Ketterer Kunst Logo

Detailsuche

Auktion: 374 / Moderne Kunst am 04.12.2010 in München Lot 46

 
László Moholy-Nagy - Landschaft mit Häusern

Objektbeschreibung
Öl auf Hartfaserplatte
Rechts unten signiert und datiert. Verso auf der Pappe handschriftlich bezeichnet "Landschaft". 61 x 86 cm (24 x 33,8 in)
Verso auf dem Rahmen mit einem Wachssiegel.

Mit einer Fotoexpertise von Hattula Moholy-Nagy vom 23. August 2006.

PROVENIENZ: Galerie Klihm, München.
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Städtische Kunsthalle Mannheim, 14. Juli - 13. August 1961 (verso mit dem Ausstellungsetikett).
Magyar Nemzeti Galeria, Budapest (verso mit dem Ausstellungsetikett).
Moholy-Nagy 1895-1946. Kunst Kabinett Klihm, München, 1. Juni - 6. Juli 1962, Kat.Nr. 5. (mit Abb.).
Moholy-Nagy, Marlborough Fine Arts, London, September 1968, Kat.Nr. 1.
Arts Council of Great Britain, London 1980, Kat.Nr. 2 (verso mit dem Ausstellungsetikett).
Württembergischer Kunstverein Stuttgart, nach 1982, Kat. Nr. 1 (verso mit dem Ausstellungsetikett).

Als sich Moholy-Nagy nach einem Jurastudium der Malerei zuwendet und von Malewitsch und El Lissitzky beeinflusst zu einer eigenen abstrakten Ausdrucksweise findet, ist die künstlerische Entwicklung zu einem der bedeutendsten Vertreter des Konstruktivismus nicht mehr aufzuhalten. Schon früh tritt er in seinem Heimatland Ungarn als Gründer der Künstlergruppe "Ma" hervor.

Die kubische Verschachtelung von Formen, die hier eine Häuserlandschaft bilden, ist in ihrer Aussage ambivalent. Zum einen geht es um die Geometrisierung der Bildfläche, die einer Auflösung in Rechtecke und Kreise gleichkommt und zum anderen um den realen Anspruch, darin eine Häuserlandschaft zu erkennen, das heißt Assoziationen zur realistisch-gegenständlichen Malerei herzustellen. Moholy-Nagy dürfte eher den umgekehrten Weg gegangen sein, indem er die reale Landschaft systematisch in geometrische Felder zerlegt hat. Das hatten vor ihm bereits die Pointillisten mit ihrem Divisionismus der Farben versucht. Beiden Versuchen war nur ein kurzer Erfolg beschieden. Moholy-Nagy, der sich später ganz den technisch-geometrischen Bildinhalten zuwendet, hat hier ein interessantes Beispiel des Übergangs geschaffen, das die Loslösung aus einer überkommenen Seh- und Denkweise dokumentiert.

Nach dem Scheitern der Revolution geht er 1920 nach Berlin, wo Gropius auf ihn aufmerksam wird und ihn 1923 ans Bauhaus beruft. Dort leitet Moholy-Nagy die Metallklasse, beschäftigt sich allerdings nebenbei mit sämtlichen anderen Bereichen der Gestaltung und ist auch hier einflussreich tätig. Seine Ideen veröffentlicht der Künstler in der Reihe der Bauhausbücher, z.B. "Malerei, Fotografie, Film" (1925). Moholy-Nagy geht es um den "experimentellen 'funktionalistischen' Künstler [..], für den Kunst das Versuchsfeld für neue Ausdrucksformen" ist, "die dann auf alle Bereiche des modernen Lebens angewandt werden sollten" (Karin Thomas). Die Ansprüche des technischen Zeitalters und seiner neuen Medien führen Moholy-Nagy so zu einer funktionalen Nutzung der Abstraktion, welche er in allen Bereichen der Gestaltung aufzuzeigen vermag und die ihn durch unterschiedliche Phasen des Experimentierens schickt. Sein vielseitiges künstlerisches Schaffen reicht dabei von der Malerei über die Fotografie, Film, Design und Bühnenbildnerei bis hin zu Fotogrammexperimenten, welche wegbereitend für die Lichtkunst und die kinetische Kunst sind. Mit Gropius verlässt Moholy-Nagy 1928 das Bauhaus und arbeitet als Bühnenbildner, Ausstellungsgestalter, Typograf und Filmemacher in Berlin, bis er 1937 in die USA emigriert und dort in Chicago das "New Bauhaus" leitet. 1938 eröffnet der Künstler in Chicago sein eigenes Institut, die "School of Design", die er in den folgenden Jahren um die Fächer Ökonomie, Psychologie und Informationstheorie erweitert. 1946 stirbt Moholy-Nagy nach einjähriger Krankheit. [NB].

46
László Moholy-Nagy
Landschaft mit Häusern, 1919.
Öl auf Hartfaserplatte
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 250.100

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


László Moholy-Nagy - von Ketterer Kunst verkaufte Objekte