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Auktion: 479 / Klassiker des 20. Jahrhunderts I am 08.12.2018 in München Lot 842

 
Objektbeschreibung
Landschaft mit Häusern. 1919.
Öl auf Hartfaserplatte.
Rechts unten signiert und datiert. Verso auf der Pappe handschriftlich bezeichnet "Landschaft" sowie mit mehreren Ausstellungsetiketten, handschriftlichen Nummern und zwei unlesbaren Stempeln. 61 x 86 cm (24 x 33,8 in).

Eines der äußerst seltenen Ölgemälde aus dem Frühwerk des Künstlers und bedeutendes Schlüsselwerk, welches den Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffen markiert..
Mit einer Fotoexpertise von Hattula Moholy-Nagy vom 23. August 2006.

PROVENIENZ: Sibyl Moholy-Nagy, New York (zweite Ehefrau des Künstlers).
Galerie Klihm, München (1961/62 von Vorgenannter erhalten, mind. bis 1980).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: L. Moholy-Nagy. Kunstmuseum Düsseldorf, 19.2.-3.4.1961, Kat.-Nr. 5 (mit Abb.).
Moholy-Nagy, New London Gallery, May-June 1961, Kat.-Nr. 5.
Laszlo Moholy-Nagy, Städtische Kunsthalle, Mannheim 14.7.-13.8.1961, Kat.-Nr. 5 (verso mit dem Ausstellungsetikett).
Moholy-Nagy 1895-1946, Kunst Kabinett Klihm, München 1.6.-6.7.1962, Kat.-Nr. 5. (mit Abb.).
L. Moholy-Nagy 1895-1946, Museum Folkwang, Essen 30.7.-31.8.1962, ohne Kat.-Nr. [Kat.-Nr.1] (mit Abb.).
Moholy-Nagy, Marlborough Fine Arts, London September 1968, Kat.-Nr. 1 (mit Abb.).
Moholy-Nagy László: 1895-1946, Magyar Nemzeti Galeria, Budapest 18.9.-9.12.1975, Kat.-Nr. 1 (verso mit dem Ausstellungsetikett).
Laszlo Moholy-Nagy, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, 31.10.-8.12.1974, Kat.-Nr. 1 (verso mit dem Ausstellungsetikett).
Laszlo Moholy-Nagy, Arts Council of Great Britain, London 1980, Kat.-Nr. 2 (verso mit dem Ausstellungsetikett)
Vues d'en haut, Centre Pompidou-Metz, 17.5. - 7.10.2013.

LITERATUR: Krisztina Passuth, Debut of László Moholy-Nagy. In: Acta historiae artium Academiae Scientiarum Hungaricae, 19.1973, S. 125-142, hier S. 127 mit Abb. auf S. 131.
Terence A. Senter, Moholy-Nagy`s vision of unity, in: Ausst.-Kat. Arts Council of Great Britain, London 1980, S. 11-22, hier S. 14, mit Abb.
Winfried Nerdinger, Rudolf Belling und die Kunstströmungen in Berlin 1918-1923, Berlin 1981, S. 91 Anm. 226.
Krisztina Passuth, Moholy-Nagy, London 1985, S. 19 mit Farbabb. 2.
Lloyd C. Engelbrecht, Moholy-Nagy. Mentor to Modernism, Bd. 1, 2009, S. 88, 124, mit Abb. 59.
László Moholy-Nagy, Abstract of an Artist, zit.n. Moholy-Nagy, Sibyl: László Moholy-Nagy, ein Tiotalexperiment, Mainz 1972, S. 28.

Aufrufzeit: 08.12.2018 - ca. 17.04 h +/- 20 Min.

Essay
"Landschaft mit Häusern" gehört zu den seltenen Ölgemälden im Frühwerk von László Moholy-Nagy. Nur äußerst wenige Malereien sind aus der wichtigen Umbruchsperiode zwischen 1918 und 1920 erhalten. Die Entwicklung des Künstlers hin zur Abstraktion manifestiert sich eindrucksvoll in diesem Schlüsselwerk. Denn bis zu "Landschaft mit Häusern" sind die Werke Moholy-Nagys von einem eher expressiv-realistischen, linienbetonten Stil geprägt. Erst "Landschaft mit Häusern" markiert den "turning point" (Krisztina Passuth) hin zur klaren, geometrischen Abstraktion. Moholy-Nagy, der sich später ganz den technisch-geometrischen Bildinhalten zuwendet, hat hier ein herausragendes Beispiel für seinen richtungsweisenden Stilwandel geschaffen: "Landschaft mit Häusern" dokumentiert seine Loslösung von einer überkommenen Seh- und Denkweise. Zahlreiche Ausstellungen des Gemäldes bezeugen den kunsthistorischen Stellenwert dieses außergewöhnlichen Werkes.
Seit 1918 ist im Frühwerk von Moholy-Nagy die Inspiration durch die "MA"-Bewegung sichtbar. Die "MA"-Bewegung, welche durch die Zeitschrift "MA" ausgelöst wurde, vereinte avantgardistische Kunsttheorie mit einem betont antimilitaristischen, internationalen und sozialistischen Weltbild. Moholy-Nagys erstes großes Gemälde, "Hügel von Buda" aus dem Jahr 1918, steht deutlich unter dem Einfluss von Lajos Tihanyi. Die sich wiederholende Bogenform der Hügel zeigt bereits hier seinen Hang zur Abstraktion statt zum Expressiven.
Im Vergleich mit "Hügel von Buda" stellt "Landschaft mit Häusern" eine radikale Weiterentwicklung hin zur Abstraktion dar. Das zeigt bereits der Umgang mit der Farbe. Auch wenn die grünen Hügel, die weißen Hauswände und die rotbraunen Dächer noch realistisch gefärbt sind, ist doch eine größere Klarheit und Eigenwertigkeit des Kolorits unabhängig vom Gegenstand zu bemerken. Das wüste, dunkle Blutrot des Himmels oben links mit den definierten Strahlen verlässt schließlich ganz das Gebot der Lokalfarbigkeit.
Auch in der Arbeit mit Linie und Fläche ist in "Landschaft mit Häusern" eine deutliche Abstraktionstendenz sichtbar: So werden zwar die Rundformen der Hügel aus "Hügel von Buda" aufgegriffen, in der Isolation der Umrisslinien vor dem Mittelgrund und dem kraftvollen Grün liegt jedoch deutlich höheres Abstraktionspotenzial. Hinter den Hügeln entfaltet sich eine Häuserlandschaft, die ganz in einem komplexen Raumgefüge aus Linien und Flächen aufgeht.
Im linken Hintergrund ist der Ausblick auf die rotglühende Sonne auch unabhängig von der Farbigkeit bedeutsam: Im Unterschied zur Flächenkomposition des Vorder- und Mittelgrundes verweist die große expressive Kraft des Pinselstriches hier auf den symbolischen Gehalt des Himmelskörpers. An dieser Stelle wird die emotionale und geistige Tiefe der Abstraktion von Moholy-Nagy unmittelbar anschaulich. [AT]
842
László Moholy-Nagy
Landschaft mit Häusern, 1919.
Öl auf Hartfaserplatte
Schätzpreis: € 200.000 - 300.000
+
 


Weitere Abbildungen
László Moholy-Nagy - Landschaft mit Häusern - Rahmenbild
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László Moholy-Nagy - Landschaft mit Häusern - Weitere Abbildung
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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu László Moholy-Nagy "Landschaft mit Häusern"
Dieses Objekt wird regelbesteuert angeboten.

Berechnung der Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Berechnung der Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 1,5% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.
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