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Auktion: 386 / Moderne Kunst am 10.12.2011 in München Lot 58

 
Erich Heckel - Blick auf die Förde

Objektbeschreibung
Aquarell und Deckweiß über Kohle.
Rechts unten signiert und datiert. Links unten betitelt. Auf Bütten. 44,5 x 62,5 cm (17,5 x 24,6 in), blattgroß.

Die Authentizität wurde von Herrn Hans Geißler, Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen, mündlich bestätigt.

PROVENIENZ: Galerie Roman Norbert Ketterer, Campione d'Italia.
Galerie Michael Neumann, Kiel (auf der Rahmenrückpappe mit dem Etikett).

LITERATUR: Erich Heckel zum 90. Geburtstag. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Graphik, Galerie Roman Norbert Ketterer, Campione d'Italia 1973, Kat. Nr. 69 (mit Farbabb.).
Anton Henze, Erich Heckel. Leben und Werk, Stuttgart/Zürich 1983, Farbabb. S. 66.

1904 beginnt Erich Heckel ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Dresden, doch gibt er dieses schon ein Jahr später wieder auf. Als sich Heckel 1905 mit seinen Künstlerfreunden Karl Schmidt-Rottluff, Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner zur Künstlergruppe "Die Brücke" zusammenschließt, wird der Weg zum Expressionismus geebnet. Der Künstler widmet sich nun verschiedenen Drucktechniken wie dem Holzschnitt, der Lithografie und der Radierung. Landschaften von strahlender Farbigkeit entstehen. Im Herbst des Jahres 1911 übersiedelt Heckel nach Berlin. Er kennt inzwischen Pechstein, Nolde und Mueller, die sich den "Brücke"-Künstlern angeschlossen hatten, nun begegnet er Marc, Macke und Feininger. 1912 malt Heckel mit Kirchner zusammen die Kapelle der Sonderbund-Ausstellung in Köln aus. Ein Jahr später wird die "Brücke" aufgelöst, eine erste Sonderausstellung der Werke Heckels findet bei Gurlitt in Berlin statt. Von 1915 bis 1918 begibt sich Heckel als Pfleger beim Roten Kreuz nach Flandern, dann geht er zurück nach Berlin, das bis Anfang 1944 sein Hauptwohnsitz bleibt. Die Sommer allerdings verbringt Heckel vorwiegend an der Flensburger Förde.

Das vorliegende stimmungsvolle und in Farbgebung und Pinselduktus expressive Seestück mit seinem wolkenverhangenen Himmel und der stark gebogenen Horizontlinie steht exemplarisch für Heckels Vorliebe für landschaftliche Themen in den 1920er Jahren, in welchen er topographische Treue mit den Elementen der Stimmungslandschaft zu verbinden sucht. In den Landschaftsaquarellen zu Anfang des Jahrzehntes gelingt Heckel vereinzelt - wie in der vorliegenden Arbeit eindrucksvoll vor Augen geführt - jene spannungsreiche Synthese aus expressiven Elementen, welche für sein künstlerisches Schaffen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg prägend waren, und einer weichen, durch fließende Farbverläufe charakterisierten Formsprache. Dieses stilistische Oszillieren wird zum Abbild jenes Momentes künstlerischer Selbstfindung, welcher einen neuen Abschnitt in Heckels Œuvre begründen wird.

Zahlreiche Reisen führen Heckel u.a. auch in die Alpen, nach Südfrankreich, Nordspanien und Norditalien. 1937 werden 729 Arbeiten des Künstlers in deutschen Museen beschlagnahmt, im Jahr vor Kriegsende zerstören Fliegerbomben das Atelier in Berlin. Alle Druckstöcke und zahlreiche andere Arbeiten werden dabei vernichtet. Heckel zieht daraufhin nach Hemmenhofen an den Bodensee. 1949 erhält er einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, den er bis zum Jahr 1955 inne hat. In diesem Jahrzehnt gewinnt das Stillleben in Heckels Schaffen an Bedeutung. Die Darstellungen sind nun in ruhigerer, ausgewogener Malweise ausgeführt und vermitteln eine fast lyrische Stimmung. 1953 finden anlässlich des siebzigsten Geburtstages von Erich Heckel Einzelausstellungen in zahlreichen Städten Deutschlands statt, in gleicher Weise ehrt man den Künstler zum achtzigsten Geburtstag. Heckel, einer der Hauptvertreter des Deutschen Expressionismus, erhält überdies weitere Ehrungen und Preise, so den Kunstpreis der Stadt Berlin (1957), des Landes Nordrhein-Westfalen (1961) sowie das Große Bundesverdienstkreuz (1956). [JS]

58
Erich Heckel
Blick auf die Förde, 1922.
Aquarell
Schätzung:
€ 24.000
Ergebnis:
€ 95.160

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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