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Auktion: 374 / Moderne Kunst am 04.12.2010 in München Lot 29

 
Gabriele Münter - Vom weißen Busch

Objektbeschreibung
Öl auf Leinwand, auf Malpappe aufgezogen
Rechts unten signiert und datiert "2.VII.19". Verso bezeichnet "Münter" und "Vom weißen Busch" sowie mit dem Nachlassstempel der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München. 36 x 40,3 cm (14,1 x 15,8 in)Unterlagekarton: 39,2 x 44 cm (15,4 x 17,3 in).
Verso mit den Resten mehrerer Etiketten, teils typografisch nummeriert.

Mit einer schriftlichen Bestätigung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung vom 11. November 2010. Das Werk ist in der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München, unter der Nr. B 122 verzeichnet und wird in das Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass der Künstlerin.
Kunsthandlung Resch, Gauting (1978).
Galerie Thomas, München.
Privatsammlung Süddeutschland.

Den ersten Unterricht erhält Gabriele Münter 1897 an der Düsseldorfer Damen-Kunstschule, die weitere Ausbildung im Künstlerinnen-Verein als Schülerin von M. Dasio und A. Jank. Anschließend geht sie nach München und besucht dort die Privatkunstschule "Phalanx"; Leiter der Schule ist Wassily Kandinsky. Mit ihm unternimmt Gabriele Münter ab 1904 viele Reisen u.a. nach Holland, Italien und Frankreich, wo sie Rousseau und Matisse kennenlernen. Stilistisch distanziert sich Münter nun vom Impressionismus und lässt in ihrem Werk Einflüsse der Fauves und der Expressionisten erkennen. Ein ruhigeres Leben beginnt ab 1908 in der mit Kandinsky gemeinsamen Wohnung in München. Mit Klee, Marc, Macke, Jawlensky und Marianne von Werefkin pflegen die beiden regen Kontakt. Für eine produktive künstlerische Zusammenarbeit ist das von Münter gekaufte Landhaus in Murnau die richtige Umgebung. 1909 beginnt die Künstlerin mit Hinterglasbildern, ein Medium, das später auch Kandinsky, Marc, Macke und Campendonk aufgreifen. Zwei Jahre lang ist Münter Mitglied in der "Neuen Künstlervereinigung München". Im Jahr 1911 tritt sie der von Kandinsky und Marc gegründeten Redaktion "Blauer Reiter" bei. Mit Interesse verfolgt Gabriele Münter Kandinskys abstrakte Bilder, bleibt jedoch selbst bei der figurativen Malerei. Ihre Landschaften, Figurenszenen und Porträts zeigen eine Reduktion auf das Wesentliche mit Hang zur humorvollen Charakterisierung. Mit Kriegsausbruch gehen Münter und Kandinsky zunächst in die Schweiz, ein Jahr später (1915) entscheidet sich die Malerin für Stockholm, wo es zur Trennung von Kandinsky kommt. Im Spätherbst 1917 übersiedelt sie nach Kopenhagen.

In den Jahren des Skandinavienaufenthaltes ändert sich der Malstil von Gabriele Münter grundlegend. Beeinflusst durch die Kunstszene der schwedischen Avantgarde, die sich am dekorativen Expressionismus von Matisse orientiert, beginnt Münter sich eine kühlere Farbpalette anzueignen. Die Komposition wird mehr einem Dekorativismus im positiven Sinne unterworfen, der auch in unserem Werk zu erkennen ist. Das Fehlen der bei Münter immer wieder auftauchenden kräftigen Konturierung der Gegenstände lässt die Komposition der weißen Blüten in eine weiche, fast sentimentale Stimmung abgleiten, der jedoch die großen Farbflächen der Blätter Einhalt gebieten. Die Grundkonzeption Münterscher Blumenstillleben ist hier deutlich nachvollziehbar. Obwohl in ihrer botanischen Eigenschaft bestimmbar, führen die Blüten ihr Eigenleben, sowohl in der Form als auch in der Farbe. Eingebettet in ein reiches Blattwerk wird die Komposition raumfüllend und unterscheidet sich so von den späteren Arbeiten, in denen die Blüten rein und klar umrissen vor einem neutralen Hintergrund stehen.

Die 1920er Jahre sind geprägt von vielen Reisen und Aufenthalten in München, Murnau, Köln und Berlin. Ab 1931 lebt Münter ständig in München und Murnau. Im Jahr 1956 erhält sie den Kulturpreis der Stadt München, 1960 findet die erste Ausstellung Münters in den USA statt, gefolgt 1961 von einer großen Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle. Die Künstlerin stirbt am 19. Mai 1962 in ihrem Haus in Murnau. [KD].

29
Gabriele Münter
Vom weißen Busch, 1919.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 90.000
Ergebnis:
€ 100.650

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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