abbildung folgt


123000195
Willi Baumeister
Verspannung, 1921.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 90.000 - 120.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
123000195
Willi Baumeister
Verspannung, 1921.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 90.000 - 120.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Willi Baumeister
1889 - 1955

Verspannung. 1921.
Öl auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand signiert sowie auf dem Keilrahmen monogrammiert und datiert. 69,5 x 55,5 cm (27,3 x 21,8 in). [AW].

• Frühes und ikonisches Beispiel für Willi Baumeisters Wandel von figurativer zu geometrisch klarer Bildsprache.
• Aus der bedeutsamen Werkreihe der "Flächenkräfte" (1920 bis 1925).
• "Verspannung" ist 1989 Teil der wichtigen Retrospektive in der Nationalgalerie Berlin.
• Arbeiten aus dem Jahr 1921 befinden sich u.a. im Kunstmuseum Stuttgart und im Museum of Modern Art, New York.
• Bedeutende Provenienz: Einst Teil der Sammlung Alfred Roth (1903-1998) - Schweizer Architekt und Designer sowie wichtiger Vertreter des "Neuen Bauens".
• Erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artprice.com)
.

PROVENIENZ: Sammlung Alfred Roth, Zürich.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (1995 erworben, Galerie Michael Haas, Berlin).
Seither in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Willi Baumeister, Alte Nationalgalerie, Berlin, 7.4.-28.5.1989, Kat.-Nr. 15 (m. Farbabb. S. 139).

LITERATUR: Peter Beye, Felicitas Baumeister, Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde, Bd. II, Ostfildern 2002, WVZ-Nr. 244 (m. SW-Abb. S. 108).
Will Grohmann, Willi Baumeister. Leben und Werk, Köln 1963, WVZ-Nr. 132 (m. SW-Abb. S. 265).

Als eine der Protagonisten der Abstraktion in Deutschland zählt Willi Baumeister zu den einflussreichsten Vertretern der Avantgarde der Zwischenkriegszeit. Geprägt vom frühen Konstruktivismus, vom Kubismus und von der klaren Formensprache von Künstlern wie Fernand Léger und Paul Klee entwickelte er eine sehr eigene Bildwelt aus flächigen, schwebenden Formen und präzise rhythmisierter Ordnung.

Die frühen 1920er Jahre markieren eine besonders produktive Phase in der Entwicklung des 1889 in Stuttgart geborenen Künstlers. Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg schließt Baumeister 1920 sein Studium an der Stuttgarter Kunstakademie ab. Bereits 1919 wird er in die Berliner Künstlervereinigung "Novembergruppe" um Max Pechstein aufgenommen und gründet im selben Jahr mit Oskar Schlemmer die Künstlergruppe "Üecht". Parallel dazu beginnt er, Bühnenbilder und Kostüme für das Stuttgarter Theater zu entwerfen – ein weiteres Feld, auf dem er seine moderne Formensprache erprobt.

Vor diesem Hintergrund entsteht 1921 unser Gemälde "Verspannung". Das Werk gehört zur zwischen 1920 und 1925 entwickelten Reihe der "Flächenkräfte" und zeigt exemplarisch Baumeisters künstlerische Innovationskraft hinsichtlich der abstrakten Bildgestaltung. In dieser Schaffensphase vollzieht er den entscheidenden Schritt vom Gegenständlichen hin zu einer radikal reduzierten, geometrisch geprägten Bildsprache. Der Titel "Verspannung" verweist bereits auf das zentrale Anliegen: das sensible, zugleich spannungsvolle Gleichgewicht der Bildfläche.

In der Komposition setzt Baumeister präzise konturierte Farbflächen in ein kraftvolles Beziehungsgeflecht und moduliert Farbe und Linie, um ein lebendiges strukturelles Wechselspiel zu erzeugen. Im Zentrum steht eine schmale, schwarze L-förmige Fläche, umgeben von unterschiedlich geformten Rechtecken in fein abgestuften, erdigen Braun- und Grautönen. Zarte, exakt geführte Linien umspielen und verbinden diese Formen. Ein kleines rotes Quadrat links und ein grünes Rechteck rechts setzen akzentuierte Farbpole und rahmen die Komposition auf dynamische Weise. Die konzentrierte Farbigkeit und klar gegliederte Struktur erinnern an die nüchterne Prägnanz und Ordnung früher Bauhaus-Arbeiten.

"Verspannung" entsteht in einer Phase, in der sich die Dynamik der Moderne im Nachkriegsdeutschland verdichtet. Baumeister ist zu dieser Zeit eng mit führenden Vertretern der europäischen Avantgarde vernetzt und beginnt, sich auch international zu etablieren. Trotz der späteren Diffamierung und Zensur seiner Kunst im Nationalsozialismus arbeitet er unbeirrt weiter und wird nach 1945 zu einer der prägendsten und bekanntesten Künstlerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsmoderne. [AW]





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