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Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 26

 
Objektbeschreibung
Frauen am Meer. 1919.
Aquarell und Gouache über Bleistift.
Links unten signiert und datiert sowie wohl von Siddy Heckel betitelt. Auf leichtem Zeichenpapier, am Oberrand mit der Perforierung. 43,3 x 58 cm (17 x 22,8 in), blattgroß.

Mit einer Fotobestätigung von Renate Ebner, Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen, vom 7. August 2012. Das Aquarell ist im Nachlass-Archiv registriert.

PROVENIENZ: Friedrich Schreiber-Weigand (erster Direktor der 1920 gegründeten Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz und Ausstellungsleiter der Kunsthütte zu Chemnitz).
Privatsammlung Schleswig-Holstein.
Privatsammlung Hamburg.

AUSSTELLUNG: Sächsischer Kunstverein, Dresden Nr. 1887/9 (verso auf dem Passepartout mit dem ausgeschnittenen Ausstellungsvermerk).
Kunsthütte zu Chemnitz, wohl 1931, Nr. 650 (verso auf dem Passepartout mit dem ausgeschnittenen Ausstellungsvermerk).

LITERATUR: Genius, Jg. 21, 1. Buch, S. 77 (mit Abb.).

1904 beginnt Erich Heckel ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Dresden, doch gibt er dieses schon ein Jahr später wieder auf. Als sich Heckel 1905 mit seinen Künstlerfreunden Karl Schmidt-Rottluff, Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner zur Künstlergruppe "Die Brücke" zusammenschließt, wird der Weg zum Expressionismus geebnet. Der Künstler widmet sich nun verschiedenen Drucktechniken wie dem Holzschnitt, der Lithografie und der Radierung. Landschaften von strahlender Farbigkeit entstehen. Im Herbst des Jahres 1911 übersiedelt Heckel nach Berlin. Er kennt inzwischen Pechstein, Nolde und Mueller, die sich den "Brücke"-Künstlern angeschlossen hatten, nun begegnet er Marc, Macke und Feininger. 1912 malt Heckel mit Kirchner zusammen die Kapelle der Sonderbund-Ausstellung in Köln aus. Ein Jahr später wird die "Brücke" aufgelöst, eine erste Sonderausstellung der Werke Heckels findet bei Gurlitt in Berlin statt. Von 1915 bis 1918 begibt sich Heckel als Pfleger beim Roten Kreuz nach Flandern, dann geht er zurück nach Berlin, das bis Anfang 1944 sein Hauptwohnsitz bleibt. Die Sommer allerdings verbringt Heckel vorwiegend an der Flensburger Förde.

Das ausdrucksstarke Aquarell zeigt eines der beliebtesten Motive des Künstlers. Erich Heckel fand während der Aufenthalte in Osterholz an der Flensburger Förde viele seiner Motive. Als Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit den oft wechselnden Lichterscheinungen des Meeres, hatte er die Reflexionen des Himmels im Wasser als besonderes Element einer Naturbeobachtung in den Mittelpunkt seiner Arbeiten gerückt. Bedeutendstes Beispiel dafür ist das Gemälde "Gläserner Tag" von 1913, dessen Motiv Erich Heckel noch öfter aufgreift, um es abwandelnd zu gestalten. Die für ein Aquarell ungewöhnlich kräftigen Pinselstriche, deren Duktus durch die Verwendung deckender Farbe sichtbar wird, erzeugen eine Spannung in der optischen Wahrnehmung, die sich dem Betrachter mittelbar erschließt. Erich Heckel bringt hier jene Kraft der Gestaltung zu Papier, die seine frühen Arbeiten der Dresdner Zeit bestimmt. Gemildert in der Annäherung an eine vorgefundene Realität sind die um diese Zeit entstandenen Aquarelle Erich Heckels ein bedeutender Beitrag in der deutschen Kunst der Moderne der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Zahlreiche Reisen führen Heckel u.a. auch in die Alpen, nach Südfrankreich, Nordspanien und Norditalien. 1937 werden 729 Arbeiten des Künstlers in deutschen Museen beschlagnahmt, im Jahr vor Kriegsende zerstören Fliegerbomben das Atelier in Berlin. Alle Druckstöcke und zahlreiche andere Arbeiten werden dabei vernichtet. Heckel zieht daraufhin nach Hemmenhofen an den Bodensee. 1949 erhält er einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, den er bis zum Jahr 1955 inne hat. In diesem Jahrzehnt gewinnt das Stillleben in Heckels Schaffen an Bedeutung. Die Darstellungen sind nun in ruhigerer, ausgewogener Malweise ausgeführt und vermitteln eine fast lyrische Stimmung. 1953 finden anlässlich des siebzigsten Geburtstages von Erich Heckel Einzelausstellungen in zahlreichen Städten Deutschlands statt, in gleicher Weise ehrt man den Künstler zum achtzigsten Geburtstag. Heckel, einer der Hauptvertreter des Deutschen Expressionismus, erhält überdies weitere Ehrungen und Preise, so den Kunstpreis der Stadt Berlin (1957), des Landes Nordrhein-Westfalen (1961) sowie das Große Bundesverdienstkreuz (1956). [KD].

26
Erich Heckel
Frauen am Meer, 1919.
Aquarell
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 109.800

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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