abbildung folgt


126000860
Sigmar Polke
Le Lit, 1994.
Acryl auf Leinwand
Schätzpreis: € 240.000 - 280.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000860
Sigmar Polke
Le Lit, 1994.
Acryl auf Leinwand
Schätzpreis: € 240.000 - 280.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Sigmar Polke
1941 - 2010

Le Lit. 1994.
Acryl auf Leinwand.
Auf der umgeschlagenen Leinwand signiert und datiert. 120 x 100 cm (47,2 x 39,3 in). [JS].

• Polkes berühmte Rasterbilder: Ikonen der deutschen Nachkriegskunst.
• "Neuer Realismus" und "German Pop": Gemeinsam mit Gerhard Richter schreibt Polke unangepasst und progressiv seit den 1960er Jahren Kunstgeschichte.
• Tradition und Negation: Herausragendes Beispiel für Polkes virtuose Antikunst.
• Von Rembrandt bis Polke: "Le Lit" (Das Bett) und Polkes humorvolle Spiel mit der kunsthistorischen Tradition.
• Maximale Reduktion und subtile Erotik: "Le Lit" und die Grenze des Gegenständlichen.
• Polkes vielschichtiges Gesamtwerk wurde u.a. 2014 mit einer großen Retrospektive im Museum of Modern Art, New York, der Tate Modern, London und dem Museum Ludwig, Köln, geehrt
.

PROVENIENZ: Atelier des Künstlers (mindestend bis 1995).
Galerie Schönewald und Beuse, Krefeld (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (um 1999 vom Vorgeannten erworben).

AUSSTELLUNG: Sigmar Polke, IVAM Centre del Carme, Valencia 20.10.1994 - 8.1.1995, Kat. Nr. 54 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).

Genie wider Willen, dies ist vermutlich die treffendste Bezeichnung für Sigmar Polke und sein revolutionäres künstlerisches Schaffen. Die besondere Energie und Frische, die von Polkes Schöpfungen bis heute ausgeht, ist seiner unangepassten Persönlichkeit geschuldet, die Traditionen und Konventionen nicht als Orientierung, sondern vielmehr als hinfällige und lässig zu überwindende Herausforderungen begreift. "Wir können uns nicht darauf verlassen, daß eines Tages gute Bilder gemalt werden, wir müssen die Sache selber in die Hand nehmen!", lautet ein berühmtes Zitat von Sigmar Polke und dessen Künstlerfreund Gerhard Richter, und Polke und Richter nehmen die Sache in die Hand. Spätestens mit seinem programmatischen Gemälde "Höhere Wesen befahlen: obere rechte Ecke schwarz malen!" (1969, Sammlung Froehlich, Stuttgart) hat Polke den viel beschworenen Titel des revolutionären Antikünstlers ganz offiziell für sich in Anspruch genommen. Mit Witz und Ironie macht sich Polke über den traditionellen Kunstbetrieb und die Vorstellung eines auf göttliche Weise inspirierten Künstler-Genies lustig. Polkes Kunst hat aber auch in Form seiner heute legendären Rasterbildern, radikal mit der kunsthistorischen Tradition gebrochen. Bis in die wilden 1980er und 1990er Jahre, eine Zeit in der das Rheinland das pulsierende Zentrum des deutschen Kunsthandels und Kunstbetriebes war, hat Polke diese Malerei immer mehr zu einer radikalen Antikunst weiterentwickelt, die weiterhin seine ikonische Bildsprache des gemalten Rasterpunktes in sich trägt. Souverän und ungemein humorvoll hat Polke in dem vorliegenden Gemälde „Le Lit“ (franz. Das Bett) auf eine lange, mindestens bis zu Rembrandt zurückreichende motivische Tradition verwiesen und sich zugleich über diese lustig gemacht. Formal hat Polke dabei die Grenzen des Gegenständlichen bis an ihr Maximum ausgelotet: Erst wenn man den Titel liest, lässt sich als heller Fleck inmitten der gemalten Rasterpunkte der Umriss eines weißen Kissens erahnen. Provokant und mehrdeutig ist zudem die schwarze Form im Vordergrund, ist sie Teil des Bettgestelles oder doch vielmehr ein stilisierter Verweis auf die männlichen oder gar die weiblichen Geschlechtsorgane? Rembrandts Radierung „La Lit à la francaise“ (1646) hat aufgrund ihrer direkten Darstellung von Sexualität, ganz ohne die damals noch übliche getarnten Erotik in Form einer mythologischen Szenerie, schnell Berühmtheit erlangt. Ein früher Skanda der Kunstgeschichte der bewusst gesellschaftliche Konventionen gesprengt und traditionelle Sehgewohnheiten überwunden hat. Mit "Le Lit" reiht Polke sich damit in eine bedeutende kunsthistorische Tradition ein, die von Künstlern wie Toulouse-Lautrec, oder Edvard Munch in seinem berühmten Gemälde "Der Tag danach" (1894/95) in die Moderne geführt wird. Darüber hinaus trägt das Bett spätestens seit van Goghs Gemälde „Vincents Schlafzimmer in Arles“ (1888/89, Van Gogh Museum, Amsterdam) auch immer zugleich den visueller Verweis auf seinen Schöpfer selbst in sich, eine weitere, eng mit dem Motiv des Bettes verknüpfte Traditionslinie, welche neben Polke u.a. auch von Tracey Emin in ihrer Installation „My Bed“ (1998) bis in die 1990er Jahre fortgeschrieben wird.
Spätestens die vom Museum of Modern Art, New York, und der Tate Modern, London, gezeigte Polke-Retrospektive im Jahr 2014/15 hat bewiesen, welche Bedeutung seinem innovativen Schaffen, das sich durch Polkes erfrischenden anarchischen Geist auszeichnet, international zugewiesen wird. [JS]





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