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Auktion: 330 / Modern Art / Kunst nach 45/ Seitenwege am 05.12.2007 in München Lot 164

 
Otto Mueller - Mädchen im Dünengras

Objektbeschreibung

Mädchen im Dünengras. Um 1925.
Aquarell und schwarze Kreide.
Von Lüttichau 539. Links unten signiert. Auf chamoisfarbenem Velin 52 x 68 cm ( 20,4 x 26,7 in).

PROVENIENZ: Galerie Nierendorf, Berlin.
Stuttgarter Kunstkabinett Roman Nobert Ketterer, 36. Auktion, Moderne Kunst, 3./4. Mai 1961, Los 324a (mit Abb.).
Joaquín Herrmann, La Paz, Bolivien.
Thomas Herrmann, La Paz, Bolivien.
Ewa Herrmann, La Paz, Bolivien.
Fanny Arroyo de Uria, La Paz, Bolivien.

Ausstellung: Otto Mueller, Dom Galerie, Köln, 19.04.-08.06.1963, Kat.Nr. 10.

LITERATUR: Lothar-Günther Buchheim, Otto Mueller. Leben und Werk, Feldafing 1963, S. 75 (mit Farbabb.).

Otto Mueller absolviert 1890-92 eine Lithografenlehre in Görlitz und Breslau und studiert dann von 1894 bis vermutlich 1897 an der Dresdener Kunstakademie bei Georg Hermann Freye und für kurze Zeit bei Carl Ludwig Noah Bantzer. Nach einem Intermezzo in München lebt und arbeitet der Künstler von 1899 bis 1908 in Dresden. Dort macht er die Bekanntschaft von Wilhelm Lehmbruck und Erich Heckel, der Mitglied der Künstlergruppe "Die Brücke" ist. Mueller selbst wird 1910 Mitglied dieser Künstlervereinigung. Seine künstlerischen Anfänge liegen im Jugendstil. Daher rührt seine Betonung des Linearen und des Dekorativen. Wichtig wird dann der Einfluss von Wilhelm Lehmbruck, der Mueller zur Betonung der Silhouettenformen und einem klassischen, elegant-grazilen Figurenstil anregt. Durch die Hinwendung zum Expressionismus verändert sich Muellers Stil, vor allem im Figürlichen wird er großflächiger, die Konturen zeichnet er schärfer.

Anders als seine Künstlerfreunde aus der "Brücke"-Gemeinschaft konzentriert sich Mueller in seinem Werk auf ein großes Thema: Die Darstellung des Menschen, und zwar unabhängig von seinem gesellschaftlichen Umfeld. Liebespaare, Badende und Porträts sind entweder in einer nicht näher gekennzeichneten Umgebung oder im Freien dargestellt. Die Einbindung des (meist weiblichen) Aktes in eine Landschaft ist ein klassisches Thema der Malerei, das der Künstler, ausgehend von Vorbildern wie Hans von Marées oder Paul Cézanne, aufgreift. Unser Werk zählt zweifellos zu den schönsten Beispielen der Aktmalerei Muellers. Formal besticht es durch die spannungsvolle Komposition, die in wenigen, schwungvoll und präzise gesetzten Kreidestrichen entsteht. Farblich arbeitet der Künstler die Zartheit der Mädchenfigur mit unterschiedlich starker Aquarellierung heraus, deren Qualität und Delikatesse den Betrachter stets aufs Neue zu faszinieren vermag. Expressiv in der Form und doch gleichzeitig nach innen schauend und auf der Suche nach dem Wesen des Menschen an sich, behauptet Mueller hier einmal mehr seine Sonderstellung in der Kunst des deutschen Expressionismus.

Nach zweijährigem Kriegsdienst von 1916 bis 1918 folgt Otto Mueller 1919 einem Ruf an die Breslauer Akademie, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1930 lehrt.

Zustand: Guter farbfrischer Gesamteindruck. Linke untere Ecke angestückt. Zwei kleine Einrisse in der Unterkante, einer hinterlegt. Kanten umlaufend minimal beschnitten und verso mit Papierband umlaufend hinterlegt. Oberrand vereinzelt bestoßen bzw. teils minimal knittrig.

164
Otto Mueller
Mädchen im Dünengras, 1925.
Aquarell
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 102.000

(inkl. 20% Käuferaufgeld)
 


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