Auktion: 612 / Evening Sale am 04.12.2026 in München → Lot 126000617

126000617
Wifredo Lam
Jeune fille sur fond vert, 1939.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 250.000 - 350.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000617
Wifredo Lam
Jeune fille sur fond vert, 1939.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 250.000 - 350.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Wifredo Lam
1902 - 1982
Jeune fille sur fond vert. 1939.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert und datiert. 99 x 72 cm (38,9 x 28,3 in).
• Radikale Formreduktion: Prägnantes Zeugnis für Wifredo Lams geometrisch geprägte, versonnene Frauenporträts.
• Das Gesicht als Maske: Ende der 1930er Jahre verbindet Lam Einflüsse seiner afrokaribischen Herkunft mit den Impulsen der europäischen Avantgarde.
• Gleich in Paris eine Sensation: 1939, ein Jahr nach der Übersiedlung nach Paris, erhält Lam seine erste Einzelausstellung und stellt zudem gemeinsam mit seinem Freund und Förderer Pablo Picasso in den Perls Galleries in New York aus.
• Porträtiert ist wohl Helena Holzer, die der Künstler 1938 kennenlernt und 1944 heiratet.
• Internationale Aktualität: Lams ungebrochene Relevanz belegt die jüngste Retrospektive "When I Don't Sleep, I Dream" im Museum of Modern Art, New York (November 2025 – April 2026).
Mit einer Fotoexpertise von Eskil Lam, Paris, vom 8. September 2021. Die Arbeit ist im Archiv Wifredo Lam, Paris, unter der Nummer "39.62" registriert. Wir danken Herrn Eskil Lam für die freundliche Auskunft.
PROVENIENZ: Sammlung Dr. Herbert Gross, Zürich.
Privatsammlung Schweiz (seit 1968, vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Schweiz (vom Vorgenannten erworben).
1902 - 1982
Jeune fille sur fond vert. 1939.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert und datiert. 99 x 72 cm (38,9 x 28,3 in).
• Radikale Formreduktion: Prägnantes Zeugnis für Wifredo Lams geometrisch geprägte, versonnene Frauenporträts.
• Das Gesicht als Maske: Ende der 1930er Jahre verbindet Lam Einflüsse seiner afrokaribischen Herkunft mit den Impulsen der europäischen Avantgarde.
• Gleich in Paris eine Sensation: 1939, ein Jahr nach der Übersiedlung nach Paris, erhält Lam seine erste Einzelausstellung und stellt zudem gemeinsam mit seinem Freund und Förderer Pablo Picasso in den Perls Galleries in New York aus.
• Porträtiert ist wohl Helena Holzer, die der Künstler 1938 kennenlernt und 1944 heiratet.
• Internationale Aktualität: Lams ungebrochene Relevanz belegt die jüngste Retrospektive "When I Don't Sleep, I Dream" im Museum of Modern Art, New York (November 2025 – April 2026).
Mit einer Fotoexpertise von Eskil Lam, Paris, vom 8. September 2021. Die Arbeit ist im Archiv Wifredo Lam, Paris, unter der Nummer "39.62" registriert. Wir danken Herrn Eskil Lam für die freundliche Auskunft.
PROVENIENZ: Sammlung Dr. Herbert Gross, Zürich.
Privatsammlung Schweiz (seit 1968, vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Schweiz (vom Vorgenannten erworben).
Wifredo Lam gilt weithin als einer der bedeutendsten Avantgardekünstler des 20. Jahrhunderts. Geboren auf Kuba als Sohn eines chinesischen Einwanderers und einer kongolesisch-kubanischen Mutter, besucht er zunächst die Kunstakademie in Havanna, bevor er dank eines Stipendiums nach Spanien reist, um an der Akademie San Fernando in Madrid zu studieren.
1938 übersiedelt Lam nach Paris, wo er mit führenden Vertretern der Avantgarde bekannt wird – allen voran mit Pablo Picasso, der zu seinem engsten künstlerischen Verbündeten und Förderer werden soll. Picasso wiederum lässt sich von Lam inspirieren und betrachtet ihn als jemanden, der der von ihm bewunderten afrikanischen Kultur von Natur aus nähersteht. Zudem macht Picasso ihn mit dem renommierten Kunsthändler und Galeristen Pierre Loeb bekannt. Bereits kurz darauf, im Jahr 1939, findet in der Galerie Pierre in Paris Lams erste Einzelausstellung statt, die von der Kritik begeistert aufgenommen wird. Noch im selben Jahr stellen Lam und Picasso gemeinsam in den New Yorker Perls Galleries aus. Vor allem durch die Begegnung mit Picasso und die Auseinandersetzung mit afrikanischen Objekten in dessen Privatsammlung beginnt Lam, sich bewusster auf sein afrikanisches und kubanisches Kultur- und Kunsterbe zu besinnen. Die Begegnung mit diesen Objekten ist für Lam eine Offenbarung: Er besitzt ein feines Gespür sowohl für die abstrakten als auch für die figurativen Möglichkeiten ihrer archetypischen, radikal reduzierten Formen. Einige Jahre später reflektiert Lam jedoch auch darüber, wie befremdlich es war, diese Artefakte entwurzelt, ihres ursprünglichen Kontexts beraubt und von Personen erworben zu sehen, die keinerlei Verständnis für deren Herkunft hatten. Er strebt danach, sie in seinem eigenen Schaffen zu zitieren, dabei jedoch ihre Würde zu wahren und ihre ursprüngliche Bedeutung und Bestimmung anzuerkennen: "I have tried to relocate Black cultural objects in relation to their own world. My painting is an act of decolonization not in a physical sense, but in a mental one." (Wifredo Lam, 1980, zit. nach: Gerardo Mosquera, "'My Painting Is an Act of Decolonization' – An Interview with Wifredo Lam", Bohemia, Bd. 71, Nr. 25, 20.6.1980, S. 12). Dieser Gedanke prägt auch das hier angebotene, Ende 1939 entstandene Werk in besonderem Maße. In dem leuchtenden, würdevollen Porträt stellt Lam höchstwahrscheinlich seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau dar, die deutsche Wissenschaftlerin Helena Holzer, die er 1938 kennenlernt. Die Figur setzt sich aus einer Reihe locker zusammengefügter geometrischer Formen zusammen. Insbesondere Helenas Gesicht erinnert an die afrikanischen Masken aus Picassos Sammlung: Schräg gestellte, kraftvoll konturierte Augen und Lippen erscheinen als geometrische, minimalistische Flächen. Ihr auffallend langes Haar erinnert an die Mähne eines Pferdes und reicht über die Bildgrenzen hinaus. Darin lässt sich möglicherweise bereits ein Ansatz jener Frau-Pferd-Bildsprache erkennen, die Lam später in seiner "Femme cheval"-Serie weiterentwickelt.
