126001135
Piero Dorazio
Puzzle II, 1968.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 130.000 - 150.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001135
Piero Dorazio
Puzzle II, 1968.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 130.000 - 150.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Piero Dorazio
1927 - 2005

Puzzle II. 1968.
Öl auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand signiert, datiert und betitelt. 170 x 150 cm (66,9 x 59 in). [AW].

• PROTAGONIST FARBE in expressiver Komposition aus Raum, Licht und Form.
• WENDEPUNKT Weigweisender Übergang von den dichten "Reticoli"-Gittern zur offenen Farbflächenmalerei.
• PUZZLE Verzahnte Farbfelder erzeugen fließende, fast architektonische Raumtiefe und Dynamik.
• BEDEUTENDE BERLINER PHASE Monumentale Arbeit entstanden im Rahmen des Künstlerprogramms DAAD.
• MUSEAL Eine weitere Arbeit von 1968 befindet sich in der Nationalgalerie Berlin
.

PROVENIENZ: The Owens-Corning Collection, Toledo/Ohio.
Privatsammlung Süddeutschland (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Piero Dorazio, Marlborough Galleria d'Arte, Rom, Nov./Dez. 1968 (m. Abb.; verso auf dem Keilrahmen mit dem Ausstellungsetikett).
Piero Dorazio, Marborough-Gerson Gallery, New York, Feb. 1969 (m. Abb.).
The Owens-Corning Fiberglas Corporation Art Collections, Toledo Museum of Art, Toledo/Ohio, 13.3.-10.4.1977.
Piero Dorazio - A Retrospective, Albright Knox Gallery, Buffalo/New York, 1979/80, Kat.-Nr. 42 (verso auf dem Keilrahmen mit dem Ausstellungsetikett).

LITERATUR: Marisa Volpi Orlandini, Jacques Lassaigne u. Girogio Crisafi, Dorazio, Mailand 1977 / Stuttgart 1978, WVZ-Nr. 1060 (m. Abb.).

Mit dem Gemälde "Puzzle II" aus dem Jahr 1968 dokumentiert sich eine zentrale Etappe von "la nuova pittura" Piero Dorazios – es ist ein Werk, das den programmatischen Wandel innerhalb seines Schaffens veranschaulicht. Dorazio, der 1947 in Rom die wegweisende Gruppe "Forma 1" mitbegründet und sich früh für eine autonome, ungegenständliche Kunst einsetzt, distanziert sich nach 1945 aufgrund konträrer politischer Positionen vom italienischen Futurismus. In kritischer Auseinandersetzung mit der Malereigeschichte seit dem Impressionismus sucht er nach neuen Wegen für eine europäische Abstraktion. Nach Aufenthalten in den USA in den 1950er Jahren, wo er Künstler des Abstrakten Expressionismus sowie die Farbfeldmalerei von Marc Rothko kennenlernt, lehrt er ab 1959 an der University of Pennsylvania und stellt 1959 sowie 1964 auf der documenta in Kassel aus. Als Vermittler zwischen europäischer Formdisziplin und US-amerikanischer Farbforschung nimmt er eine internationale Schlüsselrolle ein.

Während Dorazios Bildsprache bis 1963 durch die "Reticoli" geprägt ist – netzartige Gewebe aus feinen Farbstreifen –, öffnet er seine Bildräume ab 1963 schrittweise. Die Arbeiten dieser Phase heben sich von den Reduktionen der visuellen Forschung und der systemischen Malerei ebenso ab wie von Tendenzen medialer Bildreflexion. Als er 1968 mit bereits 41 Jahren und einem Stipendium des DAAD in Berlin-West arbeitet, führt dieser Aufenthalt "zu einer besonders fruchtbaren Schaffensperiode" (Thomas Kempas, Peter Nestler, Vorwort zur Ausst. im Haus am Waldsee 1969). In Berlin erarbeitet der Künstler ausdifferenzierte Systeme aus parallelen Farbbändern, geschwungenen Wellenmotiven und an Intarsien erinnernden Puzzleteilen.

"Puzzle II" führt dieses Prinzip exemplarisch vor: Anstelle dichter Gitterstrukturen greifen monochrome Farbflächen nach Art eines Puzzles formschlüssig ineinander. Die chromatischen Segmente verzahnen und überschneiden sich zu rhythmisierten Bandformationen von gesteigerter Dimension, wodurch eine fließende, architektonisch gedachte Raumordnung entsteht. Durch die gezielte Nachbarschaft reiner Grundfarben entfaltet das Bild eine vibrierende optische Dynamik: Dorazio formuliert das Primat der Koloristik als raumbildende Kraft neu und löst seine Maxime ein, wonach Farbe ein fundamentaler Raum- und Ausdruckswert der Malerei ist (Dorazio, in: Ausst.-Kat. Galerie im Erker 1966, o. S.).

Somit steht "Puzzle II" idealtypisch für den Moment, in dem die kompakte Gitterstruktur einer offenen, rhythmisierten Farbflächenkomposition weicht. Die Arbeit unterstreicht Piero Dorazios Rang als prägender Erneuerer der europäischen Abstraktion. [AW]





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