Lot: 123
Artistenpaar
Erlös (inkl.Aufgeld): 780.000 EUR / 1.006.200 $
Otto Mueller
1874 Liebau/Riesengebirge - 1930 Obernigk bei Breslau
Artistenpaar. 1910.
Leimfarbe auf Rupfen
Von Lüttichau 692. 120,5 x 87,3 cm (47,4 x 34,3 in)
Aus der wichtigen 'Brücke'-Zeit Otto Muellers von 1910-12 wurden in den letzten 24 Jahren nur 2 weitere Arbeiten auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: Artnet).
PROVENIENZ: Nachlass Otto Mueller.
Josef Mueller-Herbig, Karlsruhe/Lübeck.
Galerie Günther Franke, München, 1969.
Privatsammlung Ernesto Blohm, Caracas.
Privatsammlung Süddeutschland.
AUSSTELLUNG: Otto Mueller. Eine Retrospektive, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 21. März - 22. Juni 2003/Museum Folkwang Essen, 4. Juli - 28. September 2003, mit Farbtafel 162.
Deutsche Expressionisten mit Meisterwerken aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, Leopold Museum, Wien, 28.9.2006 - 10.1.2007 (mit ganzseitiger Farbabb. S. 115).
LITERATUR: Erich Heckel, Liste des Künstlerischen Nachlasses von Otto Mueller.
Otto Mueller wird 1874 in Liebau im Riesengebirge geboren. Die ersten Jahre verbringt er zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern auf dem Gutshof der Großeltern in Liebau. 1882 zieht er zum Vater nach Görlitz, besucht dort die Volksschule und später das Gymnasium. 1890-92 absolviert er eine Lithografenlehre in Görlitz und Breslau. Mueller studiert von 1894 bis vermutlich 1897 an der Dresdener Kunstakademie bei Georg Hermann Freye und für kurze Zeit bei Carl Ludwig Noah Bantzer. 1898/99 geht Mueller mit seinem Freund Paul Kother zum Studieren nach München. Trotz der Intervention von Gerhard Hauptmann wird er von Franz von Stuck nicht für das Wintersemester genommen, da der Kurs schon voll ist. Stuck gibt ihm den Rat, es zum Sommersemester erneut zu versuchen. Mueller möchte sich jedoch lieber autodidaktisch weiterbilden und zieht nach Wolfratshausen in den Münchner Süden. Im Herbst 1899 bricht er nach Dresden auf, lebt und arbeitet überwiegend dort und in der Umgebung bis zum Jahre 1908, in dem er nach Berlin geht.
Unser ausdrucksvolles Aktbildnis, datiert auf 1910/11, entsteht in der entscheidenden und wichtigsten Phase von Otto Muellers künstlerischem Schaffen. 1910 kommt Mueller in Berlin in Kontakt mit den Gründungsmitgliedern der ‚Brücke‘ und wird als neues Mitglied aufgenommen. In der Folge entwickelt sich eine enge Zusammenarbeit mit den 'Brücke'-Kollegen Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Hermann Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff. Durch das Arbeiten miteinander an der Ostsee und an den Moritzburger Seen sowie durch gemeinsame Reisen und Ausstellungen der 'Brücke'-Mitglieder festigt sich der freundschaftliche Kontakt insbesondere zwischen Mueller und Kirchner. Dieser bleibt auch nach dem frühen Ende der 'Brücke'-Gemeinschaft Anfang 1913 bestehen.
Das vorliegende Gemälde zeigt ein schwarzes Paar, das sich aneinander geschmiegt dem Blick des Betrachters präsentiert. Die innigen Berührungen und schützenden Gesten der beiden lassen auf eine enge Vertrautheit schließen. Die aufrechte Körperhaltung und die herausfordernden Mienen sprechen zugleich von Temperament und Selbstbewusstsein. Für diese Entstehungszeit ist die Darstellung von Schwarzen generell eine Sensation, die die hergebrachten Sehgewohnheiten des Publikums sprengt. Im Gegensatz zu seinen Künstlerfreunden Kirchner und Heckel, die sich ebenfalls mit farbigen Modellen beschäftigen, vermeidet Otto Mueller hier zudem jeglichen räumlichen Bezug und zeigt die Akte in ungewöhnlicher Direktheit ohne die Distanz eines ausgeführten Bildraumes. In diesem herausragenden Werk aus der 'Brücke'-Zeit Otto Muellers wird seine Meisterschaft in der Aktdarstellung deutlich, die unter den Zeitgenossen ihresgleichen sucht und eine starke Wirkung auf die anderen 'Brücke'-Mitglieder ausübt.
Nach zweijährigem Kriegsdienst von 1916 bis 1918 folgt Mueller 1919 einem Ruf an die Breslauer Akademie, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1930 lehrt. [NB].
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