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Auktion: 419 / Klassische Moderne am 05.12.2014 in München Lot 334

 
Objektbeschreibung
Stehender weiblicher Akt. Um 1908/09.
Kohle und farbige Kreide.
Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570 b) und der handschriftlichen Registriernummer "FS Dre/Bg 62". Auf Velin. 45 x 30 cm (17,7 x 11,8 in), blattgroß. [KD].

Die vorliegende Arbeit ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Paul Kantor Gallery, Los Angeles (1960 beim Vorgenannten erworben).
Privatsammlung (in den frühen 1960er Jahren beim Vorgenannten erworben, bis 2006).
Privatsammlung Deutschland (seit 2006).

LITERATUR: Für die zeitliche Einordung vgl. Claus Zoege von Manteuffel, in: Ernst Ludwig Kirchner. Zeichnungen und Pastelle, hrsg. von Roman Nobert Ketterer und Wolfgang Henze, Nr. 14.

Nach dem Abschluss eines Architekturstudiums in Dresden, während dessen Ernst Ludwig Kirchner Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff kennenlernt und mit diesen bereits künstlerisch zusammenarbeitet, entscheidet sich Kirchner gegen den Wunsch seines Vaters ganz für die Malerei. Der intensive Austausch der vier Freunde führt im Juni 1905 zur Gründung der Künstlergemeinschaft "Die Brücke".

In die ungewöhnlich fruchtbaren Dresdner Jahre, in denen die jungen Künstler sich die künstlerische Basis erarbeiten, die später ihren Ruhm begründen soll, fällt auch die Entstehungszeit dieser Zeichnung. Die radikale Abkehr von dem was an den Kunstakademien der Zeit unter Aktzeichnung verstanden wird, ist hier in der sehr freien Auffassung abzulesen. Der "Viertelstundenakt", der von den "Brücke"-Künstlern so genannt wird, weil er in einem kurzen, aber äußerst kreativen Schaffensprozess verwirklicht wird, ist auch in dieser hervorragenden Zeichnung zu erkennen. Die Sicherheit des Striches, der keine noch so kleine individualisierende Note erlaubt, wird kongenial durch die Wahl der Farben ergänzt, die nur so und in diesem Zusammenhang ihre Wirkung frei entfalten können. Allein die Schattierung im Inkarnat in Grün ist als wirkungsvoller Affront gegen eine herrschende Lehrmeinung zu verstehen. Die Bevorzugung reiner unvermischter Farben ist als ein besonderes Merkmal für Arbeiten der "Brücke"-Künstler kennzeichnend. Komplementärfarben werden in der Komposition direkt nebeneinandergesetzt. Das soll den Ausdruck vertiefen, auf den es den Expressionisten besonders ankommt. Die schöne Zeichnung ist somit nicht nur die äußerst gelungene, weil konzentrierte Fixierung eines stehenden weiblichen Aktes im Raum, sondern auch Programm und Dokumentation dessen, was die Künstler der "Brücke" bewegen wollten.

1911 siedelt Ernst Ludwig Kirchner nach Berlin über. Die Großstadt bietet ihm eine Fülle neuer Motive, die er in vereinfachten, scharf konturierten Formen, expressiven Zügen und grellen Farbkontrasten umsetzt. Die Großstadtbilder werden zu Inkunabeln des Expressionismus und machen Kirchner zu einem der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. 1917 lässt sich Kirchner in Frauenkirch bei Davos nieder. Den Großstadtbildern folgen nun Gebirgslandschaften und Darstellungen ländlichen Lebens. 1923 zieht der Künstler in das "Haus auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal, wo er bis zu seinem Freitod im Jahr 1938 lebt und arbeitet.

334
Ernst Ludwig Kirchner
Stehender weiblicher Akt, Um 1908/09.
Kohle
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 137.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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