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Auktion: 345 / Modern Art / Kunst nach 45 am 04./05.06.2008 Lot 123

 
Wilhelm Morgner - Kreuzigung

Objektbeschreibung

Kreuzigung. 1912.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten monogrammiert und datiert. Verso von fremder Hand datiert, betitelt und bezeichnet. 130 : 104,5 cm (51,1 : 41,1 in). Wilhelm Morgner, in der westfälischen Kleinstadt Soest geboren, verliert schon früh seinen Vater und soll auf Wunsch der Mutter zunächst eine Laufbahn als Pfarrer einschlagen. Nach seinem Schulabschluss kann er seine eigenen Vorstellungen jedoch durchsetzen und besucht ab 1908 die private Malschule von Georg Tappert in Worpswede. In dieser frühen Schaffensphase reist Morgner häufiger nach Berlin, wo er in Kontakt mit zeitgenössischen Strömungen, wie dem Pointillismus und dem Futurismus kommt. Zudem lernt er die Werke van Goghs und des frühen Expressionismus kennen. Morgners künstlerisches Œuvre findet schon früh positive Resonanz, 1911/13 nimmt er an den Berliner Ausstellungen der Neuen Sezession und der Juryfreien teil, 1912 an der Sonderbund-Aussstellung in Köln. Der Künstler setzt sich intensiv mit der Wirkung der reinen Farbe auseinander, zunehmend erhalten seine Bilder, die sich vorher thematisch mit dem arbeitenden Menschen auf dem Lande auseinandersetzen, abstrakten Charakter - sein Streben konzentriert sich auf die Vermittlung spiritueller Inhalte.

Die ungewöhnlichen Bildauffassungen Wilhelm Morgners können auch noch in heutiger Zeit verstörend wirken. Morgner geht es nicht einfach nur um die Übernahme und Integration gewisser Stilelemente in sein Werk. Aufbauend auf Vorbildern, hier vor allem demjenigen van Goghs, schafft Morgner sich eine Bildwelt, die er mit der ihm eigenen Malweise verwirklicht. Die aus dem Divisionismus erwachsene Technik, deren Farbparallelismen oft irrtierend wirken, verleiht in ihrer gestalterischen Kraft den Themen eine neue Dimension der Aussage. Eine Kreuzigungsszene, deren emotionaler Charakter in der Kunst nicht selten überbetont wird, ist hier allen frommen Dekors entkleidet, um zur reinen Schaustellung zu werden. Morgner zwingt den Betrachter also indirekt, einen Vorgang real nachzuvollziehen ohne Zuhilfenahme bildmäßiger Details, die ihm den Zugang erleichtern würden. Mit der gleichen Radikalität, mit der Morgner die Szene schildert, soll sie sich auch in den Köpfen der Betrachter abspielen. Wie Morgner dachte, ist von ihm selbst überliefert: "Ich kann nur Künstler werden, wenn ich mich selbst zertrümmere. Tue ich das nicht, dann gelingt es mir nie, die Unendlichkeit zu erleben, noch viel weniger mitzuteilen. Ich habe mich mit der Tatsache der Opferung abgefunden." (zit. nach: Hans Lühdorf, Wilhelm Morgner, Westfalen, Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, Münster 1952, Heft 1, S. 57).

1913 wird der Künstler zum Militärdienst eingezogen und fällt 1917 bei Langemarck. Erst mit der Wiederentdeckung des Expressionismus in den 1950er Jahren erhält das Œuvre des Künstlers schließlich die Anerkennung, die ihm als einer der Besten seiner Zeit zusteht. [KD]
EXPERTISE: Das Werk ist im Wilhelm-Morgner-Archiv, Soest, unter der Nummer G 301 registriert
PROVENIENZ: Claus Korff-Morgner, Soest.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Das Werk wurde 1970 einer fachmännischen Restaurierung unterzogen
Guter Gesamteindruck.

123
Wilhelm Morgner
Kreuzigung, 1912.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 93.600

(inkl. 20% Käuferaufgeld)
 


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