Auktion: 261 / Kunst des XX. Jahrhunderts und Muenchner Schule am 01.12.2001 Lot 42

 
Max Liebermann - Mädchen im Négligé


42
Max Liebermann
Mädchen im Négligé, 1889.
Pastell
Schätzung:
€ 15.339
Ergebnis:
€ 16.463

(inkl. Käuferaufgeld)

Lesendes Mädchen - Vor dem zu Bettgehen
Pastell auf festem, hellbraunem Velin, auf Keilrahmen aufgezogen, ca. 1895
Rechts unten signiert, datiert und bezeichnet "Zum 9. Oktober 189 (5?), Frankfurt freundlichst/MLieberman". 66 x 61,6 cm ( 25,9 x 24,2 in).
Am Keilrahmen befestigte Rückpappe mit maschinenschriftlich bezeichneter Pappetikette "Max Liebermann (1847-1935), "Mädchen im Négligé", Original Pastell in der Größe von 65 x 61 cm. Signiert und dat. in der rechten unteren Ecke: Zum 9. Oktober 1890, Frankfurt M. Liebermann" Ehem. Coll. Geheimrat Duisberg."

Mit ausführlichem Gutachten von Frau Dr. Margreet Nouwen, Berlin vom 21.10.2001

PROVENIENZ: Eduard Grisebach, Berlin (gest. 1906).
Anna-Christine Grisebach, geb. Mattuschka, Berlin (bis 1917).
Paul Cassirer, Berlin (PC-Nr. 3.024: Mädchen am Bett).
E. Arnold (wohl Kunsthandlung Ernst Arnold, Dresden, am 17.9.1917 gekauft).
Auktion 'Meisterwerke der Malerei des 19. Jahrhunderts aus sechs deutschen Gemäldegalerien (Verkauf wegen Nachkriegsnot, Rudolf Bangel GmbH, Frankfurt/M. 29.1.1923, Kat.Nr. 149, mit Abb, Tafel IX).
Galerie Marcus Goldschmidt, Frankfurt/M.
Carl Duisberg, Leverkusen (seit 13.8.1927).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

LITERATUR: Der Kunstwanderer, Jg. 5 (1923), 2. Februarheft, S. 273 f
Matthias Eberle, Max Liebermann - Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, Bd. I, München 1995, S. 420 f (unter WV 1894/11), mit Abb. S. 421
Matthias Eberle, Max Liebermann - Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, Bd. II, München 1996, S. 779 (unter WV 1909/31)

'Lesendes Mädchen - Vor dem zu Bettgehen' ist ein außergewöhliches Beispiel für die künstlerische Neuorientierung Max Liebermanns in den 1890er Jahren. Sein Frühwerk mit sozialkritischen Motiven in erdigen Farben ist vom Einfluss der holländischen Malerei geprägt. 1885 lernt er die Familie Bernstein kennen, deren Sammlung zeitgenössischer Kunst ihn fasziniert. Besonders die Bilder französischer Impressionisten wecken sein gesteigertes Interesse. Langsam öffnet er sich den neuen Eindrücken und verarbeitet sie in seinem eigenen Werk. Während Liebermann im Bereich der Ölmalerei nur zögernd reagiert, nutzt er Zeichnung und Pastell schon früh als Experimentierfeld. Weiche Materialien wie Kohle und Kreide ersetzen den harten Bleistift. Subtile Abstufungen treten an die Stelle strenger Linearität.
Die einzige Lichtquelle dieser Interieurszene ist ein Lampe mit rotem Schirm, die das Gesicht und die Arme der weiblichen Figur in zarten Rosétönen aufleuchten lässt. Die Schattenzonen sind in hellem Blau und Grau gehalten. Liebermann vermeidet Schwarz, das impressionistische Vorbild wird sichtbar. Das Bild war ein Geschenk Max Liebermanns an den Dichter und Autor Eduard Grisebach (Der neue Thanhäuser, 1885). Bei der Dargestellten handelt es sich um dessen Gattin Anna-Christiane Mattuschka beim Lesen von Briefen oder Gedichten, die ihr Mann an sie widmete.




42
Max Liebermann
Mädchen im Négligé, 1889.
Pastell
Schätzung:
€ 15.339
Ergebnis:
€ 16.463

(inkl. Käuferaufgeld)