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Auktion: 386 / Moderne Kunst am 10.12.2011 in München Lot 44

 
Max Beckmann - Jahrmarkt

Objektbeschreibung
Mappe mit zehn Kaltnadelradierungen sowie Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und Impressum, herausgegeben vom Verlag der Marées Gesellschaft, R. Piper & Co., München 1922.
Hofmaier 191-200 jeweils B b (von C b bzw. von D). Alle signiert. Im Impressum typografisch nummeriert. Exemplar 13/125. Auf Velin. Äußerst selten in diesem herausragend guten, druckfrischen Zustand. Bis 34 x 25,7 cm (13,3 x 10,1 in). Papier: je ca. 53 x 38 cm (20,8 x 14,9 in).
Enthalten sind: Der Ausrufer (Selbstbildnis), Garderobe, Hinter den Kulissen, Schiessbude, Der grosse Mann, Der Neger, Das Karussell, Die Seiltänzer, Niggertanz und Schlangendame. Alle Blätter mit dem Trockenstempel der Marées Gesellschaft. Lose Bogen in Original-Passepartouts mit Nummernprägung. Textblätter in Original-Bindung. In Original-Leinwandkassette mit Deckelprägung. Gedruckt von Franz Hanfstaengel, München, und Otto von Holten, Berlin. Vollständig.

AUSSTELLUNG: Zu der druckgrafischen Folge "Jahrmarkt" von Max Beckmann fand im Kunstmuseum Bern vom 4.4.-25.6.2006 eine Ausstellung statt (ohne Katalog). Es wurde ein anderes Exemplar gezeigt.

LITERATUR: Andreas Stolzenburg, Max Beckmann - Zeichnungen und Druckgraphik aus der Sammlung Gegewisch in der Hamburger Kunsthalle, Teil 3: Max Beckmann, Jahrmarkt (1921) und Berliner Reise (1922); Katalog zur Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle 10.9.2006-21.1.2007.

Gegen den Widerstand der Familie setzt Max Beckmann am Ende seiner Schulzeit durch, dass er Maler werden darf. Seine Ausbildung erhält er von 1900 bis 1903 an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar, hauptsächlich bei dem norwegischen Landschaftsmaler Carl Frithjof Smith. Nach dem Studienabschluss und einigen Aufenthalten in Paris, Genf und Florenz lässt sich Beckmann 1907 in Berlin nieder und wird Mitglied der dortigen Sezession. Bei Kriegsausbruch meldet er sich freiwillig als Berufssoldat. Als Beckmann 1915 vom Militär entlassen wird, zieht er nach Frankfurt am Main, wo er bis 1933 an der Städel-Kunstschule unterrichtet. Sein malerisches und grafisches Frühwerk steht stilistisch noch unter dem Einfluss des deutschen Impressionismus. Gegen Ende der 1910er Jahre und damit im Anschluss an die Erlebnisse des Ersten Weltkrieges, dessen Grauen er als Sanitäter miterlebt und in zahlreichen Skizzen zu verarbeiten sucht, findet er zu einer die Klarheit von Form und Ausdruck betonenden expressionistischen Bildsprache.

Jene kantigen Formen und expressiven Gesten, welche fortan zu Markenzeichen des Künstlers werden sollen, kann Beckmann in den frühen 1920er Jahren gerade innerhalb des linearen Mediums der Grafik zum Höhepunkt ihres Ausdrucksvermögens steigern. Die grafische Folge "Jahrmarkt" ist ein meisterliches Dokument dieses reifen Stils und zählt nicht zuletzt aus diesem Grund zu den bedeutendsten druckgrafischen Folgen des Expressionisten. Artisten und Schausteller mit ihren Masken und Kostümierungen sind die Akteure des Beckmannschen Welttheaters. So porträtiert er sich selbst im ersten Blatt als Seher und Ausrufer dieses Panoptikums. Hofmaier verweist darauf, dass unter den Dargestellten verschiedene Freunde und Bekannte des Künstlers zu finden sind.
Beckmann wählt unterschiedliche Plattenformate für diese außergewöhnliche Druckfolge. Am 1. Juni 1921 schreibt der Künstler an den Verleger Reinhard Piper: "Heute sind die Kupferplatten gekommen. Ich freue mich nun darauf von einer Kupferplatte zur anderen zu reisen. Teilweise werde ich sie in Österreich fertig machen wo ich den Prater mir auch ansehen will bei Wien". Und etwas später an I.B. Neumann, der als Jahrmarktschreier mit Fez auf dem Blatt 5 der Folge auftaucht: "Hier [Graz] faulenze ich abwechselnd und radiere (..) Der 'Jahrmarkt' wird glaube ich recht amüsant" (zit. nach James Hofmaier, Max Beckmann. Catalogue raisonné of his Prints, Bern 1990, S. 497).

Mit zunehmender Macht der Nationalsozialisten erfährt der Künstler in den 1930er Jahren eine immer stärkere Diffamierung, die schließlich neben der Entlassung aus dem Lehramt dazu führt, dass man seine Werke aus den öffentlichen Sammlungen in Deutschland entfernt. Unter dem politischen Druck emigriert Beckmann 1937 nach Holland. Auch hier schränken ihn allerdings die politischen Umstände ein und so ist das Angebot einer Gastprofessur in St. Louis 1947 willkommener Anlass, um in die USA zu übersiedeln. Im Anschluss an diesen Auftrag an der School of Fine Arts der Washington University lehrt Beckmann ab 1949 kurzzeitig an der Universität von Colorado in Boulder, dann an der Brooklyn Museum Art School in New York und im Sommer 1950 am Mills College in Oakland, Kalifornien. Am 27. Dezember desselben Jahres stirbt Max Beckmann, einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus, in New York. [JS].

44
Max Beckmann
Jahrmarkt, 1921.
Kaltnadelradierung
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 53.680

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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