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Auktion: 407 / Post War/ Zeitgenössische Kunst am 08.06.2013 in München Lot 263

 
Objektbeschreibung
Adler. 1974.
Öl auf Papier, nachträglich auf Leinwand aufgezogen.
Rechts unten monogrammiert und datiert "Nov+74". 50,1 x 35 cm (19,7 x 13,7 in), Blattgröße.

Die vorliegende Arbeit ist im Archiv Georg Baselitz, München, verzeichnet. Wir danken dem Archiv für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Ehemals Galerie Heiner Friedrich, München.

Georg Baselitz, mit bürgerlichem Namen Hans-Georg Kern, nennt sich als Künstler seit 1961 nach seinem Heimatort Baselitz. Nachdem er aufgrund von "gesellschaftspolitischer Unreife" von der Ost-Berliner Kunsthochschule verwiesen wird, wechselt er 1956 auf die Hochschule der Bildenden Künste in Berlin-Weißensee. 1957-1962 setzt Baselitz seine Ausbildung an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin-Charlottenburg fort. Einer seiner Lehrer wird Hann Trier. In den frühen 1960er Jahren verfasst Baselitz mehrere künstlerische Manifeste und etabliert zusammen mit Künstlern wie Eugen Schönebeck oder Markus Lüpertz eine neue figurative Kunst mit expressiven Zügen. Mit seinen Arbeiten richtet sich Baselitz ganz bewusst gegen festgelegte Kategorien und Regelmäßigkeiten, seine unprätentiöse Malerei irritiert das gängige Kunstideal. Durch den Skandal um zwei seiner Gemälde, die von der Staatsanwaltschaft in Berlin beschlagnahmt werden, wird Baselitz 1963 schlagartig bekannt. Ab 1969 entstehen Gemälde mit auf dem Kopf stehenden Motiven, die zum "Markenzeichen" Baselitz' werden.

Diesen Bildern ist auch der in unserer Auktion angebotene "Adler" zuzuordnen. Baselitz gelingt es hier meisterlich, dem Raubvogel trotz der Drehung des Motivs um 180° nichts von seiner majestätischen Erhabenheit zu nehmen, sondern ihn vielmehr gleichsam mythisch zu erhöhen. Zunächst lassen sich die von Baselitz betriebenen vogelkundlichen Studien gewiss als prägend hinsichtlich dieser Motivwahl beschreiben. Darüber hinaus liegt die kunsttheoretische Bedeutung der hier vorliegenden Arbeit in ihrem konzeptuellen Zugang begründet, wenn Baselitz mit dem Adler auf ein seit den frühen 1950er Jahren im Œuvre zu entdeckendes Bildmotiv zurückgreift und hier gleichsam eine komplexe, die Werkphasen überspannende und zugleich zusammenführende Serie erschafft (vgl. Richard Shiff, Tychisches Motiv: Baselitz in der Geschichte, in: Ausst. Kat. Georg Baselitz. Bilder, die den Kopf verdrehen, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 2.4.-8.8.2004, S. 66).

In den 1970er Jahren erreicht der Künstler durch zahlreiche Ausstellungen einen hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland. Baselitz nimmt mehrfach an der Documenta in Kassel teil, 1980 gestaltet er den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. 1995 zeigt das Guggenheim Museum in New York eine große Retrospektive. Baselitz wird 1977 als Professor an die Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe berufen, 1983 bis 1988 lehrt er an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin. 2004 wird Baselitz der renommierte Praemium Imperiale der Japan Art Association verliehen. Georg Baselitz hat mit seiner energievollen Malerei die internationale Kunstszene Jahrzehnte lang geprägt. Zahlreiche große Ausstellungen ehren das Werk Georg Baselitz', unter anderem in der Sammlung Essl in Klosterneuburg bei Wien. Seit 2006 lebt er am Ammersee in Oberbayern. [KP].

263
Georg Baselitz
Adler, 1974.
Öl auf Papier
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 32.940

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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