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Auktion: 401 / Post War/Zeitgenössische Kunst am 08.12.2012 in München Lot 201

 
Objektbeschreibung
Helle Bewegung 3. 1947/48.
Öl mit Kunstharz und Spachtelkitt auf leistenverstärkter Malpappe.
Beye/Baumeister 1364, überarbeitet (das Archivfoto im WVZ der Gemälde zeigt einen früheren Zustand). Rechts unten signiert und datiert, in die nasse Malschicht eingeritzt. Verso datiert, betitelt "Helle Bewegung 3" und mit den Maßangaben sowie wohl von fremder Hand bezeichnet: "Zum Umtausch nach Mannheim Galerie Günther Lange Rötterstr. 20". 64 x 81 cm (25,1 x 31,8 in).
Durch die eigenhändige spätere Übermalung sind Signatur und Datierung teilweise überdeckt.

Wir danken Felicitas Baumeister und Hadwig Goez, Archiv Baumeister Stuttgart, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Galerie Egon Günther, Mannheim.
Privatsammlung, Berlin.

AUSSTELLUNG: Gegenstandslose Malerei in Deutschland, Städtische Kunsthalle Mannheim, Mannheim 1952, Kat.Nr. 8.

LITERATUR: Will Grohmann: Willi Baumeister. Leben und Werk, Köln 1963, Werkverzeichnis Nr. 1002 (dort als "Helle Bewegung V" betitelt).

Während seiner Lehre als Dekorationsmaler besucht Willi Baumeister zunächst Abendkurse an der Kunstakademie in Stuttgart. 1909-1912 gehört er zur Kompositionsklasse Adolf Hölzels und hat erste Kontakte zu dem späteren Bauhausmaler Oskar Schlemmer, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden wird. 1919/20 entstehen die ersten "Mauerbilder", Bildtafeln, die durch Beimischung von Sand und Kitt mauerähnlich reliefiert und mit kubistischem Formengut gestaltet werden. Diese Bilder bringen Baumeister den internationalen künstlerischen Durchbruch. 1928 beruft die Frankfurter Städelschule den Künstler als Leiter der Klasse für Gebrauchsgrafik, Typografie und Stoffdruck. 1930 schließt sich Baumeister dem "Cercle Carré" an, 1931 wird er Mitglied der Künstlergruppe "Abstraction-Création". Im Dritten Reich als "entartet" verfemt, kann Baumeister als Künstler kaum in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten. Er widmet sich daher prähistorischen und orientalischen Studien, die den wesentlichen Motivfundus seiner "Eidos"-Bilder und "Ideogramme" bilden. Während des Krieges schreibt Baumeister das Buch "Das Unbekannte in der Kunst", das 1947 erstmals erscheint.

Mit den Kammzügen fügt Willi Baumeister ein neues und ungewöhnliches Element in die Komposition ein. Das bewusste Einkalkulieren einer reliefartigen Oberfläche, die das Licht bricht und durch die Verschattungen neue Tiefen schafft, hat Baumeister in diesen Kompositionen zu einem neuen Stilelement entwickelt. Die mauerartige Schichtung der Formen in ihrer reliefartigen Struktur wird durch lineare Elemente und aufwärtsstrebende Formen durchbrochen. Einem Intermezzo gleich visualisiert Baumeister hier musikalisches Formengut, das in seiner losgelösten Unbekümmertheit eine "helle Bewegung" vollführt. Der Enge einer verordneten Doktrin entkommen, konnte Baumeister seinen ureigensten Gedanken ein neues und freies Feld bereiten.

In der Nachkriegsära nimmt er seine Lehrtätigkeit an der Kunstakademie in Stuttgart wieder auf. Baumeister zählt durch sein umfassendes Œuvre und seine grundlegenden kunsttheoretischen Schriften zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Moderne. Sein in viele Werkgruppen gegliedertes Œuvre, eingangs noch dem Gegenständlichen verhaftet, zeigt eine immer abstrakter werdende Formensprache. [KD].

201
Willi Baumeister
Helle Bewegung 3, 1947.
Öl
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 152.500

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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