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Auktion: 381 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 04.06.2011 in München Lot 202

 
Fritz Winter - Blau zwischen Rot

Objektbeschreibung
Öl auf Leinwand
Nicht bei Lohberg. Rechts unten signiert und datiert. Verso nochmals signiert, datiert und betitelt sowie mit einer gestrichenen Bezeichnung. 70 x 60 cm (27,5 x 23,6 in)

PROVENIENZ: Ernst A. Bettag, Fürth.
Privatsammlung Süddeutschland, Geschenk des Vorbesitzers 1983/84.

Am 22. September 1905 wird Fritz Winter als erstes von acht Kindern in Altenbögge bei Unna geboren. 1919 beginnt er eine Elektrikerlehre und ist als Bergmann tätig. Anfang der zwanziger Jahre entstehen erste zeichnerische und malerische Versuche. 1927 bewirbt sich Fritz Winter erfolgreich am Bauhaus in Dessau und studiert dort die folgenden drei Jahre unter anderem bei Klee, Kandinsky, Albers und Schlemmer. 1929 nimmt Winter an der Ausstellung "Junge Bauhausmaler" teil. Er macht die Bekanntschaft von Ernst Ludwig und Erna Kirchner, die er wiederholt in Davos besuchen wird. Nach seinem Studium unterrichtet Winter an der Pädagogischen Akademie in Halle. 1933 folgt ein Umzug nach München, 1935 ein weiterer nach Dießen am Ammersee. Die Nationalsozialisten erklären seine Kunst als "entartet" und Winter erhält Malverbot. Bereits 1939 als Soldat an die Ostfront eingezogen, gerät Winter kurz vor Kriegsende in russische Gefangenschaft, aus der er erst 1949 entlassen wird. Während des Krieges entstehen in kleinen Skizzenbüchern die sogenannten "Feldskizzen", die seine berühmte Werkgruppe "Triebkräfte der Erde" vorbereiten. Unmittelbar nach seiner Heimkehr ist Fritz Winter Gründungsmitglied der Gruppe "ZEN 49" und findet schnell Anschluss an die europäische Avantgarde. Im Rückgriff auf seine vom Bauhaus beeinflussten Arbeiten der 1930er Jahre entwickelt der Künstler eine eigene Formensprache, die ihm neben dem Informel eine Sonderstellung zuweist. Ab 1953 ist Winter Gastdozent an der Landeskunstschule Hamburg, zwei Jahre später erhält er eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Im selben Jahr und nochmals 1959 ist er auf der documenta I und II vertreten.

In den sechziger Jahren bevorzugt Winter eine Malerei, die ihre Spannung im Dualismus zweier dominierender Farben sucht. Seine Farbfelder sind in sich homogen. Sie korrespondieren mit benachbarten Zonen über ausufernde Grenzen. Lohberg verweist in diesem Zusammenhang auf analoge Gestaltungsmerkmale bei Ernst Wilhelm Nay und Serge Poliakoff. Doch Winter gibt das einmal gefundene Kompositionsschema nicht auf. Seine Farben agieren auf verschiedenen Ebenen. Die Berührung ist also nur scheinbar. In "Blau zwischen Rot" sind es die differenzierten Blautöne, die mit einem Hintergrund in Rostrot und Lilatönen in einem spannungsreichen Dialog treten. Und doch ist gleichzeitig auch eine kontemplative Ruhe zu erkennen. Die Nuancen sind gebrochen, sie wirken nicht unmittelbar auf den Betrachter. Der Farbkanon in seiner Gesamtheit wirkt ausgeglichen. Winters Bestreben, die Komposition ganzheitlich zu sehen, schafft hier den Ausgleich zwischen dem Dialog zweier Farben einerseits und dem Eingebundensein in eine Gesamtharmonie andererseits.

Zum 60. Geburtstag 1965 ehrt man den Künstler mit einer großen Retrospektive in verschiedenen Städten Deutschlands. Das "Große Bundesverdienstkreuz" erhält er 1969. 1970 erfolgt die Emeritierung in Kassel; Winter lebt seitdem wieder in Dießen. 1975 wird in Ahlen das Fritz-Winter-Haus eröffnet. Am 1. Oktober 1976 stirbt Fritz Winter. Schon zu Lebzeiten zählt der Maler zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. [SM].

202
Fritz Winter
Blau zwischen Rot, 1967.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 37.820

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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