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Auktion: 376 / Alte und Neuere Meister am 14.05.2011 in München Lot 160

 
Philipp Otto Runge - 4 Blätter: Die Zeiten

Objektbeschreibung
Kupferstich und Radierung
Nagler 1-4. Isermeyer 18-21 I (von II). Traeger 280-283 A (von B). Ganz ausgezeichnete Drucke auf Bütten. ''Morgen": 72 x 48,1 cm (28,3 x 18,9 in)Papier: 79,7 x 55,5 cm (31,4 x 21,8 in).
"Tag": 72,1 x 48,4 cm (28,4 x 19,1 in). Papier: 78,0 x 56,6 cm (30,7 x 22,3 in).
"Abend": 72,0 x 48,1 cm (28,3 x 18,9 in). Papier: 78,4 x 55,1 cm (30,9 x 21,7 in).
"Nacht": 72,0 x 47,9 cm (28,3 x 18,8). Papier: 79,8 x 55,1 cm (31,4 x 21,7 in).

PROVENIENZ: Wohl Auktion Karl & Faber, München, 5. Dezember 1967, Los Nr. 458 (Abb.).
Privatsammlung Norddeutschland.

LITERATUR: Jörg Traeger, Philipp Otto Runge und sein Werk. Monographie und kritischer Katalog, München 1975, S. 360 (dort Erwähnung der Auktion 1967).

Der bereits zu Lebzeiten des Künstlers berühmte Zyklus in der ersten Auflage von 1805 ohne die Inschriften in der Randleiste. Das wohl komplexeste bildkünstlerische Hauptwerk der deutschen Romantiker-Graphik erscheint, von den Dresdner Stechern Johann Adolph Darnstadt, Ephraim Gottlieb Krüger und Johann Gottlieb Seyffert unter Aufsicht Runges ausgeführt, 1805 in einer ersten Auflage von je 25 Exemplaren bei Perthes in Hamburg. Zunächst zögert Runge, die Blätter in einer größeren Auflage herauszugeben und begründet dies mit dem Wunsch, die "Zeiten" zu malen, weshalb er sich "nur einige Abdrücke davon" habe machen lassen. Am 26. April 1806 schickt Runge den Zyklus an Goethe. Dieser wünscht am 10. November "Nachricht, in wiefern Ihre vier Kupferblätter im Handel sind, wo und um welchen Preis man sie haben könne". Es sei bei ihm "deshalb einigemale Nachfrage gewesen". Runge entschließt sich daraufhin, noch eine zweite, größere Auflage herauszubringen. Diese erscheint 1807 in möglicherweise 250 Exemplaren. Die bei Perthes, Besser & Mauke aufbewahrten Platten werden 1842 bei dem großen Brand in Hamburg vernichtet (laut einem Schreiben des Bruders Daniel Runge 1842).
Mit seinen Zeichnungen bzw. Stichen der "Zeiten" gelingt Runge der künstlerische Durchbruch. Die überschwänglichen Reaktionen der Zeitgenossen erstrecken sich u.a. auf Goethe, der den Romantikern eigentlich ablehnend gegenübersteht. Aber auch er zeigt sich fasziniert von ihrer formalen Anmut und geistreichen Motivverknüpfung wie beunruhigt durch ihre "labyrinthische Mystik". Die Blätter des Zyklus hingen in seinem Musikzimmer in Weimar und er äußert sich anlässlich eines Besuches von Sulpiz Boisserée darüber: "dieses Zeug ist zum rasend werden, toll und schön zugleich". Auch bei Ludwig Tieck ruft das Werk eine gewisse Bestürzung hervor, er sieht in den Blättern seine Ahnung der neuen Kunst gestalthaft verwirklicht.
Runge beschäftigt sich mit den "Vier Zeiten" seit Ende des Jahres 1802 in Dresden und entwirft die Folge inhaltlich und formal als Gegenstück. Er bearbeitet den Zyklus "wie eine Symphonie" und im modernen Sinn wie ein Gesamtkunstwerk. Der hohe Rang und eine ebensolche Wertschätzung seiner Zeit haben sich bis heute gehalten. Die "Zeiten" können durch ihre grafische Vervielfältigung starken Einfluss auch auf andere Künstler wie Schinkel und Schwind gewinnen. Nicht zuletzt die ungewöhnliche Größe der Stiche unterstreicht den künstlerischen Anspruch und programmatischen Rang der Folge als ein grafisches Hauptwerk der Romantik.
Die komplette Folge des ersten Zustandes in solch einheitlicher Qualität ist eine der größten Seltenheiten auf dem Graphikmarkt. [HW]

160
Philipp Otto Runge
4 Blätter: Die Zeiten, 1805.
Kupferstich
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 152.500

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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