Corinths unbändige Freude an der Eigenwertigkeit und plastischen Substanz der Ölfarbe spürbar. Was Corinth 1913 intuitiv auf die Leinwand wirft, formuliert er 1920 rückblickend wie folgt: "Die Blumen, das Geschaffenste für Stilleben, sind delikat und subtil in den Formen ihrer Blüten und Blätter. Auch der Kontur stellt sich infolgedessen sehr bestimmt dar. Sind die Blumen in Massen in ein Glas gestellt […], so ist die Darstellung bei allen Arten dieselbe: das Ganze wird in großen Partien mit bestimmten, charakteristischen Teilformen zu behandeln sein […]." (Lovis Corinth, Das Erlernen der Malerei. Ein Handbuch, Berlin 1920, S. 86) "Feldblumenstrauß in Tirol" ist das beste Zeugnis dieses Programms. Ein zutiefst lebendiger Bildkosmos, in dem das ephemere Blühen der Alpenwiesen durch die unbändige Energie des Farbauftrags verewigt wird. [KA]





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