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Auktion: 394 / Alte und Neuere Meister am 23.11.2012 in München Lot 170

 
Franz von Defregger - Die Weihnachtsgabe

Objektbeschreibung
Die Weihnachtsgabe. 1885.
Öl auf Leinwand.
Defregger S. 323 (Archivnummer 202120). Links unten zweifach signiert sowie bezeichnet und datiert "Christabend 1885". 47,5 x 97 cm (18,7 x 38,1 in).

Mit einer Expertise von Hans Peter Defregger, München, vom 12. August 1987 (in Kopie).

Franz Defregger wird 1835 als Sohn eines wohlhabenden Bauern in Tirol geboren. Nach dem Tod des Vaters verkauft er den Hof der Familie und geht nach Innsbruck, wo er 1860 eine Bildschnitzerlehre bei Michael Stolz beginnt. Dieser erkennt bald seine außerordentliche Begabung und ermöglicht ein Zusammentreffen mit dem Maler Karl Theodor von Piloty. Auf dessen Rat hin besucht Defregger die Vorbereitungsklasse an der Kunstgewerbeschule München bei Hermann Dyck und wechselt im Herbst 1861 zu Hermann Anschütz an die Akademie der Bildenden Künste. Eine anschließende Studienreise führt ihn 1863 für längere Zeit nach Paris, wo er die Malerei der Schule von Barbizon kennenlernt. Nach der Rückkehr aus Paris lebt Defregger in München und Osttirol, zu dieser Zeit entstehen vor allem Porträts von Verwandten und Freunden. 1867 malt er die Studie "Der verwundete Jäger", mit der er von Piloty als Schüler angenommen wird. Defregger wird schnell zu einem der populärsten Genremaler der Münchner Schule und hat schulbildenden Einfluss. 1878 wird der Künstler zum Professor für Historienmalerei an der Münchner Akademie ernannt, wo er bis 1910 lehrt. Seine 1880 erbaute repräsentative Villa in der Münchner Königinstraße wird zum gesellschaftlichen Treffpunkt. Defregger erhält in den folgenden Jahren zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, die 1883 in der Verleihung des bayerischen Kronenordens, verbunden mit dem Adelstitel, gipfeln. Neben der akademischen Genre- und Historienmalerei, die regelmäßig auf Ausstellungen zu sehen ist, malt der Künstler zahlreiche Porträts.

Das Gemälde zeigt ein recht ungewöhnliches Motiv für Defregger: Oberhalb einer felsigen Schlucht bemühen sich vier Zwerge um den Transport eines erlegten Rehs. Rechts steht ein Zwerg ausgestattet mit Bogen und Lanze, links am Eingang der Höhle warten ungeduldig die Zwergenfrau und Zwergenkinder. Die Bezeichnung "Christabend" lässt an eine märchenhafte Darstellung der Weihnachtsvorbereitungen denken. Die Zwerge kehren von der erfolgreichen Jagd mit dem Reh für den Weihnachtsbraten heim, wo bereits die Familie in freudiger Erwartung Ausschau hält.
Im Œuvre Defreggers finden sich immer wieder Darstellungen häusliche Szenen, in denen Kindern Märchen erzählt werden (z.B. "Märchenerzählerin", "Kinderszene"), so wie auch in der kinderreichen Familie Defreggers das Erzählen von Geschichten und Märchen zum Alltag gehört hat. Zu der Entstehungszeit des Gemäldes 1885 war der älteste Sohn gerade 10 Jahre alt. Immer wieder porträtiert der Familienmensch Defregger vor allem in den 1880er und 1890er Jahren seine Kinder, einzeln oder gemeinsam, beim Spielen und Lernen oder friedlich schlafend. [CB].

170
Franz von Defregger
Die Weihnachtsgabe, 1885.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 17.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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