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Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 112

 
Objektbeschreibung
Die Bucht der Engel. 1962.
Farblithografie.
Mourlot 350. Signiert. Aus einer Auflage von 25 römisch nummerierten Künstlerexemplaren. Auf festem Velin von Arches (mit Wasserzeichen). 78 x 57 cm (30,7 x 22,4 in). Papier: 94,5 x 65,5 cm (37,2 x 25,8 in).
Einer der seltenen Abzüge dieser bedeutenden Lithografie auf dem internationalen Auktionsmarkt.

Die Studienzeit verbringt Chagall zunächst in Witebsk, anschließend an der Petersburger Akademie bei Leon Bakst, der ihn auf Cézanne, van Gogh und Gauguin hinweist. Diese Einflüsse werden abgelöst von kubistischen und fauvistischen Tendenzen, die Chagall ab 1914 während eines vierjährigen Parisaufenthaltes zunehmend in seine Arbeit miteinbezieht. Seinen eigenen Stil - motivisch eine irreale Kombination symbolischer Bildmotive, bestehend aus jüdisch-religiös geprägten Kindheitserlebnissen und russischer Volkskunst, gepaart mit traumhaften Elementen und dem Einfluss der in Paris entdeckten modernen Kunst - entwickelt Chagall erst nach seiner Rückkehr nach Russland. In Witebsk gründet er 1919 eine Kunstschule und wird deren Direktor. Im selben Jahr übernimmt er die Ausstattung des Jüdischen Theaters in Moskau. 1922 verlässt Chagall endgültig Russland und geht über Berlin, wo die ersten grafischen Blätter, Radierungen zu der Autobiografie "Mein Leben", entstehen, nach Frankreich zurück. 1923 in Paris angekommen macht Chagall die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Vollard, der die Buchillustration des Werkes "Die toten Seelen" von Gogol in Auftrag gibt. Nach weiteren 100 Radierungen zu La Fontaines "Fabeln" entstehen ab 1930 die Bibelillustrationen, insgesamt 105 Blätter. Ausgedehnte Reisen führen den Künstler in diesen Jahren nach Palästina, Ägypten, Holland, England und Spanien. 1941 flieht Chagall in die USA, wo er die folgenden sechs Jahre lebt. Er entwirft in dieser Zeit Bühnenbilder für Ballettaufführungen von Tschaikowsky ("Aleko") und Strawinsky ("Feuervogel").

Als Werbung für die Stadt Nizza konzipiert, hat Chagall diese Farblithografie zugleich als eine Huldigung an sein Gastland Frankreich angesehen. Marc Chagall entwickelt in Frankreich einen poetisch inspirierten Stil der romantischen Verklärung aller Sujets, die ihn bewegten. So macht er aus der Bucht der Engländer, wie sie heute noch genannt wird, eine Bucht der Engel, ohne jedoch einen Engel zu zeigen. Stellvertretend für die Engel schwebt eine Nixe über der Bucht, die, ihrem eigentlichen Element entstiegen, nun die nächtliche Stadt bewacht. Bei Chagall wird alles zum Märchen, zum unwirklichen Zauber des Unschuldigen. Das hat ihm ein Terrain eigener Bildfindungen gesichert, die unverwechselbar und rätselhaft den Betrachter in eine Welt der Phantasie entführen.

Nach einer großen Ausstellung im Museum of Modern Art 1946 kehrt der Künstler 1950 nach Frankreich zurück. Einige Großaufträge unterbrechen sein beschauliches Leben in Vence: Für verschiedene öffentliche Bauwerke wie z.B. die Kathedrale von Metz (1958), die Synagoge der Hadassah-Universitätsklinik bei Jerusalem (1960), oder das Haus der Vereinten Nationen in New York (1964) entwirft Chagall Glasfenster. Für die Pariser Oper wird ihm ein Deckengemälde in Auftrag gegeben. Als dieses 1964 fertiggestellt ist, beginnt Chagall mit Wandgemälden in der Metropolitan Opera in New York, die 1967 eingeweiht werden. Das umfangreiche Werk Chagalls umfasst darüber hinaus noch die Bereiche der Keramik und Plastik, in denen sich der Künstler ab 1950 versucht. [KD].

112
Marc Chagall
Die Bucht der Engel, 1962.
Farblithografie
Schätzung:
€ 28.000
Ergebnis:
€ 35.380

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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