In einem Europa am Vorabend des Krieges besinnt sich Wifredo Lam auf seine afrokaribischen Wurzeln und entwickelt eine unverwechselbare Bildsprache, in der kulturelle Erinnerung, formale Reduktion und die Impulse der europäischen Avantgarde zusammenfinden. "Jeune fille sur fond vert" vereint diese Einflüsse und überführt sie in ein neues visuelles Vokabular, in dem das Persönliche, das Kulturelle und das Politische untrennbar miteinander verschmelzen. [KA]
1938 übersiedelt Lam nach Paris, wo er mit führenden Vertretern der Avantgarde bekannt wird – allen voran mit Pablo Picasso, der zu seinem engsten künstlerischen Verbündeten und Förderer werden soll. Picasso wiederum lässt sich von Lam inspirieren und betrachtet ihn als jemanden, der der von ihm bewunderten afrikanischen Kultur von Natur aus nähersteht. Zudem macht Picasso ihn mit dem renommierten Kunsthändler und Galeristen Pierre Loeb bekannt. Bereits kurz darauf, im Jahr 1939, findet in der Galerie Pierre in Paris Lams erste Einzelausstellung statt, die von der Kritik begeistert aufgenommen wird. Noch im selben Jahr stellen Lam und Picasso gemeinsam in den New Yorker Perls Galleries aus. Vor allem durch die Begegnung mit Picasso und die Auseinandersetzung mit afrikanischen Objekten in dessen Privatsammlung beginnt Lam, sich bewusster auf sein afrikanisches und kubanisches Kultur- und Kunsterbe zu besinnen. Die Begegnung mit diesen Objekten ist für Lam eine Offenbarung: Er besitzt ein feines Gespür sowohl für die abstrakten als auch für die figurativen Möglichkeiten ihrer archetypischen, radikal reduzierten Formen. Einige Jahre später reflektiert Lam jedoch auch darüber, wie befremdlich es war, diese Artefakte entwurzelt, ihres ursprünglichen Kontexts beraubt und von Personen erworben zu sehen, die keinerlei Verständnis für deren Herkunft hatten. Er strebt danach, sie in seinem eigenen Schaffen zu zitieren, dabei jedoch ihre Würde zu wahren und ihre ursprüngliche Bedeutung und Bestimmung anzuerkennen: "I have tried to relocate Black cultural objects in relation to their own world. My painting is an act of decolonization not in a physical sense, but in a mental one." (Wifredo Lam, 1980, zit. nach: Gerardo Mosquera, "'My Painting Is an Act of Decolonization' – An Interview with Wifredo Lam", Bohemia, Bd. 71, Nr. 25, 20.6.1980, S. 12). Dieser Gedanke prägt auch das hier angebotene, Ende 1939 entstandene Werk in besonderem Maße. In dem leuchtenden, würdevollen Porträt stellt Lam höchstwahrscheinlich seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau dar, die deutsche Wissenschaftlerin Helena Holzer, die er 1938 kennenlernt. Die Figur setzt sich aus einer Reihe locker zusammengefügter geometrischer Formen zusammen. Insbesondere Helenas Gesicht erinnert an die afrikanischen Masken aus Picassos Sammlung: Schräg gestellte, kraftvoll konturierte Augen und Lippen erscheinen als geometrische, minimalistische Flächen. Ihr auffallend langes Haar erinnert an die Mähne eines Pferdes und reicht über die Bildgrenzen hinaus. Darin lässt sich möglicherweise bereits ein Ansatz jener Frau-Pferd-Bildsprache erkennen, die Lam später in seiner "Femme cheval"-Serie weiterentwickelt.
In einem Europa am Vorabend des Krieges besinnt sich Wifredo Lam auf seine afrokaribischen Wurzeln und entwickelt eine unverwechselbare Bildsprache, in der kulturelle Erinnerung, formale Reduktion und die Impulse der europäischen Avantgarde zusammenfinden. "Jeune fille sur fond vert" vereint diese Einflüsse und überführt sie in ein neues visuelles Vokabular, in dem das Persönliche, das Kulturelle und das Politische untrennbar miteinander verschmelzen. [KA]
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