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Auktion: 387 / Post War/ Zeitgenössische Kunst am 10.12.2011 Lot 248

 
Fred Thieler - Ohne Titel

Objektbeschreibung
Öl auf Leinwand.
Nicht bei Melchior. Verso signiert und datiert sowie mit Richtungspfeilen. 200 x 138 cm (78,7 x 54,3 in).

Mit einer schriftlichen Expertise von Frau Sigrid Melchior M.A., Berlin, vom 3. November 2011.

Fred Thieler wird am 17. März 1916 in Königsberg geboren. 1936 beginnt er ein Medizinstudium, das er 1941 wegen eines auferlegten Berufsverbots abbrechen muss. Nach 1945 schreibt sich Thieler an der Akademie der Bildenden Künste in München ein und studiert Malerei bei Carl Caspar. Sein Weg führt ihn in den 1950er Jahren nach Holland, später nach Paris, wo er im "Atelier 17" bei Stanley William Hayter arbeitet. In der französischen Metropole pflegt Thieler Kontakte zu Hans Hartung, Serge Poliakoff und Pierre Soulages. Zurück in München schließt er sich der Avantgarde-Gruppe "ZEN 49" an, 1953 ist er Mitglied der "Neuen Gruppe München". 1955 nimmt Thieler an der ersten Nachkriegsausstellung deutscher Kunst in Paris im "Cercle Volney" teil. 1959 wird er als Professor an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin berufen und ist in den folgenden Jahren als international anerkannter Künstler mehrfach auf der documenta in Kassel vertreten.

Die Malerei Fred Thielers hat sich vollkommen von der Gegenständlichkeit der Alltagswelt gelöst, sie wird durch nichts Äußerliches definiert, sie meint und zeigt nichts als sich selbst. Sie ist allein an das Individuum des Künstlers und sein inneres Empfinden gekoppelt. Die Leinwand wird zum Tatort seiner Existenz. Thieler tritt in den Dialog mit der Materie Farbe, die er schnell und langsam, sorgfältig und explosiv gestisch auf die Leinwand bringt, sie gießt oder tropft. Der Gestaltungsvorgang scheint dabei zufällig, beliebig und unkontrollierbar. Doch Thieler dirigiert die Farbe, indem er sie verdünnt gießt oder in Schlieren über die Leinwand zieht, ihren Lauf durch Heben und Senken der Leinwand beeinflusst oder sie aus Schwämmen presst, träufelt oder wieder aufsaugt. So entstehen überraschende Gebilde, Ungewolltes fügt sich zusammen und Unbewusstes kommt zu Tage. Thieler führt nicht nur herbei, er lässt auch zu - und so erschaffen sich die Bilder mit Hilfe des Künstlers letztendlich selbst: "Thieler kann alles dem Zufall überlassen, den er dirigiert und herbeiführt und so das Bild zu seinem Erscheinungsort werden lässt." (Jörn Merkert, Kreative Umwege oder Die Kunst von Fred Thieler von außen betrachtet, in: Andrea Firmenich/Jörn Merkert, Fred Thieler. Monographie und Werkverzeichnis, Köln 1995, S. 22).

Für die Heilig-Geist-Kirche in Emmerich gestaltet Thieler 1965/66 den gesamten Innenraum und die Darstellung der vierzehn Kreuzwegstationen. 1972/73 erhält er eine Gastprofessur am College of Art and Design in Minneapolis. Seit 1978 ist Thieler Mitglied der Akademie der Künste, Berlin und der Neuen Darmstädter Sezession. 1979 tritt er der Internationalen Gesellschaft für Bildende Künste in Paris bei; bis 1984 ist er deren Vizepräsident. Im Alter von 69 Jahren verleiht die Stadt Regensburg Fred Thieler den Lovis-Corinth-Preis. Im selben Jahr erhält er das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Der Fred-Thieler-Preis für Malerei, ein Kunstpreis für junge Künstler, wird 1991 ins Leben gerufen. 1995 stellt Thieler Arbeiten aus den Jahren 1942-93 in der Berlinischen Galerie im Martin-Gropius-Bau aus. Am 6. Juni 1999 stirbt der Künstler in Berlin. Thieler, der sich von der gegenständlichen Malerei zur abstrakt-informellen Malweise hinwendet, hat mit seinem Oeuvre nicht nur großartige Raumwirkungen erzielt, sondern auch im Tafelbild selbst kosmische Weite eingefangen. Er gilt als einer der Hauptprotagonisten der Deutschen Kunst nach 1945. [SM].

248
Fred Thieler
Ohne Titel, 1958.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 15.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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